Vorwürfe der Vetternwirtschaft: Will die AfD die Leute für dumm verkaufen?
Die AfD zeichnet gern ein einfaches Bild von der Welt: Auf der einen Seite gibt es da die „Altparteien“, wie die AfD sie nennt, die das Volk schröpfen würden und nur auf den eigenen Vorteil bedacht seien. Auf der anderen Seite gibt es die AfD, die nobel für die eigenen Leute streite.
Es ist ein bizarres Zerrbild der Realität, das die Partei da entwirft – und eines, das eine ordentliche Portion Projektion enthält. Der Staat als Beute, Vorteilsnahme als Programm: Was sie anderen vorwerfen, setzen manche AfD-Leute in Sachsen-Anhalt offenbar selbst um. Medienrecherchen zufolge haben gewählte Abgeordnete der Partei dort systematisch gegenseitig Verwandte mit gut bezahlten Posten versorgt. Die eigenen Leute, stellt sich heraus, sind vor allem Familienmitglieder.
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Bei Patrick Graichen sprach die AfD noch von „Filz“, hier spricht sie von „Vertrauen“
Vorteilsnahme und Pöstchengeschiebe gibt und gab es auch in anderen Parteien. Der Unterschied ist: Wenn es öffentlich wird, müssen die Verantwortlichen meist gehen. Als Ex-Staatssekretär Patrick Graichen im damals grünen Wirtschaftsministerium nicht trennte zwischen beruflichen und familiären Beziehungen, sprach die AfD von „Filz“ und „Clans“. Jetzt verteidigt der AfD-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, die parlamentarischen Familienbetriebe dagegen damit, dass es um Vertrauen in die Mitarbeiter gehe. Das ist ein bemerkenswert plumper Versuch, die Wählerinnen und Wähler für dumm zu verkaufen. Von Reue oder Einsicht keine Spur.
Es gibt keinen Grund zu glauben, dass die Beteiligten nicht genau so weitermachen würden, sollten sie in Sachsen-Anhalt in die Regierung kommen. Ob die Wähler ihnen das durchgehen lassen, entscheidet sich im September.
