Da gibt es nichts zu beschönigen: Deutschland ist ein gewalttätiges Land
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Wie groß muss die Einsamkeit eines Opfers sein, so allein mit den Schmerzen, der Scham, den Sorgen und vor allem der Angst – um sich selbst, um die Kinder, vor der Zukunft.
Das ist wohl das Bedrückendste dieser Dunkelfeldstudie, die zu Gewalterfahrungen in Deutschland gemacht wurde. Die Opfer haben kein Vertrauen: weder, dass der Staat sie schützt, noch die Gesellschaft oder ihr persönliches Umfeld. Die allermeisten Opfer von Gewalt, sexueller Belästigung und Vergewaltigung schweigen lieber, als dass sie sich jemandem anvertrauen und dann auch Anzeige erstatten. Und das wirft ein Schlaglicht auf unsere Gesellschaft. Sie lässt die Opfer von Gewalt, Hass und Missbrauch allein.
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Es ist gut, wenn endlich eine Studie diesem Schweigen nachgeht – und offenlegt, welchen Raum Gewalt und Hass in der Gesellschaft einnehmen. Denn wenn jeder zweite Deutsche Gewalterfahrungen hat und der Großteil der Opfer weiblich ist, dann ist auch klar: Vor allem Frauen erleben Deutschland als gewalttätiges Land.
Ein Land, in dem immer noch (oder schon wieder?) so viele Beziehungen auf dem Dreiklang Besitz, Ehre und Macht beruhen. In dem der Hass gegenüber Frauen eher zu- als abnimmt. Warum schaffen es die Sicherheitsbehörden, die Institutionen wie Schule, Universität, die Arbeitgeber nicht, einen Riegel vorzuschieben?
So wichtig punktuelle Hilfe wie der Ausbau von Frauenhäusern samt Rechtsanspruch auf einen Platz ist: Nur wenn Opferhilfe, Prävention und auch die konsequente Strafverfolgung ineinandergreifen, wächst Vertrauen in den Staat und in die Gesellschaft. Wenn dieses Vertrauen erst mal da ist, wenn Opfer nicht länger schweigen, schwindet die Macht der Täter.
