Giorgia Meloni baut Militär massiv aus: Wie Italiens Armee wachsen soll
Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni plant eine deutliche Aufstockung der Streitkräfte und ist dafür bereit, zusätzliche 100.000 Soldaten einzustellen. Dies sieht eine Reform des italienischen Verteidigungswesens vor. Dabei soll Italiens Truppenstärke von derzeit etwa 170.000 auf 275.000 Angehörige von Heer, Marine und Luftwaffe erhöht werden.
Die Personalaufstockung soll schrittweise bis 2040 beziehungsweise 2044 umgesetzt werden. Vorgesehen ist zudem der Aufbau einer ständigen Reserve von 15.000 Kräften. Insgesamt würde die militärische Stärke damit um rund 100.000 Einheiten wachsen – ein Plus von mehr als 60 Prozent.
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Verteidigungsbudget Italiens soll um sieben Milliarden Euro steigen
Die jährlichen Personalkosten würden nach derzeitigen Schätzungen von 8,8 Milliarden Euro auf nahezu 15 Milliarden Euro steigen. Kern des Reformvorhabens ist neben der Personalaufstockung eine strukturelle Neuausrichtung der Streitkräfte. Geplant ist eine fest etablierte operative Reserve, die im Bedarfsfall rasch aktiviert werden kann. Hierfür sollen Strukturen reaktiviert werden, wie sie aus Zeiten der Wehrpflicht bekannt sind, darunter medizinische Musterungen und Ausbildungsprogramme. Italien hatte die allgemeine Wehrpflicht 2005 abgeschafft.
Darüber hinaus plant die Regierung Meloni, auch rechtmäßig in Italien ansässige Ausländer für einen freiwilligen Wehrdienst zu gewinnen. Ein neuer vierter Organisationsbereich für Cybersicherheit soll geschaffen werden. Dort könnten hoch qualifizierte Fachkräfte auch ohne klassische Militärlaufbahn eingesetzt werden.
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Parallel dazu ist eine personelle Verstärkung der Carabinieri vorgesehen. Geplant sind 2600 zusätzliche Stellen sowie ein mehrjähriger Sonderplan mit weiteren 7600 Einstellungen. Die Carabinieri sind seit dem Jahr 2000 eine eigenständige Teilstreitkraft Italiens, gleichrangig mit Heer, Marine und Luftwaffe.
Italien plant massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben bis 2035
Hintergrund der Reform sind die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa und Forderungen nach größerer militärischer Eigenständigkeit. Im vergangenen Jahr hatten sich die Nato-Staaten unter dem Druck von US-Präsident Donald Trump darauf verständigt, ihre Verteidigungsausgaben perspektivisch deutlich zu erhöhen.
Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert
Nach Nato-Schätzungen gab Italien zuletzt 2,01 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus. Meloni sagte, Italien wolle ein mögliches Fünf-Prozent-Ziel bis 2035 erreichen. Angesichts der hohen Staatsverschuldung dürfte eine derart deutliche Erhöhung der Militärausgaben innenpolitisch jedoch auf Widerstand stoßen.
