Neue Fotos der Tochter von Kim Jong-un – er soll große Pläne für sie haben
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Aus deutscher Perspektive gibt es wohl passendere Orte für ein Teenager-Mädchen als einen Schießstand. In Nordkorea hingegen ist es eine besondere Ehrung, wenn die eigene Tochter unerschrocken eine Pistole in die Hand nimmt.
Diktator Kim Jong-un besuchte nach Medienangaben am Mittwoch mit seiner Tochter Kim Ju-ae eine Munitionsfabrik, begutachtete mit ihr gemeinsam Pistolen und testete sie. Fotos der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zeigen die beiden zusammen mit nordkoreanischen Militärangehörigen beim Abfeuern der Waffen. Die Kameras fangen das Mündungsfeuer ein. Kim Ju-ae steht in schwarzer Lederjacke da, genau wie ihr Vater. Ihr Gesicht ist regungslos und konzentriert.
Kim Jong-un: Basketballer lobt ihn als „guten Vater“
Das Mädchen ist die gemeinsame Tochter Kims und seiner Frau Ri Sol-ju. Sie wird auf etwa 13 Jahre geschätzt, ihr genaues Alter ist nicht bekannt. 2012 verschwand ihre Mutter zeitweilig aus der Öffentlichkeit, was Beobachter mit der Schwangerschaft und Geburt ihrer Tochter in Verbindung brachten. Auch der Name des Mädchens fiel erstmals, als der US-Basketballer Dennis Rodman das Land 2013 besuchte und ihn anschließend erwähnte. Rodman lobte Kim Jong-un als „guten Vater“ und „tollen Typen“ und beschrieb, wie er das Baby des Paares im Arm gehalten habe.
Offiziell bestätigt wurde der Name des Kindes nie, auch nicht von südkoreanischen Geheimdiensten. Gleichwohl mutmaßen diese, dass das Mädchen eine zentrale Rolle im Regime einnehmen könnte. Im November 2022 trat Kim Ju-ae zum ersten Mal an der Seite ihres Vaters öffentlich in Erscheinung – beim Start einer ballistischen Interkontinentalrakete.
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„Geliebte und geschätzte Tochter“
Auch der Auftritt in der Waffenfabrik dürfte nicht zufällig passiert sein. Kim Jong-un soll nach Überzeugung des südkoreanischen Geheimdienstes NIS versuchen, seine Tochter als politische Nachfolgerin aufzubauen. Eric J. Ballbach von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin hält das für plausibel, auch wenn es schwierig ist, Erkenntnisse über die nordkoreanische Innenpolitik zu erlangen. Ballbach verweist auf historische Lehren. „Die Nachfolge von Kim Il-sung zu Kim Jong-il wurde über viele Jahre vorbereitet, und Kim Jong-il durchlief in diesem Vorbereitungsprozess quasi alle wichtigen Machtinstitutionen in Nordkorea, wo er sich ein System von Verbündeten und Vertrauten aufbauen konnte“, betont Ballbach gegenüber unserer Redaktion. Die Machtübergabe von Kim Jong-il zu Kim Jong-un sei hingegen viel plötzlicher und weniger vorbereitet verlaufen. „Es ist also durchaus möglich, dass Kim Jong-un seine Nachfolge langfristiger vorbereiten möchte“, sagt der Forscher.
Staatsmedien bezeichneten Ju-ae in der Vergangenheit als Kims „geliebte“ und „geschätzte“ Tochter. Seit einiger Zeit wird sie auch als „respektiert“ betitelt – ein Adjektiv, das in Nordkorea nur den ranghöchsten Mitgliedern der Gesellschaft zuteilwird. Dies sei „beachtlich“, sagt der Nordkorea-Experte Ballbach. Zu viel sollte man aber nicht in diese Attribute hineininterpretieren. Denn eine andere Erklärung für das regelmäßige Erscheinen Ju-aes könnte es sein, eine Botschaft nach innen zu senden: Seht her, unsere Dynastie ist stabil und besteht fort. „Die Auftritte könnten den Personenkult um die Familie stützen, innere Machtkämpfe verhindern oder für den Fall eines plötzlichen Machtvakuums absichern, wie etwa beim Schlaganfall Kim Jong-ils“, sagt Eric Ballbach. Ju-ae werde „schrittweise als Teil der staatlichen Symbolik etabliert“. Nicht alles liegt dabei bei dem Teenager: Kim Jong-uns Schwester Kim Yo-jong ist im Rahmen des jüngsten Parteitages soeben in der Hierarchie aufgestiegen.
Nordkorea ist derzeit stabil wie lange nicht
„Es wird sichtbar gemacht, dass die Herrschaft nicht nur an Kim Jong-un als Person, sondern an die direkte Kim-Familienlinie, also die sogenannte Baekdu-Blutlinie, gebunden bleibt“, sagt auch Sangkuk Kim, Korea-Experte an der Freien Universität Berlin, dieser Redaktion. Dass Ju-ae ihren Vater bei militärischen Anlässen begleitet, ergibt aus Sicht des Forschers Sinn. „In einem ‚Kasernenstaat‘ wie Nordkorea ist eine derartige Inszenierung nichts Außergewöhnliches: Die Elite soll sehen, dass die dynastische Linie auch künftig mit dem militärischen Kern des Regimes verbunden bleibt“, sagt der Wissenschaftler Kim. Es handele sich um klassische militärische Propaganda – und um eine symbolische Einbindung der möglichen nächsten Führungsgeneration.
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Über allem schwebt aber weiterhin Kim Jong-un, der in der Ideologie des Landes eine väterliche Führungsrolle übernimmt. Dass er Nordkorea ebenso antidemokratisch regiert wie sein Vater, Oppositionelle unterdrückt und Menschen in Lagern foltern lässt, steht im Selbstbild der kommunistischen Führung nicht im Widerspruch dazu.
Nach außen ist das Regime derzeit stabil wie lange nicht. „Russland ist für Pjöngjang vor allem sicherheitspolitisch wichtiger geworden, während China seine wirtschaftliche und infrastrukturelle Hebelwirkung wieder deutlich ausbaut“, sagt Sangkuk Kim. China werde versuchen, Nordkorea wirtschaftlich nicht vollständig an Russland zu verlieren – eine „doppelte Stabilisierung“, wie Kim sagt: Russland stärke das Regime strategisch und militärisch, China stabilisiere es ökonomisch und diplomatisch. Durch Russlands Einfluss im UN-Sicherheitsrat etwa wurden die internationalen Sanktionen gegen Pjöngjang abgeschwächt.
