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Alice Schwarzer: Eine Ikone schafft sich ab

Berlin. Außerdem: Flavia Zaka: Die Frau an Cem Özdemirs Seite +++ Die Angst vor der Rache der Mullahs +++ Die Hunde von Dubai +++ Beim Tanken sparen in Kriegszeiten
Ein Kommentar von Birgitta Stauber, Textchefin
Alice Schwarzer hält nicht viel von den jungen Frauen. © Jens Kalaene/dpa | Jens Kalaene

Liebe Leserin, lieber Leser,

in dieser Woche bin ich Alice Schwarzer dankbar. Sie hat es mit einem furiosen Auftritt in der Talkshow „Maischberger“ geschafft, mich von der globalen Kriegs- und Krisenlage abzulenken und mich mit der Frage zu beschäftigen, wann sich Frauen in unserer Gesellschaft emanzipiert fühlen dürfen – und wann nicht. Schwarzer erklärte, Frauen verblödeten immer mehr. Das begründete sie mit dem Drang, den Körper zu optimieren.

Ich denke bei Emanzipation eher an Partnerschaft. Einkommen. Karrierechancen. Sexualität. Freiheit bei der Familienplanung, dazu gehört auch die freie Entscheidung für oder gegen Kinder. Alles wichtige Themen. Da gibt es viele Erfolge, aber auch noch sehr viel Arbeit.

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Ob Frauen auf ihre Figur achten, ob sie versuchen, mit Muskelkraft gegen ihre Cellulite anzukämpfen, ob sie Ernährungspläne ausarbeiten, sich falsche Wimpern ankleben oder mit Hyaluron ihrer Schmallippigkeit entkommen wollen: Für mich sind das keine emanzipatorischen Fragen. Es geht dabei um Selbstoptimierung – und damit um den Zeitgeist, der genauso Männer trifft. Ein Zeitgeist, bei dem Gesundheit, Fitness und auch Schönheit im Fokus stehen, und zwar für ein langes und gesundes Leben. Longevity eben.  

Alice Schwarzer hängt im Zeitgeist ihrer Jugend fest

Diesen Zeitgeist kann man kritisieren. Man kann sagen, was ein Schwachsinn. Man könnte aber auch sagen: Gut, dass nicht mehr so viel gesoffen wird. Gut, dass für immer mehr Menschen Sport zum Alltag gehört. Vor allem: Gut, dass Frauen genauso selbstverständlich Gewichte heben wie Männer. Ich empfehle Alice Schwarzer mal den Besuch eines Fitnessstudios, wo Frauen beim Hyrox im Wettkampf mit Männern Medizinbälle werfen, Gewichte schultern, Schlitten schieben und Seile schlagen. Und zwar über die Generationen und Kleidergrößen hinweg.

Birgitta Stauber, Textchefin © Montage | FMG/Reto Klar/FFS

Alice Schwarzer war als Journalistin und Aktivistin für mich immer ein Vorbild. Doch nun spricht sie Frauen den geistigen Anspruch ab, weil sie mehr Beauty-Eingriffe vornehmen lassen als früher. Das liegt erstens daran, dass mehr möglich ist. Und zweitens auch an der erfolgreichen Emanzipation, denn Frauen haben heute dafür das selbst verdiente Geld. Mit ihrem Starrsinn, ihrem Verharren im Zeitgeist ihrer Jugend schafft sich Schwarzer als Ikone gerade selbst ab. Hinzu kommt ihre radikale Islam- und Transsexuellen-Kritik, eine Haltung, die sie mit der Rechtsaußen-Politik der AfD teilt. Das ist schade, denn tatsächlich könnten junge Frauen von Schwarzers Erfahrung profitieren.

Flavia Zaka: Sie wird wohl die neue Landesmutter von Baden-Württemberg

Was mich außerdem ablenkt, ist die Ehefrau von Cem Özdemir. Er hat die 20 Jahre jüngere Kanadierin erst neulich in Tübingen geheiratet. Im Rathaus übrigens von Boris Palmer, dem umstrittenen Ex-Grünen, der die Trauung vornahm. Es muss Liebe sein, denn Flavia Zaka, die wahrscheinlich künftige Landesmutter, hat in Toronto nicht nur ihre Familie verlassen, sondern auch ihren Job und ihren Pudel. Die erfahrene Umwelt- und Menschenrechtsanwältin wird hoffentlich in Stuttgart schnell beruflich Anschluss finden und nicht nur Landesmutter bleiben. Meine Kollegin Theresa Martus hat sich näher mit ihr beschäftigt. Und herausgefunden: Sie liebt die deutsche Sprache. Vor allem mag sie Rilkes Lyrik.

Es muss wohl Liebe sein: Flavia Zaka und Cem Özdemir am Abend der Landtagswahl. © Bernd Weißbrod/dpa | Bernd Weißbrod

Flavia Zaka verbrachte übrigens die ersten Lebensjahre in Albanien und migrierte dann mit ihren Eltern und Geschwistern nach Kanada.  Sie hat also einen doppelten Migrationshintergrund.

Die größte Angst der Iraner: Die Rache der Mullahs nach Kriegsende

Als Kinder aus dem Heimatland geflohen: Das erlebten auch die vielen Deutsch-Iraner. Meist wollten die Eltern dem Terror der Mullahs entgehen und auch dem Iran-Irak-Krieg in den 1980er-Jahren, als die Islamische Republik immer mehr Jungen, die noch Kinder waren, als Kanonenfutter an die Front schickte. Nun blicken viele von den Exil-Iranern und ihre Kinder mit großer Sorge auf ihr Heimatland. Trotz Internetsperren halten sie Kontakt zu ihren Freunden und Verwandten. Meist funktioniert das über kurze Telefonate, die abbrechen, sobald bestimmte Buzzwords fallen. Etwa wenn über den Krieg gesprochen wird.

Shabnam Fahimi-Weber ist Ärztin und kann dank Starlink immer wieder Kontakt zu Ärzten im Iran aufbauen. Was sie hört: Noch viel mehr Angst als vor den Bomben aus Israel und den USA haben die Menschen vor einem Ende des Krieges. „Jeder, der mir schreibt, berichtet von Drohparolen“, erzählte sie mir. Und zwar auf den Straßen und auch per SMS: „Wenn ihr euch bewegt, seid ihr dran. Unsere Finger sind an den Schusswaffen“, zitiert die Ärztin ihre Kontakte. Die Menschen, sagt sie, befürchteten ein neues Massaker mit Hinrichtungen, Erschießungen, Verschleppungen, wenn die Bombardements aufhören. Mehr über die Lage im Iran können Sie in der kommenden Woche lesen. Soviel vorweg: Ein wenig scheint es wie in der Pandemie zu sein. „Es ist still in den Straßen“, sagte mir eine andere Exil-Iranerin, die mit ihren Cousins sprach.

Die Menschen fliehen aus Dubai – und lassen ihre Tiere zurück

Richtig aufgeschreckt hat der Iran-Krieg die Ausländer auf der arabischen Halbinsel. Viele von ihnen brechen ihre Zelte ab und kehren in ihr Heimatland zurück. Doch was ist mit ihren Haustieren? Tatsächlich sind Tierheime inzwischen überfüllt, weil die Halter sie dort abgeben. Oder sie werden einfach an einen Pfosten gebunden und dort allein gelassen. Mitunter lassen die Halter sie auch einschläfern, beschreibt meine Kollegin Vivien Valentiner.

Völlig allein am Strand von Dubai: Viele Hunde wurden von ihren Haltern allein gelassen. © iStock | Jerry Mc

Ganz neu ist das Phänomen übrigens nicht, auch in der Ukraine und anderen Krisen- und Kriegsländern werden Tiere zurückgelassen. Tierhaltung ist offenbar etwas, was nur in Zeiten des Friedens funktioniert. Denn wer auf der Flucht ist, hat genug mit dem eigenen Leben zu tun. Und mit dem Wohlergehen der Familie. Da ist für Tiere kein Platz mehr.

Auto fahren: ein teurer Spaß. So lässt sich sparen

Man muss nicht in den Nahen und Mittleren Osten blicken, um die Auswirkungen des Iran-Krieges zu spüren. Es reicht eine Fahrt zur nächsten Tankstelle, wo gerade die Spritpreise explodieren, obwohl mit der teilweisen Freigabe von Ölreserven versucht wird, genau dies zu verhindern. Aber Sie können auch selbst einiges tun, um beim Tanken zu sparen. Leonie Urbanczyk hat dazu einige Ratschläge zusammengefasst. Der beste Tipp ist wohl: bewusstes Fahren. Dazu gehört, so wenig Sprit wie möglich zu verbrauchen. Und mein persönlicher Rat: Das Auto einfach stehen lassen, wann immer es geht. Es ist Frühling. Da macht der Weg per pedes oder mit dem Fahrrad doch endlich wieder Spaß.

Wie immer wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sonntag. Bleiben Sie zuversichtlich!

Ihre Birgitta Stauber

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