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Meinung
Linken-Politiker verlässt Partei

Reichinnek und der Antisemitismus: Auf beiden Augen blind

Berlin. Der brandenburgische Antisemitismusbeauftragte verlässt seine Partei. Er ist nicht der Erste. Warum die Parteispitze handeln muss.
Ein Kommentar von Julia Emmrich, Stellvertretende Ressortleiterin Politik/Wirtschaft
Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek. © Bernd von Jutrczenka/dpa | Bernd von Jutrczenka

Die Linke findet sich gerade ziemlich cool. Weil die einst tot geglaubte Partei in den bundesweiten Umfragen heute wieder so beliebt ist wie die Grünen. Weil gerade viele junge Wählerinnen und Wähler wieder links wählen. Weil sie als einzige Partei Reiche massiv besteuern wollen, weil sie für spürbare Umverteilung von oben nach unten eintreten. Weil sie Heidi Reichinnek haben. Und dazu noch das Silberlocken-Trio aus Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch. Doch zur Wahrheit gehört auch: Die Linke ist auch deshalb so erfolgreich, weil sie Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht nur duldet – sondern dem linken Antisemitismus eine politische Heimat gibt.

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Nicht alle wollen das weiter hinnehmen. Nicht alle drücken beide Augen zu, weil es doch so schön ist, wenn die junge, akademische Free-Palestine-Bewegung am Ende ihr Kreuz bei den Linken macht. Berlins ehemaliger Kultursenator Klaus Lederer trat im Herbst 2024 aus der Linkspartei aus. Jetzt folgte ihm sein Parteifreund Andreas Büttner, Antisemitismusbeauftragter in Brandenburg. Beide ziehen die Reißleine.

Julia Emmrich ist stellvertretende Ressortleiterin für Politik und Wirtschaft. © Anja Bleyl | Anja Bleyl

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, fordert zu Recht die Parteiführung der Linken auf, entschiedener gegen israelbezogenen Antisemitismus in den eigenen Reihen vorzugehen. Doch sein Appell wird verhallen. Das ist bitter. Heidi Reichinnek könnte sich mit ihrer Popularität an die Spitze der Bewegung gegen Antisemitismus setzen. Doch bei der sonst so kämpferischen Frontfrau überwiegt der Machtinstinkt.

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