Drohnenflüge alarmieren Estland und Lettland – Ermittlungen enden überraschend
Zunächst große Aufregung, am Ende aber Entwarnung: Die Befürchtung eines gezielten russischen Angriffs auf Estland hat sich nicht bewahrheitet. Stattdessen stellte sich heraus, dass in Estland ebenso wie in Lettland zwar Drohnen aus Richtung Russland eingeflogen sind – doch handelte es sich nach Angaben der Regierungen in Tallinn und Riga um fehlgeleitete ukrainische Flugobjekte, mit denen Kiew russische Ziele am Finnischen Meerbusen angriff. Jeweils eine Drohne ist demnach im Osten der beiden Nato-Mitgliedstaaten nahe der Grenze zu Russland heruntergegangen. Verletzt wurde dabei niemand.
Was war passiert? Laut Informationen des estnischen Inlandsgeheimdiensts ISS war eine Drohne in der Nacht zu Mittwoch in den Luftraum Estland eingedrungen. Der Flugkörper sei gegen „den Schornstein des Kraftwerks Auvere“ geflogen, so der Geheimdienst. Das Kraftwerk selbst sei nicht beschädigt worden, verletzt worden sei gleichfalls niemand.
Dass das Kraftwerk das eigentliche Ziel der Drohne war, dafür gab es von vornherein keine Anzeichen. Die Ursache für den Irrflug könnte eine Fehlfunktion im Steuersystem sein oder ein Ablenken der Drohne durch Störmaßnahmen der Luftabwehr. Drohnenalarm gab es auch in Lettland. Auch dort war eine Drohne in der Nacht in den Luftraum eingedrungen: Nach Militärangaben war ein unbekanntes Flugobjekt per Radar erfasst worden, das in Nähe des Dorfes Dobricina von selbst explodiert sei.
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
Vertreter der Regierungen und der Streitkräfte in beiden Ländern erklärten, dass Estland und Lettland nicht das eigentliche Ziel des Drohnenangriffs gewesen seien. Vielmehr gingen sie davon aus, dass die unbemannten ukrainischen Fluggeräte in beiden Fällen vom Kurs abgekommen oder durch russische elektronische Abwehrmaßnahmen fehlgeleitet worden seien. Das war wohl auch so beim jüngsten Absturz einer ukrainischen Drohne auf Litauen. „Vorläufigen Erkenntnissen zufolge handelte es sich um eine der Drohnen, die den Hafen von Primorsk (in Russland) angegriffen haben“, so der litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion. In dem wechselseitigen Drohnenkrieg sind die mit elektronischen Mitteln abgewehrten Fluggeräte auch eine Gefahr für die Nachbarländer.
Kritischer als solche Drohnen-Zwischenfälle sind Luftraumverletzungen durch bemannte Kampfflugzeuge Russlands. Auch dort sind Navigationsfehler möglich. Doch oft fliegen die Piloten von Kampfjets absichtlich in den fremden Luftraum ein, testen die Abwehrmaßnahmen. Zuletzt war am 18. März ein russischer Kampfjet für etwa eine Minute in den estnischen Luftraum eingedrungen.
Auch interessant
Nato-Kampfflugzeuge der italienischen Luftwaffe stiegen auf. „Es bestand keine Bedrohung für die Sicherheit Estlands“, so Außenminister Margus Tsahkna. Der Geschäftsträger der russischen Botschaft wurde einbestellt. Im vergangenen September waren angeblich drei russische Kampfjets etwa 12 Minuten über Estland unterwegs. Sie seien von F-35-Kampfjets der Nato aus dem Luftraum eskortiert worden. Russland bestritt diese Darstellung.
