Homeoffice, Tempolimits, weniger Flüge: EU-Kommission ruft zum Energiesparen auf
Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Energiekrise appelliert die EU-Kommission an die EU-Mitgliedsländer, den Verbrauch von fossilen Treibstoffen zu senken. Je mehr getan werden könne, um Öl, Diesel und Flugzeugtreibstoff zu sparen, umso besser, sagte EU-Energiekommissar Dan Jørgensen laut einem Bericht des Nachrichtenportals „Politico“ in dieser Woche. Konkret bezog sich Jørgensen dabei auf Vorschläge der Internationalen Energieagentur (IEA), um den Verbrauch zu reduzieren.
Die IEA empfiehlt kurzfristig unter anderem – wo möglich – die Arbeit im Homeoffice, eine Reduzierung von Tempolimits um „mindestens 10 km/h“, rotierende Fahrverbote für Privatleute in großen Städten und weniger Flugreisen. Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf, sich auf eine möglicherweise länger andauernde Störung des internationalen Energiehandels vorzubereiten.
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Dass der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus durch den Krieg im Iran weitgehend zum Erliegen gekommen ist, macht sich in Europa bislang vor allem in Form von Preissteigerungen bei fossilen Treibstoffen bemerkbar. Länder in Asien, die ihre Energielieferungen zu einem deutlich größeren Teil aus der Golfregion beziehen, erleben dagegen schon jetzt empfindliche Knappheiten und reagieren mit Maßnahmen, wie die IEA sie anregt. Die Philippinen haben in Behörden die Vier-Tage-Woche angeordnet, in Südkorea gelten tageweise Fahrverbote für Beschäftigte der öffentlichen Hand. Laos hat den Präsenzunterricht in Schulen auf drei Tage reduziert.
Grünen-Politiker fordert temporäres Tempolimit
In Deutschland sind derartige Eingriffe politisch bislang kein Thema. Die Bundesregierung hat auf die gestiegenen Treibstoffpreise reagiert, indem das Kartellrecht verschärft wurde. Eine neue Regelung erlaubt es Tankstellenbetreibern zudem nur noch einmal am Tag, die Preise zu erhöhen. Auch das soll dazu beitragen, die Preissteigerungen zu dämpfen.
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Fragt man die Grünen, wird es allerdings auch hier Zeit, darüber nachzudenken, wie der Verbrauch von Treibstoff gesenkt werden kann. Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, sieht die Bundesregierung in der Pflicht. „Die Regierung regiert nicht. Sie macht zu wenig. So kommen wir nicht gut durch die Krise“, sagte Kellner dieser Redaktion. „Unser Land muss Öl und Gas sparen, wir alle erinnern uns an die Energiekosten der letzten Krise.“ Die Regierung müsse deshalb jetzt den Mut haben, unangenehme Maßnahmen zu ergreifen, etwa ein temporäres Tempolimit.
Auch mehr Arbeit von zu Hause aus ist laut Kellner eine Option, die Verbräuche zu senken: „Homeoffice zu ermöglichen, hilft den Menschen, Kosten und Energie auf dem Arbeitsweg zu sparen, wo es geht.“ Berufsgruppen, die nicht von zu Hause aus arbeiten können, bräuchten vom Staat eine Entlastung durch Senkung der Stromsteuer oder Reduzierung des Deutschlandtickets auf 9 Euro, sagte Kellner. Kurzfristig müssten außerdem alle Maßnahmen ergriffen werden, um den Gasverbrauch in der Stromproduktion weiter zu drosseln, so der Grünen-Politiker. Etwa, indem man Nachtbeschränkungen für Windräder aufhebe und so mehr erneuerbaren Strom ins Netz bekomme.
