3,55 Billionen in Steueroasen: Superreiche verbergen weiter Unsummen
Während die ärmere Hälfte der Menschheit kaum etwas besitzt, verstecken die Reichsten der Reichen ihr Geld vor dem Fiskus. Das zeigt eine aktuelle Oxfam-Analyse. Demnach übersteigt das von den reichsten 0,1 Prozent der Weltbevölkerung im Ausland versteckte, unversteuerte Vermögen das gesamte Vermögen der ärmeren Hälfte der Menschheit.
Superreiche nutzten nach wie vor Offshore-Systeme, um ihr Geld zu verschleiern und Steuern zu umgehen, so die Hilfs- und Entwicklungsorganisation in einem Bericht, der am Donnerstag zum zehnten Jahrestag der Veröffentlichung der „Panama Papers" erschienen ist. Oxfam richtet dabei klare Forderungen an die Bundesregierung: mehr Engagement im Kampf gegen Steueroasen.
Panama Papers deckten Verbrechen auf
Im April 2016 hatte ein internationales Rechercheteam unter dem Titel „Panama Papers" enthüllt, wie systematisch Steuervermeidung und Geldwäsche mithilfe von Briefkastenfirmen betrieben werden. Die Recherchen brachten dabei auch Namen von Prominenten, Politikern und Sportlern ans Licht, die Vermögen vor dem Fiskus verborgen haben sollen. Neben legalen Strategien zur Steuervermeidung wurden dem Rechercheteam zufolge auch handfeste Steuerdelikte und Geldwäsche aufgedeckt.
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Die Zahlen, die Oxfam für das Jahr 2024 ermittelt hat, sind erschreckend: Rund 3,55 Billionen US-Dollar sollen in Steueroasen und nicht gemeldeten Auslandskonten schlummern – unversteuert, unsichtbar, unerreichbar für den Fiskus. Diese gigantische Summe übertrifft das gesamte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Frankreichs und ist mehr als doppelt so groß wie das kombinierte BIP der 44 am wenigsten entwickelten Länder der Welt, die von den Vereinten Nationen als solche eingestuft werden.
Superreiche verstecken Milliarden – Geld fehlt der Allgemeinheit
Besonders brisant: Rund 80 Prozent dieses Offshore-Vermögens gehören laut der Oxfam-Analyse den reichsten 0,1 Prozent der Weltbevölkerung – das entspricht etwa 2,8 Billionen US-Dollar. Und selbst innerhalb dieser schon winzigen Gruppe konzentriert sich mehr als die Hälfte des Offshore-Vermögens noch weiter oben, bei den reichsten 0,01 Prozent.
„Die Panama Papers haben offengelegt, wie sich Superreiche systematisch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen, indem sie Milliarden in Steueroasen verstecken", erklärte Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland. Zehn Jahre später sei klar: „Das Problem besteht fort und wir alle zahlen den Preis. Dieses Geld fehlt für Schulen, Krankenhäuser und Klimaschutz – bei uns und weltweit. Wer sich so der Finanzierung des Gemeinwohls entzieht, verschärft die Ungleichheit und untergräbt unsere Demokratie."
Steueroasen: Vermögen bislang kaum zu erfassen
Zwar habe es Fortschritte gegeben – etwa durch den automatischen Informationsaustausch (AEOI), bei dem Staaten gegenseitig Finanzkontodaten teilen. Doch trotz dieser Bemühungen bleibt der Anteil unversteuerten Offshore-Vermögens am globalen BIP mit rund 3,2 Prozent nach wie vor erschreckend hoch.
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Oxfam fordert die Bundesregierung daher auf, die internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung von Steueroasen zu intensivieren, Steuerbehörden zu stärken und sich für ein globales Transparenzregister einzusetzen, das es ermöglicht, die Vermögen der Reichsten zu erfassen und nachzuverfolgen. Zudem solle Deutschland die im Rahmen der G20 diskutierte Mindeststeuer von mindestens zwei Prozent für Multimillionärinnen und -millionäre einführen und deren internationale Umsetzung aktiv vorantreiben.
