Lang über Deepfake-Porno: „Mein Körper wird zur Befriedigung instrumentalisert“
Seit die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes ihren Ex-Mann Christian Ulmen der „virtuellen Vergewaltigung“ beschuldigte, wird verstärkt über digitale Gewalt gegen Frauen diskutiert. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) verkündete vor wenigen Tagen, dass ein Gesetzentwurf gegen sexualisierte digitale Gewalt fertiggestellt sei und sich in der Ressortabstimmung befinde. Ein zentraler Punkt: Das Herstellen pornografischer Deepfakes soll künftig ausdrücklich unter Strafe gestellt werden.
Bei Deepfake-Pornos wird das Gesicht einer zumeist weiblichen Person mithilfe von Künstlicher Intelligenz auf fremde Körper montiert. Solche Deepfakes von prominenten, aber auch nicht-prominenten Frauen werden auf entsprechenden Plattformen hochgeladen und teilweise millionenfach angeklickt.
Auch interessant
Lang: Deepfake-Porno schafft „ein Gefühl der Ohnmacht“
Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang, bis November 2024 eine von zwei Parteivorsitzenden, weiß, wie sich Beleidigungen und Herabwürdigungen anfühlen. „Digitale Gewalt hat mich von Beginn meiner politischen Karriere an begleitet. Menschen haben mich im Netz diffamiert und bedroht“, sagte die 32-Jährige nun im Gespräch mit dem „Spiegel“. „Aber nur, weil ich diese ständigen Angriffe gewohnt bin, heißt das noch lange nicht, dass sie nichts mit mir machen“, sagte Lang weiter.
Auch von ihr kursierten im Netz Deepfake-Pornos, so die Politikerin. Sie wisse von mindestens einem Deepfake-Porno „in dem es so aussieht, als zeigten die Aufnahmen mich“. Auf die Nachfrage, ob sie den Clip selbst angesehen habe, antworte Lang: „Ja. Und es fühlte sich anders an.“ Bei Hasskommentaren sei sie eine „Projektionsfläche“, es sei so, „als würde jemand ein Poster von mir beschmieren“.
Ein Deepfake-Porno fühle sich schlimmer an. „Dreidimensionaler, persönlicher. Obwohl ich weiß, dass es ein Fake ist, dass das nicht ich bin. Ganz seltsam eigentlich. Der eigene Körper wird instrumentalisiert, zur Befriedigung oder Erniedrigung. Das schafft ein Gefühl von Ohnmacht.“
Auch interessant
Warum Ricarda Lang nicht gegen Deepfake-Porno vorging
Eine Freundin habe sie auf Seiten im Netz hingewiesen, auf denen man nachsehen könne, ob man selbst Opfer eines Deepfake-Pornos geworden sei, erklärte Lang. Auf die Frage, warum sie nicht gegen den Clip vorgegangen sei, sagte die Grünen-Politikerin: „Ich fürchte, dass das wahnsinnig viel Zeit in Anspruch nehmen würde, die mein Büro und ich anders einsetzen können. Zumal diese Dinger ja auch schnell neu produziert wären.“
Lesen Sie auch
Lang hatte sich zuletzt bei mehreren Veranstaltungen gegen digitale Gewalt positioniert. Vor wenigen Tagen sprach sie bei einer Demonstration in Hannover und sagte dort: „Wir brauchen jetzt eine Änderung der Gesetzeslage, um alle diese Frauen zu schützen.“ Deutschland dürfe nicht länger ein „Täterparadies“ sein. In der Sendung „ntv-Hauptstadttalk“ wiederholte sie ihre Forderung nach schärferen Gesetzen. Der Rechtsstaat müsse die Würde der Frauen schützen“, so Lang. Das Thema fange dort an, „wo Frauen objektifiziert werden, wo sie auf ihren Körper reduziert werden, wo es komplett normal ist, sexualisierte Witze in den Sportumkleiden zu machen. Dort fängt es an, dass Männer Kontrolle über Frauen ausüben, indem sie sie sexualisieren“.
