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Medikmente auf dem Prüfstand

ADHS: Ritalin für Kinder gefährlich? Große Studie gibt Eltern Entwarnung

Berlin. Eine britische Großstudie hat die Risiken von ADHS-Medikamenten untersucht. Das Ergebnis dürfte viele besorgte Eltern aufatmen lassen.
Von Oskar Schulz
ADHS: Die wichtigsten Infos über die Krankheit

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  • ADHS-Medikamente wie Ritalin werden Kindern häufig verschrieben
  • Eine der bisher größten Studien zu dem Thema hat nun die Risiken umfassend untersucht
  • Das Fazit zum Nutzen-Risiko-Verhältnis fällt überraschend eindeutig aus

Ärzte diagnostizieren immer häufiger ADHS bei Kindern. Damit die jungen Patienten sich in der Schule konzentrieren können, verschreiben Psychiater ihnen Medikamente wie Ritalin, Concerta oder Medikinet. Doch viele Eltern zeigen sich besorgt über deren Risiken. In den Beipackzetteln der ADHS-Medikamente wird vor allem vor Nebenwirkungen für das Herz gewarnt. Wie sicher sind die Medikamente also eigentlich?

Dieser Frage ist eine britische Untersuchung nachgegangen. Die in der Fachzeitschrift „Lancet Psychiatry“ 2025 veröffentlichte Studie sei laut den Forschern die größte und umfangreichste Analyse vorheriger Studien, die mit klinischen Kontrollgruppen arbeiteten.

Lesen Sie dazu dieses Expertenstück: ADHS: Psychiaterin erklärt, für wen Ritalin geeignet ist

ADHS-Medikamente haben nur geringe Auswirkungen auf Kinder-Herzen

Das internationale Forschungsteam der Universität Southampton konnte in ihrer Studie nur geringe Auswirkungen von ADHS-Medikamenten auf das Herz-Kreislauf-System finden.

„Bei der Einnahme von Medikamenten sollten Risiken und Nutzen immer zusammen abgewogen werden“, zitiert eine Pressemitteilung Professor Samuele Cortese, den Hauptautoren der Studie. „Wir stellten bei der Mehrheit der Kinder, die ADHS-Medikamente einnahmen, einen insgesamt geringen Anstieg von Blutdruck und Puls fest“.

Forscher schätzen, dass zwischen 2 und 6 Prozent der Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen sind. © Getty Images | Tassii

„Andere Studien zeigen deutliche Vorteile hinsichtlich der Senkung des Sterberisikos und der Verbesserung der schulischen Leistungen sowie ein leicht erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, jedoch nicht für andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagte Cortese. Insgesamt sei das Nutzen-Risiko-Verhältnis für Menschen, die ADHS-Medikamente einnehmen, beruhigend.

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Herz sollte bei Einnahme von ADHS-Medikamenten überwacht werden

Das Forschungsteam analysierte Daten aus 102 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 22.702 Teilnehmern mit ADHS. Mithilfe der Netzwerk-Metaanalyse, eines fortschrittlichen statistischen Ansatzes, konnten sie die Wirkung mehrerer Medikamente vergleichen, ohne dass die in den einzelnen Studien selbst verglichen wurden.

Mehr zum Thema: Ernährung bei ADHS: Dieses Getränk kann die Symptome lindern

ADHS-Medikamente lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Stimulanzien wie Ritalin (beispielsweise Methylphenidat) und Nicht-Stimulanzien (Atomoxetin und Viloxazin). Hinsichtlich der Auswirkungen auf Blutdruck und Herzfrequenz konnten die Forscher keinen Unterschied zwischen ihnen feststellen. Trotzdem empfehlen sie, das Herz vor und während der Medikamenteneinnahme von Ärzten überwachen zu lassen.

Etwa 2 bis 6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen könnten von ADHS betroffen sein, heißt es beim Bundesministerium für Gesundheit. Unter ADHS, der Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, verstehen Psychologen eine Störung von Aufmerksamkeit, Impulsivität und Selbstregulation. Betroffene leiden außerdem häufig an ständiger körperlicher Unruhe.

Risiken und Nebenwirkungen von ADHS-Medikamenten

ADHS-Medikamente gelten als sicher, wenn sie korrekt angewendet und ärztlich begleitet werden. Sie sind seit Jahrzehnten im Einsatz und gut erforscht. Ihre Wirksamkeit in der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten, Impulsivität und Hyperaktivität ist vielfach belegt, und sie verbessern oft deutlich die Lebensqualität von Betroffenen.

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Ärzte beobachten in der Regel Blutdruck, Puls, Gewicht, Schlaf und psychische Entwicklung, um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Häufige, aber meist milde Nebenwirkungen sind Appetitlosigkeit, Schlafprobleme, Nervosität oder Kopfschmerzen. In seltenen Fällen kann es zu Stimmungsschwankungen oder Angstgefühlen kommen. Menschen mit einer Veranlagung zu bestimmten psychischen Erkrankungen sollten besonders sorgfältig überwacht werden.

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Langzeitstudien zeigen, dass ADHS-Medikamente bei Kindern keine negativen Auswirkungen auf die geistige oder emotionale Entwicklung haben – im Gegenteil: Viele profitieren schulisch und sozial. Die Medikamente unterliegen in Deutschland strengen gesetzlichen Vorgaben, was ihren Missbrauch erschwert

Dieser Artikel erschien erstmals im April 2025.

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