Studie: Wichtige Atlantikströmung kurz vor Kollaps? Forscher warnen
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Eine kritische Atlantikströmung steht möglicherweise vor dem Zusammenbruch. Laut einer neuen Studie ist dieses Szenario realistischer, als bislang angenommen. Bereits jetzt hat die Strömung infolge der Klimakrise ihren schwächsten Stand seit 1600 Jahren erreicht. Die Studienautoren warnen: Drastische Emissionskürzungen sind dringend notwendig, um diesen Kollaps zu verhindern.
Die atlantische meridionale Umwälzzirkulation (AMOC) – ein zentrales System von Meeresströmungen, zu dem auch der Golfstrom zählt – spielt eine entscheidende Rolle im globalen Klimasystem. Sie sorgt dafür, dass warmes Wasser aus den Tropen Richtung Europa und die Arktis transportiert wird. Dort kühlt es ab, sinkt in tiefere Schichten und löst somit eine Rückströmung aus, heißt es in einer Mitteilung. Doch was würde ein Zusammenbruch in der Praxis bedeuten?
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Kipppunkt im Ozean: Warum die Atlantikströmung vor dem Kollaps steht
„Die meisten Klimaprojektionen enden im Jahr 2100. Einige der Standardmodelle des Weltklimarats IPCC wurden nun jedoch über Jahrhunderte in die Zukunft gerechnet und zeigen sehr besorgniserregende Ergebnisse“, sagt Sybren Drijfhout vom Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut, Hauptautor der in „Environmental Research Letters“ veröffentlichten Studie.
Demnach würde sich die Umwälzzirkulation im Nordatlantik bis 2100 stark verlangsamen und in allen Szenarien mit hohen Emissionen zusammenbrechen. Selbst in einigen Modellen mit mittleren und niedrigen Emissionen deutet sich eine ähnliche Entwicklung an. Ein solcher Kollaps würde trockene Sommer und extrem kalte Winter in Nordwesteuropa zur Folge haben. Außerdem würden sich die tropischen Regenzonen verschieben, was gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft weltweit hätte, erklären die Studienautoren.
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Gefährliches Ungleichgewicht: Die Atlantikströmung verliert an Kraft
Die Atlantikströmung AMOC wirkt wie ein riesiges „Förderband“ im Ozean: Sie transportiert warmes Wasser aus den Tropen nach Norden und leitet kälteres Wasser in der Tiefe zurück in den Süden. Dieses System sorgt dafür, dass Europa ein relativ mildes Klima hat, und beeinflusst weltweit die Wetterverhältnisse. Doch die globale Erwärmung bringt die AMOC stark ins Wanken.
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Durch die Erderwärmung bleibt der Ozean im Winter wärmer, weil die Atmosphäre nicht mehr kalt genug ist, um das Wasser ausreichend abzukühlen. Dadurch kann die wichtige Durchmischung von kaltem, schwerem Wasser in der Tiefe und wärmerem Oberflächenwasser nicht mehr wie gewohnt stattfinden. Das schwächt die Strömung, und weniger warmes Wasser gelangt nach Norden. Im Gegenzug kühlt sich das Wasser in nördlichen Regionen weiter ab, wird weniger salzig und leichter – eine fatale Rückkopplung, die das „Förderband“ noch weiter verlangsamen könnte, so die Forscher.
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Kollaps in Sicht? Forscher berechnen Wendepunkt der Atlantikströmung
In der Studie entwickelten Wissenschaftler Simulationen, die bis in die Jahre 2300 bis 2500 fortgeführt werden. Sie zeigen deutlich: Der entscheidende Wendepunkt könnte in den nächsten Jahrzehnten eintreffen. „Das ist sehr bedenklich“, sagt Stefan Rahmstorf, Leiter der PIK-Forschungsabteilung Erdsystemanalyse und Co-Autor der Studie, in der Mitteilung. Ab diesem Wendepunkt wäre ein Zusammenbruch der AMOC nicht mehr zu stoppen, warnt der Forscher.
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„Eine drastische Schwächung und ein Zusammenbruch dieses Meeresströmungssystems hätten gravierende weltweite Folgen“, betont Rahmstorf. Die Strömung würde laut den Modellen innerhalb von 50 bis 100 Jahren nach Überschreiten des Wendepunktes komplett zum Erliegen kommen. Allerdings könnten die Standardmodelle das Risiko unterschätzen, da sie den zusätzlichen Süßwassereintrag aus dem Schmelzen des grönländischen Eisschilds nicht ausreichend berücksichtigen. Dieser Prozess könnte das System noch weiter schwächen.
Es sei entscheidend, die Emissionen fossiler Brennstoffe schnell zu senken. Dies würde das Risiko eines AMOC-Zusammenbruchs deutlich verringern, auch wenn es nicht ausreiche, diesen vollständig zu verhindern, so der Forscher.
