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Effektiver Schutz

Gegen die Hitze: So bleibt das Haus auch im Sommer kühl

Essen. Von Wein bis Erbsen: Ein bepflanztes Zuhause kühlt das Haus und senkt die Energiekosten. Eine Expertin gibt Tipps für Balkon, Garten und Fassade.
Von Gudrun Heyder, Freie Journalistin
Häuser zu bepflanzen, kann einige Vorteile haben. Eine Expertin gibt Tipps, wie die Begrünung gelingen kann. (Symbolbild) © picture alliance / Zoonar | Antonello Marangi

„Beginnen Sie mit dem, was Ihnen am leichtesten fällt“, rät Andrea Wegner: „Zum Beispiel mit einem Mülltonnenhäuschen oder dem Vorgarten.“ Oder für Mieter: mit dem Balkon oder den Fensterbänken. Es gibt enorm viele Möglichkeiten, um mit der Begrünung des eigenen Zuhauses für mehr Wohlbefinden zu sorgen, vor allem in heißen Sommern.

Diese sind hierzulande inzwischen die Regel. „Seit 1951 gibt es laut dem Deutschen Wetterdienst 196 Prozent mehr Hitzetage mit über 30 Grad in Deutschland“, weiß die Fachreferentin für Begrünung. Sie arbeitet bei der Verbraucherzentrale NRW in der Gruppe Klimaanpassung. Wenn es dermaßen heiß ist, lechzt so mancher nach Kühle, Schatten und besserer Luft in Haus oder Wohnung. Ob Hinterhöfe, Dachflächen oder Fassaden: Es gibt viele und effiziente Möglichkeiten, sie grün und ansehnlich zu gestalten.

Zuhause begrünen: Eine bepflanzte Hauswand schützt vor Hitze

In den Vorträgen der Klimaexpertin beschäftigt die Teilnehmenden am häufigsten die Frage „Was kann ich besser machen?“ Viele Menschen möchten ihr Zuhause begrünen, wissen aber nicht richtig, womit sie sinnvollerweise anfangen sollen. Anderes Grünzeug in den Garten pflanzen? Und welches? Die Fassade oder das Dach begrünen? Den Schotter-Vorgarten beseitigen und durch ein echtes Gärtchen ersetzen? Andrea Wegner lichtet den Dschungel der grünen Vielfalt. Und erklärt, was der ganze Aufwand bringen soll: „Das Wichtigste ist der große Nutzen einer Begrünung. Damit kann man die Auswirkungen des Klimawandels abfangen.“ Steht man etwa in praller Sonne vor einer Hauswand, ist es dort bis zu 1,3 Grad kühler, wenn sie begrünt ist – und im Schatten ist es dort sogar bis zu drei Grad kühler.

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Macht man Schluss mit Schotter oder gar Asphalt vor dem Haus, kann der bisher versiegelte Boden bei Starkregen wieder die Wassermengen aufnehmen, anstatt Bäche die Straße runterrauschen oder den Keller volllaufen zu lassen. Schützen Kletterpflanzen die Fassade oder passende Gewächse das Dach, ist es bei Hitze und Knallsonne in den Wohnräumen kühler. Es gilt also zu überlegen, was sich für die eigene Wohnstätte am besten eignet. Will man sein Haus nicht gleich in ein komplettes Klimaparadies verwandeln, hilft auch eine einzelne Maßnahme oft schon viel.

Efeu und wilder Wein haben besonders dichtes Laub und schaffen bis zu 1,5 Meter Wachstum pro Jahr. Eine begrünte Hauswand schützt ein Gebäude vor Hitze und Witterung, unterstützt den Erhalt der Artenvielfalt, bindet Feinstaub und mindert Lärm. Pflanzen produzieren Sauerstoff und nehmen Kohlenstoffdioxid auf. Außerdem lässt sich ein Haus auf diese Weise sehr individuell gestalten. „Fast jede Fassade lässt sich begrünen“, ermutigt Andrea Wegner skeptische Menschen. Ist ein Garten sehr klein oder gar nicht vorhanden, kann man ihn so gewissermaßen in der Senkrechten anlegen.

Efeu an der Hauswand, wie hier an einem Einfamilienhaus in Hamburg, ist immergrün, muss aber jährlich beschnitten werden. (Symbolbild) © Borkenau, Felix/artur | Borkenau, Felix/artur

„Bei der Anschaffung von Pflanzen muss man auch an die Pflege denken“, erklärt Andrea Wegner. Denn das Herunterschneiden, zum Beispiel von Efeu, ist jedes Jahr fällig. Dieser und auch etwa der hübsche Blauregen lassen zudem ihre Triebe in dunkle Ritzen wachsen. „Die Fassade muss vor einer Begrünung intakt sein“, betont die Fachreferentin. Der Vorteil: Begrünte Hauswände muss man nicht immer wieder anstreichen. Und im Herbst werfen die meisten Pflanzen ihre Blätter ab, sodass im Winter die Sonnenstrahlen wieder Wärme spenden. Eine gute Alternative zu Pflanzen, die von selbst an der Fassade Halt finden, sind Gewächse wie Clematis und Geißblatt, für die ein Gerüst erforderlich ist: Sie tanzen nicht aus der Reihe.

Farbe auf dem Balkon: Grün macht ein Haus attraktiver

„Wenn man ein Reihenhaus bewohnt, ist man dafür verantwortlich, dass rankende Pflanzen nicht über die Nachbarhäuser wuchern“, erläutert Andrea Wegner. Wurzelsperren können das verhindern: Sie hemmen die Pflanze zwar nicht daran, oberirdisch zu wuchern. Aber sie verhindern, dass sich über starkes Wurzelwachstum in der Umgebung neue Triebe bilden oder dass sie unterirdisch so stark wachsen, dass sie eine Bewirtschaftung des Nachbargrundstücks erschweren – oder Gehwegplatten oder andere bauliche Einrichtungen anheben. „Am besten spricht man vorher mit den Nachbarn. Vielleicht finden sie eine Hausbegrünung ja auch gut.“

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Entschließt man sich zu einer Begrünung, holt man sich vor allem in dicht bebauten Städten etwas Natur nach Hause. „Das sieht nicht nur schön aus, sondern Vögel, Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten kommen zurück“, wirbt Andrea Wegner für solche Aktionen. „Sie finden Nahrung und Unterschlupf.“ Ist der Vorgarten als Erstes dran, sollte man „Struktur reinbringen“ und in der Reihenfolge „Bäume, Sträucher, Stauden und Bodendecker“ pflanzen. Wer das nicht selbst machen kann oder will, beauftragt am besten einen Garten- und Landschaftsbauer. „Diese GaLa-Bauer sind für Nordrhein-Westfalen beim Fachverband für Garten- und Landschaftsbau aufgelistet (Fachverband für Garten- und Landschaftsbau NRW, die Red.)“, informiert die Diplom-Biologin. „Wir raten dazu, drei Vergleichsangebote einzuholen, damit Qualität und Preis stimmen.“

Hilfe beim Begrünen

Für viele Pro-Klima-Maßnahmen gibt es Förderzuschüsse der Kommunen, aber auch des Landes und Bundes. „Zum Beispiel für Dachbegrünungen und Entsiegelungen“, erläutert Andrea Wegner. „Die Förderhöhe reicht bis zu 50 Prozent, das ist aber je nach Stadt unterschiedlich.“

Die Experten der Verbraucherzentrale kommen zwar nicht nach Hause, um Tipps für Begrünungsvorhaben zu geben, bieten aber Online-Seminare mit der Möglichkeit an, im Chat Fragen zu stellen (www.klimakoffer.nrw/veranstaltungen), sowie ein Beratungstelefon (0211 / 91 380 1300). Man kann auch Mails mit Fragen und Fotos schicken an klimakoffer@verbraucherzentrale.nrw. Durch die Förderung des Umweltministeriums NRW ist das Angebot kostenfrei.

In vielen Kommunen gibt es Saatgutbibliotheken, in denen man kostenfrei Samen, vor allem auch von alten Sorten, bekommen kann.
Qualifizierte GaLa-Bauer sind hier aufgelistet: www.klimakoffer.nrw/klimaanpassung-faq-begruenung

Auch wer zur Miete wohnt, kann das Klima in den eigenen vier Wänden verbessern und sein Zuhause aufhübschen. Viele Balkone dienen derzeit noch als öde Bierkasten-Behälter oder Gerümpel-Lager. Wie viel schöner ist es, wenn dort Blumen und Gemüse üppig ranken. Am einfachsten ist es, Blumentöpfe aufzustellen, in denen etwa Erbsen oder Tomaten – von Stäben oder leichten Gerüsten gestützt – Schatten und Farbe bringen sowie Leckeres zum Ernten vom Liegestuhl aus. Andrea Wegner empfiehlt auch Rundum-Blumenkästen. Wer keinen Balkon hat, kann immerhin Blumenkästen auf die Fensterbänke stellen. „Mieter sind aber verpflichtet, für die Standsicherheit zu sorgen, etwa mit dem Anbringen von Leisten“, betont Andrea Wegner. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich für Mieter, zuvor das Einverständnis des Vermieters einzuholen.

Begrünte Dächer können im Sommer kühlen, im Winterdämmen und auch den Wert einer Immobilie steigern. (Symbolbild) © Adobe Stock | Stefan Körber

Für Hausbesitzende ist ein zusätzliches starkes Argument für eine Begrünung, dass sie damit den Wert ihrer Immobilie steigern. „Ein begrüntes Dach oder ein schön gestalteter Vorgarten machen ein Haus attraktiver, wenn man es mal verkaufen möchte“, meint die Diplom-Biologin. Für alle Freunde neuen Grüns gilt, dass sie durch die Außengestaltung von Haus oder Wohnung mit geeigneten Pflanzen Kosten für Ventilatoren oder Klimaanlagen sparen können. Eine dicke Dachbegrünung, eine immergrüne Efeuwand oder eine wandgebundene Begrünung können auch zu Einsparungen bei den Heizkosten führen. Also, vom Blumentopf mit Tomate auf dem Balkon bis zum Gründach als privatem Pflanzenparadies ist (fast) alles sinnvoll.

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