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Freizeit

Speed-Puzzle: So schnell wie Nina puzzelt niemand in NRW

Krefeld. Nina Schicks puzzelt auf Zeit. Die 23-Jährige wurde bei der Weltmeisterschaft in Spanien ausgezeichnet. Sie verrät, wie Finger flinker werden.
Von Maren Schürmann, Reporterin im Ressort Rhein-Ruhr
Die schnellste Neueinsteigerin ber der Weltmeisterschaft im Speed-Puzzle: die 23-jährige Nina Schicks aus Krefeld. © FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Stoppuhr an. Kartondeckel auf den Ständer. Beutel mit Puzzle-Teilen ausschütten. Blitzschnell wendet Nina Schicks die Teile, um alle bedruckten Flächen zu sehen. Dabei wirft sie die Randstücke auf einen Haufen. Ihr Ziel: Das Puzzle aus 500 Teilen so schnell wie möglich zusammenzubauen.

Nina Schicks puzzelt auf Zeit. Bei der letzten Speed-Puzzle-Weltmeisterschaft in Spanien wurde sie die schnellste Neueinsteigerin. Ihre persönliche Bestzeit liegt bei 27 Minuten für ein 500-Teile-Puzzle. Die Krefelderin erzählt, warum sie so gerne schnell puzzelt, wie man bei einer Meisterschaft besteht. Und wie man sich beim Schnell-Puzzeln steigert.

Nina Schicks sucht zunächst die Randstücke des Puzzles heraus. Der Rahmen gibt ihr Halt. © FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Die 23-Jährige scannt die Puzzleteile mit den Augen. Welche Details gehören zusammen? Welche Puzzleteile passen farblich? Nina Schicks probiert nicht. Sie hält kein Teil an ein fertiges Stück. Ein Blick, ein Griff und zack: passt! Da sind die Hände schon wieder bei den nächsten Teilen. „Man muss die Details sehen können. Wenn man durchprobiert, ist man nicht so schnell.“ Schließlich geht es oft um wertvolle Sekunden.

Familientradition: Die Eltern mögen die Puzzle-Herausforderung

Nina Schicks, die eine Ausbildung in der Stadtbibliothek in Meerbusch macht, übt am Puzzle-Tisch im Wohnzimmer der Familie. Ein gewöhnlicher Holztisch. Die Vitrine hinter ihr fällt schon mehr auf: Sie ist gefüllt mit 3D-Holzpuzzles. Da liegen Schnüre neben Nägeln, die man entwirren muss. Nina Schicks‘ Eltern mögen Logikspiele. Rund 3000 haben sie mittlerweile. „Der ganze Dachboden ist voll“, sagt die Tochter. „Aber das ist nicht so meine Sache. Da verliere ich irgendwann die Geduld.“ Sudoku findet Nina Schicks schon spannender. Sie hat bereits an der Jugend-Sudoku-Meisterschaft teilgenommen. Aber ihr Herz schlägt heute schneller beim Speed-Puzzle.

Die Puzzle-Spezialistin probiert nicht lange aus. Sie scannt die Teile und – zack – legt sie sie an ein fertiges Stück an. © FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Gepuzzelt hat sie eigentlich schon immer. Genauso wie ihre Tante, ihre Großeltern. „Eine andere Tante habe ich angesteckt.“ Den Startknopf der Stoppuhr drückt Nina Schicks aber erst seit 2022. Da hat sie das erste Mal von der Speed-Puzzle-Weltmeisterschaft erfahren, die es seit 2019 gibt und nun jährlich im spanischen Valladolid ausgetragen wird. Schließlich hat sie selbst die Zeit gemessen und angefangen, sich beim Puzzeln zu beeilen.

Fünfte bei der WM: 500 Puzzleteile in 44 Minuten

Sie nahm mittlerweile an mehreren Speed-Puzzle-Meisterschaften teil. Auf dem Fensterbrett neben ihrem Bett stehen die Pokale aufgereiht. „Ich bin Gründungsmitglied von ,Puzzleverein Deutschland‘, der im vergangenen Jahr in Kassel entstanden ist.“ Dort wurde auch die erste Deutsche Meisterschaft ausgetragen.

Auszeichnungen und Pokale sammelt das Puzzle-Talent auf der Fensterbank neben dem Bett. © FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Bei der WM hat Nina Schicks beim Einzel-Wettbewerb ein 500-Teile-Puzzle in 44,05 Minuten geschafft. Damit wurde sie Fünfte unter den weltschnellsten Puzzlerinnen. Aber sie entschuldigt sich: „Das Puzzle war nicht ganz so leicht.“ Ihre bisherige Bestzeit bei einem Wettbewerb liegt nämlich bei rund 36 Minuten. „Darauf bin ich verdammt stolz.“

Klare Strukturen statt Wimmelbilder bevorzugt

Das Motiv ist vor jeder Meisterschaft geheim. Erst wenn sie mit vielen anderen Speed-Puzzlern an den hundert Wettbewerbstischen sitzt, kann sie das Motiv das erste Mal sehen. „Das macht es aufregend.“

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Sie bevorzugt illustrierte Bilder, die klar strukturiert sind. Wie etwa das von einem idyllischen Fachwerkhaus. „Keine Wimmelbilder.“ Fotografien liegen ihr nicht. „Challenge-Puzzle, bei denen alles gleich aussieht, sind auch nicht mein Ding. Ich möchte mich auch an einem Motiv erfreuen.“

Rund 300 Puzzles stehen bei Nina Schicks in Regalen oder stapeln sich auf dem Boden. In der Hand hält sie die Auszeichnung von der Speed-Puzzle-Weltmeisterschaft. © FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Bei einer Meisterschaft puzzelt sie alleine, zu zweit als Paar oder zu viert im Team „The Fast Four“. In der Gruppe ist Nina Schicks ebenfalls gut. Bei der Deutschen Meisterschaft wurde ihr Team Erster. Der Preis: Die Reise zur Weltmeisterschaft in Spanien. Rund 3000 Speed-Puzzler aus 75 Ländern haben dort teilgenommen.

Vor einem Wettbewerb sprechen sich die Teammitglieder genau ab: Wer reißt die Tüte mit den Puzzleteilen auf? Wer macht den Rand? „Ich schnappe mir etwas, das mir ins Auge springt“, erklärt Nina Schicks. Ein Teammitglied sortiert nach Farben, nach Teilmotiven. So belegten „The Fast Four“ bei der WM den achten Platz.

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Nina Schicks‘ Training: Sie puzzelt fast jeden Tag. Am Abend auch zusammen mit der Mutter vor dem Fernseher. Mal eben schnell ein Puzzle mit 500 oder 1000 Teilen? Kein Problem. Liegt ein Puzzle mit 5000 Teilen auf dem Tisch, „macht Papa mit.“

Rund 300 Puzzles stehen bei ihr daheim, in Regalen oder auf dem Boden gestapelt. Das geht doch ins Geld? „Ja, aber ich habe viele Puzzles über Kleinanzeigen bestellt und dann wieder verkauft.“

Tipps für Speed-Puzzler: Klein anfangen

Selten hat sie ein Puzzle mehrmals gelegt. „Schön, dass es viele, viele Motive gibt. Es wird nicht so schnell langweilig“, sagt Nina Schicks. Außerdem: „Ich verbessere mich, indem ich immer wieder neue mache.“

Nina Schicks schaut und legt, schaut und legt. Ihre Bestzeit: Ein 500-Teile-Puzzle in 27 Minuten. © FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Welche Tipps hat sie noch für Menschen, die mit dem Puzzeln auf Zeit beginnen möchten? „Einfach ausprobieren“, sagt die erfahrene Speed-Puzzlerin. Erstmal mit einem kleinen Puzzle starten und sich dann steigern. „Und viel puzzeln.“ So wird man schneller. Sie selbst beginnt immer mit den Randstücken. „Das gibt mir den Rahmen.“ Aber das ist ihre persönliche Strategie. „Kathi*, die Deutsche Meisterin, macht das nicht.“

Frauen dominieren die Speed-Puzzle-Meisterschaften

Und welche Fähigkeiten braucht es, um eine gute Speed-Puzzlerin zu werden? „Konzentrationsfähigkeit, ein bisschen Fingerfertigkeit, den Blick für Details“, zählt Nina Schicks auf. Dass man erkennt, welche Puzzleteile zusammen ein kleineres Motiv ergeben. „Das Teil kommt da hin, das dorthin.“ So entstehen kleine Motiv-Inseln, die sich nach und nach zu einer großen Puzzle-Welt zusammenfügen.

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Speed-Puzzle macht Nina Schicks so viel Spaß, weil es jedes Mal eine Herausforderung ist: „Das Gefühl, dass man schnell etwas zusammenbaut, ist schon toll.“ Als ob sie über eine Ziellinie laufen würde. Speed-Puzzle – ist das nun ein Spiel oder Sport? „Beides“, meint Nina Schicks. „Es ist noch kein offiziell anerkannter Sport, es steckt noch in den Kinderschuhen.“ Auffällig viele Frauen nehmen an den Meisterschaften teil.

Nina Schicks: Vom entspannten Puzzeln zum Marathon

Viele Menschen puzzeln ja eigentlich nicht, um einen Adrenalin-Kick zu fühlen, sondern um sich zu entspannen. „Ich mag beides“, sagt Nina Schicks. Sie schaut auch heute nicht immer auf die Stoppuhr. „Ich genieße es immer noch, entspannt zu puzzeln.“ Aber wenn sie fertig mit einem Puzzle ist, bewundert sie nicht lange das Motiv. Sie klebt es auch nicht auf. Vielleicht macht sie noch schnell ein Foto davon. Aber dann nimmt sie es direkt wieder auseinander. Und schon ist ein neues Puzzele dran.

Nina Schicks‘ nächstes Ziel liegt in Belgien: Da nimmt sie am 25. und 26. Oktober beim Puzzle-Marathon teil. Da geht es nicht ausschließlich um Schnelligkeit, sondern: „Wer legt in 24 Stunden die meisten Puzzle-Teile?“

* Mit „Kathi“ meint Nina Schicks Katharina Reiner. Die Informatikstudentin aus Köditz in Nordbayern ist die amtierende Deutsche Speed-Puzzle-Meisterin. Bei der WM erreichte sie Platz 3 im Einzel.

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