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Weihnachten

Aus Plastik oder aus dem Wald: Welcher Weihnachtsbaum ist ökologischer?

Essen. Viele Menschen kaufen sich lieber eine Plastiktanne als eine echte. Das sei ökologischer, sagen sie. Ist es das tatsächlich?
Von Andreas Böhme, Reporter
Für viele Deutsche darf es auch ein Baum aus Plastik sein. © picture alliance/dpa | Gero Breloer

Kein Baumarktprospekt derzeit, der ohne ein Angebot für einen künstlichen Weihnachtsbaum daherkommt. Ist so eine Plastiktanne wirklich ökologischer als ein echter Tannenbaum?

Gibt es tatsächlich so viele Menschen in Deutschland, die sich eine Plastiktanne ins Haus holen?

Laut Umfragen ja. Danach hat vor einem Jahr nur noch rund jeder dritte Deutsche (32 Prozent) einen echten Weihnachtsbaum aufgestellt. 35 Prozent griffen zu künstlichen Alternativen, der Rest stellte gar nichts auf. Vor allem in den USA boomen die Bäume mit den Plastiknadeln. Dort stehen sie nach jüngsten Erhebungen mittlerweile in fast 50 Prozent aller Häuser.

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Gibt es Gründe für einen künstlichen Baum?

Ja. Für den Plastikbaum spricht, dass er nicht nadelt, nicht gegossen werden will und dass er – wenn es nicht gerade ein Billigteil aus Fernost ist – eine lange Lebensdauer hat. Auf der anderen Seite werden in Deutschland jährlich zwischen 25 und 30 Millionen Nadelbäume gefällt, um zu Weihnachten für festliche Atmosphäre in den Wohnzimmern zu sorgen und nach kurzer Zeit selbst entsorgt zu werden.

Echt oder künstlich – die Meinungen gehen auseinander. © dpa | Rolf Vennenbernd

Also ist ein Plastikbaum nachhaltiger?

So einfach ist das nicht. Weil er eben aus Plastik ist. Robin Wood, der Nabu oder der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) sind sich dann auch einig: „Hände weg von Plastikbäumen.“ Nicht nur, weil sie aus fossilen Rohstoffen – in der Regel Erdöl – gewonnen werden. Sondern auch, weil sie bedenkliche Chemikalien wie Weichmacher enthalten, die in den Wohnungen aus den Bäumen ausdünsten können.

Spielt auch der Transport eine Rolle?

Sowohl bei den natürlichen als auch bei den künstlichen Bäumen. Bei denen kommen vier von fünf aus China. Es gibt allerdings inzwischen Hersteller wie beispielsweise Fairytrees, die in Europa produzieren, deren Kunstbäume deshalb in der Regel aber auch erheblich teuer sind. Umweltschützer sind sich dann auch einig: Die 08/15-Plastiktanne ist erst dann ökologischer und besser fürs Klima als der echte Weihnachtsbaum, wenn sie viele, viele Jahre genutzt wird. Mindestens zehn Jahre, heißt es in einer Studie, kanadische Wissenschaftler gehen gar von 20 Jahren aus.

Also doch eine echte Tanne?

Aber nicht irgendeine. „Bäume aus der Region kaufen“, rät das Umweltbundesamt. Am besten vom „Händler um die Ecke“ oder zumindest von einem, der nicht allzu weit weg ist. Und wenn irgend möglich zu „Bio-Qualität“ greifen.

Am besten kauft man den Weihnachtsbaum regional – besonders frisch ist die Tanne, wenn man sie direkt auf der Plantage selbst schlägt. © Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn | Julian Stratenschulte

Wie entsorge ich einen echten Baum nach den Festtagen?

Wissenschaftler sagen, es ist nicht gut, wenn der Holzbaum am Ende auf einer Mülldeponie verrottet. Dabei wird nämlich auch Methan freigesetzt, das viel klimaschädlicher ist als CO2. Beim Verbrennen dagegen setzt der Baum nur genauso viel Kohlenstoff frei, wie er zuvor beim Wachsen gebunden hat.

Das ist mir alles zu umständlich. Gibt es nicht künstliche Alternativen, die nicht so umweltschädlich sind?

Gibt es. Im Netz finden sich zahlreiche Bastelanleitungen für Bäume aus Pappe, Papier oder Restholz. Muss man können, muss man auch mögen. Und selbst dann wird es im Haus nicht nach Wald und Natur duften. Dafür können sie den Tisch mit ein paar größeren Zweigen Tannen- oder Fichtengrün schmücken, wie es sie für wenig Geld bei den meisten Tannenbaumhändlern gibt.

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