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Calhanoglu und der türkische WM-Traum: „Noch ein letztes Spiel“

Pristina. Hakan Calhanoglu und die Türkei hoffen auf die erste WM-Teilnahme seit 24 Jahren. Doch auch Finalgegner Kosovo will an diesem Dienstag Historisches erreichen.
Routinier Hakan Calhanoglu (rechts) und Jungstar Arda Güler haben einen gemeinsam Traum: die Türkei zur WM zu führen. © Getty | Kara

Hakan Calhanoglu hat schon einiges in seiner Karriere erlebt – doch da ist dieser eine Traum, den er sich bislang noch nicht erfüllen konnte. „Mein einziges Ziel ist es, als Kapitän an der Weltmeisterschaft teilzunehmen“, sagte der 32-Jährige. Dieser Meilenstein sei alles, was ihm mit der türkischen Nationalmannschaft noch fehle. Der ehemalige Bundesliga-Profi sehnt sich nach der ganz großen Bühne – und trägt mit seinem Team die Hoffnungen einer ganzen Nation auf den Schultern.

WM-Play-offs: Gesucht werden die Erben von Sükür und Recber

Seit 24 Jahren wartet die Türkei auf ihre WM-Rückkehr, das Ende dieser ewigen Durststrecke ist jedoch in Sicht. Mit einem Sieg im Fadil-Vokrri-Stadion an diesem Dienstag (20.45 Uhr/DAZN) gegen Gastgeber Kosovo wäre Calhanoglu und Co. das Ticket für die Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada sicher. Nur „noch ein letztes Spiel“, erklärte der Mittelfeldspieler von Inter Mailand nach dem 1:0-Halbfinalsieg über Rumänien, „um die Sehnsucht, die wir seit 2002 haben, zu stillen“. Damals, als die Mannschaft um Starstürmer Hakan Sükür erst im Halbfinale am späteren Weltmeister Brasilien scheiterte und dann das Duell mit Co-Gastgeber Südkorea um Platz drei für sich entschied, kickte Calhanoglu noch in der Jugendmannschaft von Waldhof Mannheim. Nun, mehr als zwei Jahrzehnte später, kann er das Erbe von Spielern wie Sükür, der damals das schnellste WM-Tor der Geschichte nach nur 10,8 Sekunden erzielte, und Torhüter Rüstü Recber antreten.

Fisnik Asllanis Kosovo war noch nie bei einer EM- oder WM-Endrunde. © afp | Klamar

Die Erwartungen an die Mannschaft, gespickt mit jungen Talenten wie Arda Güler und Kenan Yildiz, sind vor dem Finale der Qualifikation enorm. „Das ist die beste Generation, die die Türkei jemals hatte“, erklärte der ehemalige Nationalspieler Erdal Keser. An ein mögliches Scheitern will der frühere Dortmunder Stürmer kaum denken. „Es wäre wirklich eine große Enttäuschung, wenn das nun auf den letzten Drücker nicht mehr klappt“, sagte der 64-Jährige.

Kosovo hätte 100.000 Karten verkaufen können für Duell um WM-Ticket

Doch Keser hat vor dem Duell mit dem Kosovo „ein sehr gutes Gefühl“, auch wenn man den Gegner nicht unterschätzen dürfe, immerhin wäre auch für diesen eine WM-Teilnahme „das Allergrößte“ – um genau zu sein sogar historisch. Noch nie hat die Nation, die erst seit 2016 Fifa-Mitglied ist, an einer EM oder WM teilgenommen. Der Staat gründete sich beim Zerfall Jugoslawiens, hatte 2008 seine Unabhängigkeit erklärt. Nach dem 4:3 gegen die Slowakei im Halbfinale der Play-offs ist die Euphorie dementsprechend groß. Das Finalstadion in Pristina fasse zwar nur 13.000 Zuschauer, sagte der deutsche Trainer Franco Foda, „aber wenn es möglich wäre, würden sicherlich 100.000 kommen“.

Der Kosovo erlebt gerade den größten Fußballrausch seiner jungen Geschichte. Als Extra-Motivation hatte die Regierung um Ministerpräsident Albin Kurti im Falle einer Qualifikation sogar eine Prämie in Höhe von einer Million Euro ausgelobt. Bereits für den Triumph über die Slowakei hatte es für die Mannschaft um den Hoffenheimer Stürmer Fisnik Asllani 500.000 Euro gegeben. Dabei ist der WM-Traum allein dem ehemaligen Bundesliga-Profi Foda und seinem Team schon Antrieb genug. Nun wolle man „auch die letzte Hürde nehmen“, betonte der 59-Jährige.

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Das gilt auch für die Türkei, die dank eines brillanten Assists von Güler beim Erfolg gegen Rumänien (1:0) weiter hoffen darf. „Die WM ist unser großes Ziel“, betonte der 21 Jahre alte Youngster von Real Madrid, „und wir werden alles dafür geben.“ Die Frage ist nur, ob das Team von Trainer Vincenzo Montella in Pristina die Nerven behält. sid

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