Trainer-Beben bei den Bochumer Basketballern: Blitz-Trennung nach sieben Jahren
Eine Ära geht zu Ende – und das Ende ist überraschender als ein Dreier mit der Schlusssirene. Felix Banobre ist nicht mehr länger Trainer der Basketballer der VfL Sparkassen Stars Bochum. Wie der Zweitligist in einer Pressemitteilung formuliert, erfolgte die Entscheidung zur Trennung nach fast siebenjähriger Zusammenarbeit „einvernehmlich“.
Hans Peter Diehr, Gesellschafter der Sparkassen Stars erklärte dazu: „Wir haben über viele Jahre hinweg vertrauensvoll und erfolgreich mit Felix Banobre zusammengearbeitet. Für seinen großen Einsatz, seine Professionalität und sein Engagement für unseren Standort Bochum danken wir ihm ausdrücklich. Die Zusammenarbeit war stets von gegenseitigem Respekt geprägt.“
Auch Tobias Steinert, Geschäftsführender Gesellschafter, wird mit warmen Worten in Richtung Banobre in der Pressemitteilung zitiert: „Ich bin Felix Banobre für seine Verdienste für die Organisation überaus dankbar. Er hat die sportliche Entwicklung der Sparkassen Stars in den vergangenen Jahren entscheidend mitgestaltet und wichtige Impulse gesetzt. Für die erfolgreiche Zusammenarbeit bedanken wir uns herzlich.“
Topalski übernimmt bis Saisonende – Banobre prägte Bochum nachhaltig
Übergangsweise übernimmt Co-Trainer Petar Topalski das Steuer – zunächst bis zum Saisonende. Zudem hatte sich Co-Trainer Alvaro Sanchez bereits vor einiger Zeit dazu entschieden, aus persönlichen Gründen in die Niederlande zurückzukehren. Er wird die Sparkassen Stars aber weiterhin unterstützen. Unabhängig von der aktuellen Veränderung im Trainerstab bleibt er dem Verein bei der Videoanalyse und Trainingsvorbereitung verbunden.
Banobre übernahm die Bochumer am 1. Juli 2019 in einer Phase des Umbruchs. Er entwickelte den Klub Schritt für Schritt weiter. Der Spanier, der zuvor unter anderem im Nachwuchs- und Assistenzbereich gearbeitet hatte und vom SC Rist Wedel nach Bochum wechselte, brachte von Beginn an seine klare Idee von Basketball mit – intensiv, leidenschaftlich und teamorientiert.
Spanisches Temperament prägt Bochumer Trainer-Ära
Vor allem aber brachte er sein unverkennbares spanisches Temperament ein: lautstark an der Seitenlinie, emotional im Coaching, nah an seinen Spielern. In insgesamt mehr als 180 Pflichtspielen stand er für Bochum an der Seitenlinie und wurde so zur prägenden Figur einer ganzen Ära.
Sein größter sportlicher Erfolg bleibt der Aufstieg in die ProA. Damit führte er die VfL Sparkassen Stars in eine neue Dimension und legte die Basis für die weitere Entwicklung des Standorts. Banobre machte die Stars nicht nur zu einem ProA-Klub – er etablierte sie fest in Deutschlands zweithöchster Liga. Jahr für Jahr entwickelte sich die Mannschaft weiter, gewann an Stabilität und Profil.
Bochumer Playoff-Hoffnungen nach Niederlage gegen Wolmirstedt gedämpft
Der nächste große Schritt folgte in der vergangenen Saison mit der erstmaligen Teilnahme an den Playoffs – ein Meilenstein, der die kontinuierliche Arbeit eindrucksvoll belegte. Und auch in der aktuellen Spielzeit ist dieses Ziel weiterhin in Reichweite. Umso überraschender wirkt der Zeitpunkt der Trennung. Sportlich gibt es keinen offensichtlichen Bruch, keine Krise, die diesen Schritt zwingend erscheinen lässt.
Auch wenn die Heimniederlage gegen den Vorletzten Wolmirstedt im Heimspiel am Freitag für einen dicken Dämpfer für die Bochumer Playoff-Hoffnungen sorgte. Dass mit Myreon Jones und Dravon Mangum zwei Top-Spieler fehlten, war zumindest ein Erklärungsansatz für die überraschende Pleite.
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Banobre prägt Bochumer Basketball mit Teamgeist und Energie
Die Bochumer aber blieben dennoch auf Platz acht mit zwei Punkten Vorsprung auf Platz neun und damit auf Playoff-Kurs. Fünf Spieltage stehen noch aus. Bochum hat noch zwei Heim- und drei Auswärtsspiele, hat es noch selbst in der Hand, die erneute Teilnahme an den Playoffs zu schaffen.
Banobre stand in seiner Bochumer Zeit nicht nur für Ergebnisse, sondern für eine klare Identität. Seine Teams spielten mit Energie, Einsatz und Zusammenhalt – Attribute, die eng mit seiner Persönlichkeit verknüpft sind. Er verstand es, Spieler zu entwickeln und aus Kollektiven funktionierende Einheiten zu formen. Gerade für einen Standort wie Bochum war diese Kontinuität ein entscheidender Faktor.
Trainerwechsel bringt Unruhe und neue Impulse für die Sparkassen Stars
Dass dieser Weg nun endet, verändert die Ausgangslage für den Verein spürbar. Kurz vor der entscheidenden Saisonphase stellt sich die Frage nach der neuen Ausrichtung. Ein Trainerwechsel bringt immer neue Impulse – aber auch Unruhe. Für die Mannschaft bedeutet das eine Umstellung mitten im laufenden Wettbewerb - auch wenn die Spieler Petar Topalski schon lange kennen.
Für Felix Banobre selbst bleibt Bochum eine zentrale Station seiner Karriere. Er hat den Klub geprägt, geformt und auf ein neues Niveau gehoben. Die Kombination aus sportlichem Erfolg und seiner emotionalen Art hat Spuren hinterlassen.
Die Trennung mag offiziell einvernehmlich sein – ihr Zeitpunkt aber macht sie zu einer der bemerkenswertesten Entscheidungen der jüngeren Vereinsgeschichte der Sparkassen Stars Bochum.
