Winterlaufserie: Mit Verspätung, aber glücklich ins Ziel
Der Gesichtsausdruck von Kristina Filtgen schwankte irgendwo zwischen Traurigkeit, leiser Hoffnung und Verzweiflung. Da sie etwas vergessen habe und noch einmal umdrehen musste, habe sie es nicht mehr rechtzeitig nach Wedau geschafft. Doch Peter Heyden kümmerte sich, redete mit den Zeitnehmern, die gerade die Startlinie abbauten – und so wandelte sich der Gesichtsausdruck der jungen Dame mit der Startnummer 4245 in ein erleichtertes Lächeln, als sie sich auch fast zwölf Minuten nach dem Start des Halbmarathons noch auf den Weg machen konnte. Auch beim Finale der 41. Winterlaufserie ging es am Samstag eben nicht nur um die Titel, sondern dem ASV auch um jedes einzelne Anliegen der insgesamt 5500 gemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Weitere Artikel:
„Wenn man so viel Energie in die Teilnahme steckt, kann man nicht einfach sagen: Nee, geht nicht, ist leider vorbei“, sagte Peter Heyden. „Und so wird es der Dame nun im Gedächtnis bleiben“, freute sich das Urgestein des Orga-Teams für die junge Läuferin. Die Zeitnehmer von Cologne Timing notierten sich die Startzeit manuell. So wurde aus einer Bruttozeit von 2:07:32 Stunden netto 1:56:02 Stunde, womit Kristina Filtgen als 725. noch über 500 Startende hinter sich ließ – und als einer der vielen Menschen glücklich ins Ziel im Leichtathletikstadion einlief.
Dabei war es für die „Spätstarterin“ gar nicht so einfach, ohne Führung der 21,1 Kilometer langen Strecke zu folgen. Durch den zuvor anhaltenden Regen waren „sämtliche Streckenmarkierungen weg“, berichtete ASV-Boss Jürgen Eloo. Durch die Pacemaker und Radfahrer war die Führung fürs Läuferfeld natürlich dennoch gegeben – aber an dieses hatte Kristina Filtgen ja erst einmal herankommen müssen. Zum Glück hatte der ASV an den entscheidenden Stellen auch Schilder angebracht, die den Weg wiesen. „Wir dürfen halt nur wasserlösliche Farbe und im Wald nur Kreide benutzen“, erklärte Frank Zahn, „aber es hat alles gepasst“, verlebten der Orga-Leiter und sein Team „einen ganz ruhigen Tag. Beim Aufbau hat es drei Stunden am Stück geregnet, aber wir waren auf alles vorbereitet und die Starts sind alle gut über die Bühne gegangen.“ So kamen die Läuferinnen und Läufer der Großen Serie sogar in den Genuss von etwas Sonne. Und mit der strahlten Theresa Nähring und Doris Kluge-Schöpp im Ziel dann um die Wette. Als Führende ins Finale gegangen sicherte sich Theresa Nähring in 1:25:13 Stunde auch den Seriensieg. Als schnellste Dame aber kam Doris Kluge-Schöpp 2:01 Minuten vor der Siegerin ins Ziel – und damit schrammte die Lokalmatadorin von den Freien Schwimmern Duisburg nach zuvor fast gleich großem Rückstand am Ende um nur zwei Sekunden an der Titelverteidigung vorbei.
In den Körper reinhören, im Feld mitschwimmen und ohne Risiko kontrolliert laufen.
Matthias Graute, Sieger vom Ayyo Team Essen
Bei den Männern war es indes eine klare Angelegenheit – wenngleich Matthias Graute trotz seiner 4:30 Minuten Vorsprung womöglich etwas Hoffnung bei Verfolger Jörn Hansen aufkeimen ließ. Auf dem Rückflug eines gerade in Kenia absolvierten Trainingslagers hatte sich Graute eine Thrombose zugezogen. „In den Körper reinhören, im Feld mitschwimmen und ohne Risiko kontrolliert laufen“, lautete daher sein Plan – am Ende nahm der Mann vom Ayyo Team Essen seinem Verfolger auch beim Sieg in 1:09:30 Stunde über fünf Minuten ab und holte sich ungefährdet den Titel vor Hansen.
In der Kleinen Serie durfte sich erwartungsgemäß Grautes Teamkollege über einen Doppelsieg freuen. Mit 32:30 Minuten holte sich Fabian Dichans souverän den Tagessieg und somit auch den Serien-Titel, da der bislang führende Luca Fröhling bekanntermaßen im Trainingslager weilte. „Mega“, strahlte Dichans, der im Jahr 2023 bereits den dritten Platz in Wedau hatte erringen können. „Das ist meine zweitbeste Zeit. Und dass ich auf meine alten Tage nochmal die Serie gewinne, hätte ich nicht gedacht“, lachte der 44-Jährige, der nun im nächsten Jahr auch gern zum fünften Mal in Folge antritt – diesmal, um den Titel zu verteidigen.
Titelverteidigung war auch das Motto, mit dem Liv Schwarzer ins Finale gegangenen war. Die Vorjahressiegerin von Laufsport Bunert Duisburg startete zwar mit 45 Sekunden Rückstand auf Jessie Jaspers. Doch vor einem Jahr hatte die junge Dame im Finale ordentlich aufgeholt und sich von Rang drei an die Spitze gespült. „Davor hatte ich auch großen Respekt, weil ich weiß, wie stark sie ist“, gestand Jessie Jaspers. Doch diesmal hatte ihre Kontrahentin keine Chance. Liv Schwarzer lief als Zweite 1:11 Minuten hinter der Dame vom Team Camerone ins Ziel, die sich mit 37:42 Minuten über eine persönliche Bestzeit, den Tages- und somit freilich den Seriensieg vor der Titelverteidigerin freute. „Ich hatte anfangs gar nicht mal so ein gutes Gefühl. Aber der Lauf war dann wie automatisiert und ich war total im Flow“, strahlte die Siegerin, die den Verlauf ihrer ersten Serien-Teilnahme einfach nur mit „mega, mega gut“, beschrieb. Ob es nun auch eine Titelverteidigung gebe? „Klar, warum nicht?“, freut sich Jessie Jaspers schon aufs nächste Jahr. Dann kommt auch Kristina Filtgen bestimmt wieder gerne nach Wedau – und sicherlich pünktlich...
