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Nachhaltige Ernährung

Preise für Lebensmittel steigen: Fünf Tipps, wie Haushalte im Supermarkt sparen

Essen. Lebensmittel sind deutlich teurer geworden. Doch es gibt Möglichkeiten, beim Einkauf zu sparen – ohne Abstriche bei Klimaschutz oder Tierwohl.
Von Jürgen Polzin, Chefreporter Klima und Nachhaltigkeit
Lebensmittel sind seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie um 35 Prozent teurer geworden. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Viele Haushalte reduzieren laut Umfragen ihren Wocheneinkauf. © Adobestock | Adobestock

Der Einkaufswagen halbvoll, die Haushaltskasse schon arg lädiert: Die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher spüren aktuell hautnah die Folgen der Inflation. Das Statistische Bundesamt bestätigt, dass sich das Leben in Deutschland im zurückliegenden September so stark verteuert hat wie nie in diesem Jahr. Demnach lagen die Verbraucherpreise um 2,4 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Neben überdurchschnittlich teuren Dienstleistungen trieben die steigenden Lebensmittelpreise die Inflationsrate hoch.

Die Auswirkungen spüren Verbraucher vor allem beim täglichen Einkauf. Die Preise für Nahrungsmittel lagen 2,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Deutlich teurer geworden sind zum Beispiel Obst (plus 5,1 Prozent), Fleischwaren (plus 3,2 Prozent) und insbesondere Schokolade (plus 21,2 Prozent), teilte das Bundesamt mit. Gemüse hingegen wurde um 2,1 Prozent billiger.

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Wie tief Haushalte für den Einkauf im Supermarkt inzwischen in die Tasche greifen müssen, zeigt die Verbraucherzentrale Hamburg mit Blick auf die Nahrungsmittelpreise seit Ausbruch der Corona-Pandemie: „Wie wir wissen, sind Lebensmittel seit 2020 um rund 35 Prozent teurer geworden“, sagt Lebensmittel-Experte Armin Valet dieser Redaktion.

Laut Statistischem Bundesamt waren das die Preistreiber:

  • Olivenöl (+112,6 Prozent)
  • Zucker (+83,3 Prozent)
  • Kekse (+77,4 Prozent)
  • Quark (+72,6 Prozent)
  • Ketchup (+64,9 Prozent)

Weil zugleich auch der wichtigste Kostenpunkt der Lebenshaltung, Miete und Energie, teurer wurde, müssen Haushalte mit knappem Budget sparen. Das aber ist möglich, wenn Verbraucher die Höhe ihrer regelmäßigen Ausgaben durch richtiges Einkaufsverhalten senken, sagen Experten der Verbraucherzentralen. Fünf Tipps, wie Verbraucher sparen können, ohne dabei Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu vernachlässigen.

Die vorgeschnittene Ananas hat im Vergleich zum ungeschnittenen Produkt das Fünffache gekostet

Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg

Kalender nutzen und saisonales Obst und Gemüse kaufen

Obst und Gemüse der Saison sind in der Regel günstiger, zeigen Preisvergleiche. In den Herbstmonaten September, Oktober und November fällt das Ernteangebot noch reichhaltig aus. Aus frischer Ernte gibt es aktuell heimische Äpfel, Birnen, Quitten und auch noch Zwetschgen. Kürbisse, Haselnüsse und Walnüsse sind jetzt in Deutschland reif, auch ist im Herbst Pilzzeit: Champignons, Pfifferlinge, Steinpilze und Maronenröhrlinge gibt es nun zahlreich und günstiger. Auch bei Produkten direkt vom Erzeuger können Verbraucher sparen, etwa in Hofläden.
>>Tipp: Wann welches Gemüse und Obst Saison hat, zeigt der Saisonkalender der Verbraucherzentralen.

Im Preis reduziert: Fast abgelaufene Lebensmittel

Manche Lebensmittel können im Supermarkt nicht mehr vermarktet werden, weil sie nicht mehr der „Norm“ entsprechen, etwa krumme Gurken oder Produkte in falschen Verpackungen. Daneben gibt es aber auch Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum fast abgelaufen ist. Viele Discounter oder Supermärkte bieten diese Produkte preisreduziert in separaten Kartons an oder weisen im Regal mit auffälligen Stickern auf die Produkte hin.

>>> Fair Ändern: Mehr Texte rund um Nachhaltigkeit lesen Sie auf unserer Themenseite „Fair Ändern- so geht Nachhaltigkeit im Alltag“

„Für Verbraucher, die auf fast jeden Cent achten müssen, ist das eine Möglichkeit, zu sparen“, rät Armin Valet. „Diese reduzierten Lebensmittel müssen genauso in Ordnung sein, sonst dürften sie ja auch nicht angeboten werden.“ Zugleich sei dies ein gutes Mittel, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

Auch über Apps oder Online-Portale können Verbraucher übrig gebliebene Lebensmittel günstig erwerben. Ein Beispiel ist die App von Too Good To Go. Hierüber etwa Restaurants, Bäckereien und Supermärkte Produkte an, die sie sonst vernichten würden. Die Verbraucherzentralen empfehlen auch die Online-Shops von Motatos und Sirplus wie auch die Plattform foodsharing.de.

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Fertiggerichte deutlich teurer: Original statt Convenience

Fertiggerichte als schnelle Mahlzeit stehen bei Verbrauchern weiter hoch im Kurs, Supermärkte und Discounter setzen verstärkt auf die schnelle Mahlzeit aus der Kühlung. Das verwundert nicht: Für Fertigprodukte, die Verbrauchern das Rühren, Schnippeln oder Putzen abnehmen, müssen Verbraucher in der Regel tüchtig zuzahlen.

„Das beste Beispiel, das wir in einer Untersuchung herausgefunden haben: Die vorgeschnittene Ananas hat im Vergleich zum ungeschnittenen Produkt das Fünffache gekostet“, berichtet Valet. „Wer sich regelmäßig einen Kaffee-to-Go holt oder für fünf Euro ein belegtes Brötchen beim Bäcker, der wird am Ende des Monats deutlich weniger Geld in der Haushaltskasse haben als derjenige, der die Produkte zu Hause zubereitet.“ Das summiert sich im Jahr, verdeutlichen die Verbraucherschützer: „Wer drei Euro mehr am Tag für Fertiglebensmittel ausgibt, ist pro Jahr immerhin mehr als 1000 Euro los.“

Überhaupt sollten Verbraucher bei hippen Trend-Produkten genau hinschauen, rät die Verbraucherzentrale. So würden beispielsweise Linsen als Nudeln oder Chips „horrend mehr kosten“ als die ursprünglichen Hülsenfrüchte selbst, die günstige, gesunde und nahrhafte Alternativen darstellten.

Smartphone und Apps können Verbraucher im Supermarkt helfen, Sonderangebote zu finden. Auf den Preisschildern sollten sie auf die Grundpreise achten, um Produkte vergleichen zu können. © dpa-tmn | Benjamin Nolte

Kebensmittelverschwendung reduzieren: Einkaufsliste, Vorkochen, Einfrieren

Sparen geht auch so: nicht mehr kaufen, als tatsächlich benötigt wird. Eine Einkaufsliste schützt Verbraucher vor Spontankäufen, die den Händlern gute Margen sicherten. Die „Jagd“ nach Sonderangeboten könne zu unnötigen Einkäufen führen, warnt Valet: „Wer sich nicht durch Schnäppchen-Werbung und Lockangebote beeinflussen lässt, sondern seinen Einkauf plant, kann enorm sparen.“

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Zur Einkaufsplanung gehöre auch, sich Gedanken über die bevorstehende Woche zu machen. Wann esse ich zu Hause, wann kann ich etwas zur Arbeit mitnehmen können? Was kann ich vorkochen, welche Zutaten benötige ich dafür? „Sollten Reste entstehen, planen Sie diese mit ein“, rät die Verbraucherzentrale. „Je weniger Sie wegwerfen müssen, desto mehr Geld sparen Sie.“

Wird trotz guter Planung doch zu viel gekocht, kann das Essen portionsweise eingefroren und je nach Bedarf wieder aus dem Tiefkühlschrank geholt werden. Auch Beeren aus dem Sommer können eingefroren werden. So stehen im Herbst oder Winter Blaubeeren, Brombeeren, Erdbeeren oder Himbeeren zur Auswahl, die nicht auf immens langen Transportwegen ins Verkaufsregal gelangt sind.

Im Supermarkt sparen: Auf Grundpreise und Sonderangebote achten

Der einfachste Spartipp, auch wenn er oft der schwerste ist: das günstigere Produkt im Angebot wählen. Das geht einfacher, wenn Verbraucher einen Blick auf die Grundpreise werfen. Sie geben etwa an, wie viel Euro das Produkt je Kilogramm oder Liter kostet. Ein Grundpreis hilft, das günstigere Produkt zu finden oder angebliche Preissenkungen zu prüfen, da Füllmengen bei gleichen Packungsgrößen und Preis unterschiedlich sind.

Ein Beispiel hat die Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite aufgeführt. Bei einem Tee hatte der Hersteller den Inhalt von 75 auf 40 Gramm reduziert, der Discounter hatte den Preis von 1,49 Euro auf 1,19 Euro gesenkt. Das entsprach trotzdem einem Preisaufschlag von 50 Prozent, so die Verbraucherschützer. Insbesondere lohne es sich, den Grundpreis abgepackter Wurst- und Käsewaren mit dem der Ware an der Theke zu vergleichen. Oft seien die verpackten Waren etwas günstiger.

Sparen können Haushalte natürlich auch, indem sie die Preisnachlässe in Supermärkten und Discountern nutzen. Sonderangebote gibt es regelmäßig, sie werden in aller Regel in Prospekten angekündigt. Mithilfe von Apps können Verbraucher herausfinden, welcher Händler in Ihrer Nähe die Produkte besonders günstig anbietet. Die Verbraucherzentrale gibt jedoch zu bedenken: Sonderangebote für Markenprodukte sind meist immer noch teurer als Eigenmarken in oft ebenso guter Qualität.

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