Warum alte Rollenbilder Frauen bares Geld kosten
Strukturelle Nachteile verschwinden nicht von selbst. Doch bestimmte Entscheidungen beeinflussen, wie stabil Einkommen, Vermögensaufbau und Altersvorsorge im Laufe eines Lebens ausfallen – besonders für Frauen.
Karrieren verlaufen selten neutral
Ein volkswirtschaftliches Warnsignal? Für Katrin Löhr, Professorin für Finanzwirtschaft und Gründerin von Finanzfreundin, ist es genau das. Frauen seien heute hervorragend ausgebildet, blieben jedoch in Strukturen stecken, die noch auf das Familienmodell der 1950er-Jahre zugeschnitten seien. Viele Karrieren folgen weiterhin einer Vollzeitnorm. „Wer reduziert, verliert häufiger Zugang zu Projekten, Verantwortung und Gehaltssprüngen“, sagt Löhr. Teilzeit werde somit schnell zur Karrierebremse.
Diese Entscheidung fällt oftmals unbewusst. Sie entsteht im Alltag. Betreuungslücken, Pflegeaufgaben oder organisatorische Verantwortung führen dazu, dass Arbeitszeit reduziert wird. Doch gerade rund um Familiengründung oder Pflege werden die Weichen langfristig gestellt. Erwerbsunterbrechungen und dauerhafte Teilzeit senken nicht nur das aktuelle Einkommen, sondern verlangsamen die Lohnentwicklung dauerhaft.
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Was zunächst nach kleinen Unterschieden aussieht, wachse über Jahrzehnte zu spürbaren Vermögenslücken, sagt Löhr. Der Zinseszinseffekt verstärke diese Entwicklung.
Auch Rollenbilder beeinflussen finanzielle Wege. Wer den Großteil der Care-Arbeit übernimmt, hat weniger Zeit für Weiterbildung, Netzwerke und strategische Karriereplanung. Rollenbilder wirkten wie ein „unsichtbarer Rahmen“, sagt Löhr, der berufliche Entscheidungen mitprägt. Frauen leisten im Jahr 72 Milliarden Stunden unbezahlte Care-Arbeit in Deutschland, wie eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt.
Finanzen nicht delegieren
Ein zweiter Hebel liegt im eigenen Umgang mit Geld. Jovanna Klaczynski von der Deutschen Vermögensberatung Essen beobachtet, dass viele Frauen finanzielle Entscheidungen aufschieben oder delegieren – etwa an den Partner. „Wenn Frauen gut informiert sind, treffen sie sehr wohl fundierte und nachhaltige Entscheidungen“, sagt Klaczynski. Finanzielle Bildung schaffe Sicherheit – und die Bereitschaft, sich aktiv mit Vorsorge und Geldanlagen auseinanderzusetzen.
Früh beginnen wirkt stärker als hohe Beträge
Entscheidend sei vor allem, früh zu beginnen. Wer Vermögensaufbau immer wieder verschiebt oder sich ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlässt, riskiert langfristige Lücken. „Auch kleine, regelmäßige Beträge können über lange Zeit einen spürbaren Unterschied machen“, sagt Klaczynski. Wichtiger sei dabei weniger die Höhe der Beträge als der Zeitpunkt der Entscheidung. Wer früh beginnt, gewinnt Zeit und damit finanziellen Spielraum.
Veranstaltung: Finanzen und Karriere
Für Frauen, die sich mehr mit ihren Finanzen auseinandersetzen und verstehen möchten, welche Möglichkeiten sie haben, z. B. staatliche Förderungen zu nutzen. Ziel ist es, dass Frauen weniger „Angst/Respekt“ vor dem Thema Finanzen haben. Anmeldungen per Mail: jovanna.klacynski@dvag.de oder per Whatsapp: 0178 8135157.
Eigenständig vorsorgen schafft Sicherheit
„Der größte Fehler ist, das Vermögen einem Mann zu überlassen“, sagt Galika Ivanov, Sprecherin der GLS Bank Bochum. Besonders bei Trennungen oder veränderten Lebensumständen. Jede Frau brauche ihr eigenes Konto und Geld, von dem sie unabhängig leben kann. Eigenständige Vorsorge schafft Handlungsspielraum und Sicherheit. „Frauen investieren risikoärmer“, sagt Ivanov. Dafür häufiger nachhaltiger, langfristiger, disziplinierter und erfolgreicher. Finanzielle Sicherheit wächst Schritt für Schritt. Und mit dem Entschluss, die eigenen Finanzen zur eigenen Sache zu machen.
