Schieb‘ den Wal zurück ins Meer! Doch die Deutsche Bahn bleibt stecken
Liebe Leserin, lieber Leser,
der Wal vor Timmendorfer Strand hat es geschafft. In der Nacht hat er sich befreit. Raus aus dem flachen Wasser, zurück ins offene Meer. Stand jetzt hat diese Geschichte also ein gutes Ende genommen.
Ein Wal auf der Sandbank, umringt von Kameras: ein Bild, das sich fast von selbst erklärt. Alle schauen hin, alle kommentieren, alle wollen helfen. Und doch bleibt lange unklar: Kommt dieses Tier hier eigentlich wieder raus?
Durch meine Düsseldorfer Sozialisierung blieb mir ein Gedanke nicht erspart: Ich musste an „Walkampf“ von den Toten Hosen denken. Viel Inszenierung, viel Getöse – und am Ende die Frage, ob sich wirklich etwas bewegt. „Schieb‘ den Wal zurück ins Meer!“
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An wen erinnert uns der gestrandete Wal?
Dieses Bild wirkt plötzlich erstaunlich vertraut. Denn es erinnert an ein Unternehmen, das ebenfalls feststeckt: die Deutsche Bahn. Seit Jahren dasselbe Bild. Verspätungen, Ausfälle, marode Infrastruktur. Und darüber ein Dauerrauschen aus Reformplänen, Strategien und politischen Versprechen. Viel Bewegung auf dem Papier, wenig auf den Schienen.
Und während unten auf den Bahnsteigen gewartet wird, wird oben weiter gerechnet: Milliardenverlust im vergangenen Jahr – und gleichzeitig mehrere Millionen Euro Boni und Vergütung für den Vorstand. Fast so, als würde man am Rand der Sandbank stehen, klatschen, Zahlen verkünden. Und dem Wal dabei zusehen, wie er feststeckt.
Vielleicht liegt genau darin der Unterschied zum Wal. Der musste raus. Zurück ins offene Meer. Die Bahn tauscht höchstens die Leute am Ufer aus. Aber eigentlich hat sich seit Jahren jeder mit der Sandbank arrangiert. Der Wal bleibt liegen. Und um zu wissen, was dann passiert, müssen Sie kein Meeresbiologe sein. Solche Geschichten gehen selten gut aus.
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Herzliche Grüße!
Ihr Pascal Biedenweg
