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Abgänge bei der „Berliner Zeitung“: Jetzt kündigt auch die Chefreporterin

Berlin. Verleger Holger Friedrich war angetreten, um dem Osten Deutschlands eine größere Stimme zu verleihen. Jetzt gehen ausgerechnet zwei „Ost-Frauen“.
Holger Friedrich, Verleger der „Berliner Zeitung“, verliert zwei weitere Journalistinnen mit Ost-Biografie. © Sebastian Kahnert/dpa | Sebastian Kahnert

Nach rund 30 Jahren als Redakteurin bei der „Berliner Zeitung“ verlässt Chefreporterin Anja Reich-Osang das Blatt, wie die „taz“ zuerst berichtete. Das Blatt zitiert aus einer Abschiedsmail der 58-Jährigen. „Die Arbeit bei der Zeitung war für mich immer auch eine Herzensangelegenheit und die Redaktion ein Ort, von dem man losfährt, um für die Leser die Welt zu erkunden, und zu dem man anschließend wieder zurückkommt. Eine feste Basis, eine Heimat.“

Diese Heimat scheint der gebürtigen Ost-Berlinern abhanden gekommen zu sein. Angaben zu ihrem Ausscheiden wollte Reich-Osang gegenüber der „taz“ nicht machen, doch das Blatt vermutet nicht zu Unrecht, dass sie mit dem eingeschlagenen Kurs von Verleger Holger Friedrich nicht einverstanden sein dürfte.

„Berliner Zeitung“ auf neuem politischen Kurs

Friedrich, der die „Berliner Zeitung“ 2019 mit seiner Frau Silke übernommen hatte, verpasste dem Traditionsmedium mit wechselvoller Geschichte einen politisch völlig neuen Anstrich. Kritiker werfen dem Blatt mittlerweile Verbreitung von „Kreml-Propaganda“ und eine Öffnung nach rechts außen vor. So wurde etwa vor wenigen Wochen ein Interview mit Götz Kubitschek, einer zentralen Figur der sogenannten „Neuen Rechten“, veröffentlicht. Kubitschek ist ein enger Vertrauter des Rechtsextremisten Björn Höcke, seines Zeichens Sprecher des Landesverbandes der AfD Thüringen.

Dorian Baganz hielt es nur wenige Wochen als Chefredakteur der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ aus. © Sebastian Kahnert/dpa | Sebastian Kahnert

Anja Reich-Osang, die mit dem „Spiegel“-Journalisten Alexander Osang verheiratet ist, ist nicht die einzige Frau aus dem Osten, die die „Berliner Zeitung“ verlässt. Auch Wiebke Hollersen, seit 2021 dort Redakteurin, hat ihr Ausscheiden angekündigt. Der Verlust der beiden Journalistinnen dürfte für Friedrich besonders schmerzhaft sein, da der Verleger stets betont, der Osten habe in der deutschen Medienlandschaft keine ausreichende Stimme.

Auch deshalb ging am 20. Februar dieses Jahres die „Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ)“ an den Start, ebenfalls herausgegeben von Friedrich. Dorian Baganz, der erste Chefredakteur der OAZ, warf noch in der Probezeit das Handtuch und kündigte. Baganz kommt aus dem Westen, aus Duisburg. Für viele Leserinnen und Leser hatte er damit offenbar zu wenig Stallgeruch. Nun wird ein Nachfolger gesucht – möglichst mit „ostdeutscher Biografie“, wie es heißt.

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