Die Internationale Rote Liste der bedrohten Arten ist ein wichtiges Instrument, um den Zustand der Artenvielfalt auf der Erde zu erfassen und den Schutz gefĂ€hrdeter Arten voranzutreiben. Herausgegeben wird die Rote Liste in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden von der Weltnaturschutzunion IUCN. FĂŒr die Erstellung Roter Listen werten Expert:innen auf wissenschaftlichen Grundlagen alle relevanten und zugĂ€nglichen Daten aus. Die Darstellung in GefĂ€hrdungskategorien stellt die komprimierteste Form der naturwissenschaftlichen Analyse dar.

Die aktuellen Zahlen vom Oktober 2025

Am 10. Oktober 2025 hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) die neueste Aktualisierung der IUCN Roten Liste der bedrohten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vorgestellt.

Insgesamt werden derzeit 172.620 Arten erfasst. Von diesen sind mehr als 48.600 Arten in den drei als bedroht geltenden Kategorien eingestuft. Das bedeutet, dass fast ein Drittel aller erfassten Arten bedroht ist! 

Arktische Robben in Gefahr – doch die GrĂŒne Meeresschildkröte macht Hoffnung

👁 Junge Bartrobbe © Kit Kovacs
Junge Bartrobbe © Kit Kovacs

Die im Oktober 2025 veröffentlichte Aktualisierung der Roten Liste gefĂ€hrdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) zeigt alarmierende Entwicklungen in der Arktis: Drei Robbenarten wurden hochgestuft und sind bedrohter als zuvor. Besonders kritisch ist die Lage der KlappmĂŒtze (Cystophora cristata), die von „gefĂ€hrdet“ auf „stark gefĂ€hrdet“ heraufgestuft wurde. Auch die Bartrobbe und die Sattelrobbe gelten neuerdings als „gering gefĂ€hrdet“ (zuvor: „nicht gefĂ€hrdet“) – ein Warnsignal, dass sich ihre BestĂ€nde verschlechtern.

Hauptursache ist der durch die globale Erderhitzung verursachte Verlust des Meereises. Ohne stabile EisflĂ€chen fehlen RĂŒckzugsorte zur Jungenaufzucht, zur Nahrungssuche und zur Erholung.

ZusĂ€tzlich wird die Arktis durch das schwindende Eis immer mehr fĂŒr Menschen zugĂ€nglich, was Gefahren wie Schifffahrt, UnterwasserlĂ€rm, Rohstoffförderung, Jagd und Beifang in der Fischerei weiter verstĂ€rkt. Auch das Walross wurde erneut bewertet. Sein Status als „gefĂ€hrdet“ bleibt zwar unverĂ€ndert, die neuen Daten bestĂ€tigen aber den hohen Druck, unter dem die arktischen MeeressĂ€uger stehen.

Weltweit schrumpfen Vogelpopulationen

👁 Gelbbauchjala (Philepitta schlegeli) © Bradley Hacker
Gelbbauchjala (Philepitta schlegeli) © Bradley Hacker

Bei Vögeln zeigt sich eine besorgniserregende Entwicklung: 61 Prozent aller Vogelarten nehmen in ihrem Bestand ab – deutlich mehr als bei der letzten umfassenden Bewertung. 2016 waren es 44 Prozent der weltweiten Vogelarten. Die Entwicklung ĂŒber alle Kategorien hinweg ist erschreckend.

Verantwortlich ist vor allem die Zerstörung von LebensrĂ€umen durch die Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft sowie Abholzung. Dabei sind Vögel unverzichtbar fĂŒr stabile Ökosysteme – als BestĂ€uber, Samenverbreiter, SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer und Aasbeseitiger.

Ein seltener Erfolg: Die GrĂŒne Meeresschildkröte erholt sich

👁 GrĂŒne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) © Nicolas J. Pilcher
GrĂŒne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) © Nicolas J. Pilcher

FĂŒr positive Schlagzeilen sorgt die GrĂŒne Meeresschildkröte (Chelonia mydas): Dank jahrzehntelanger internationaler SchutzbemĂŒhungen wurde sie von „stark gefĂ€hrdet“ auf „nicht gefĂ€hrdet“ herabgestuft – eine Verbesserung um gleich drei Kategorien! Seit den 1970er Jahren ist der Gesamtbestand um etwa 28 Prozent gewachsen.

Dieser Erfolg ist das Ergebnis wirksamer Maßnahmen wie dem Schutz von NiststrĂ€nden, Gemeindeprojekten gegen die ĂŒbermĂ€ĂŸige Entnahme von Schildkröten und ihren Eiern als Nahrung, dem Einsatz von Turtle Excluder Devices in Fischereinetzen und dem Stopp des internationalen Handels. Besonders erfolgreich waren Programme auf Ascension Island, in Brasilien, Mexiko und Hawaii.

GrĂŒne Meeresschildkröten sind SchlĂŒsselarten in tropischen Meeresökosystemen wie Seegraswiesen und Korallenriffen und haben seit Jahrtausenden fĂŒr Menschen weltweit eine kulturelle Bedeutung.

Trotz der Erholung bleibt die Gesamtpopulation jedoch deutlich kleiner als vor der Zeit intensiver Ausbeutung.

„Die Anstrengungen zum Schutz der Meeresschildkröten dĂŒrfen nun nicht nachlassen. Noch immer gilt die Mehrheit der Meeresschildkrötenarten als gefĂ€hrdet oder vom Aussterben bedroht. Zum Schutz der Tiere tragen die Beaufsichtigung von nistenden Weibchen und ihren Nestern an StrĂ€nden und die EindĂ€mmung des illegalen Handels bei. In der Fischerei helfen spezielle Ausschlussvorrichtungen dabei, dass Meeresschildkröten nicht in den Fischernetzen ertrinken. Auch die Klimakrise bedroht die Schildkröten, deshalb profitieren auch sie von ambitionierterem Klimaschutz.“

Heike Zidowitz, Artenschutzexpertin beim WWF Deutschland

Die GefÀhrdungskategorien der Internationalen Roten Liste

  • EX – Ausgestorben (Extinct): Keine Individuen mehr vorhanden.
  • EW – In freier Wildbahn ausgestorben (Extinct in the Wild): Die Art kommt nur noch in menschlicher Haltung, in Kultur oder außerhalb ihres natĂŒrlichen Verbreitungsgebietes vor.
  • CR – Vom Aussterben bedroht (Critically Endangered): Extrem hohes Risiko, dass die Art in naher Zukunft ausstirbt.
  • EN – Stark gefĂ€hrdet (Endangered): Sehr hohes Risiko, dass die Art in naher Zukunft ausstirbt.
  • VU – GefĂ€hrdet (Vulnerable): Hohes Risiko, dass die Art in naher Zukunft ausstirbt.
  • NT – Potenziell gefĂ€hrdet (Near Threatened): Aktuell noch nicht bedroht, aber kurz davor.
  • LC – Nicht gefĂ€hrdet (Least Concern): Aktuell nicht bedroht.
  • DD – Daten unzureichend (Data Deficient): Zu wenige Informationen fĂŒr eine Einstufung.

Arten in den drei Kategorien „vom Aussterben bedroht“, „stark gefĂ€hrdet“ und „gefĂ€hrdet“ gelten als bedroht.

Vergangene Veröffentlichungen der IUCN

Stand der Roten Liste vom Oktober 2024

👁 Braunbrustigel im Garten © Ola Jennersten / WWF Schweden
Braunbrustigel im Garten © Ola Jennersten / WWF Schweden

Die Zahl der WesteuropĂ€ischen Igel, auch Braunbrustigel genannt, geht stark zurĂŒck und wird von der IUCN als „potenziell gefĂ€hrdet“ eingestuft. In einigen Regionen wie Bayern und Flandern brachen die Populationen in den letzten Jahren um bis zu 50 Prozent ein.

Auch dem WesteuropĂ€ischen Igel wird die Zerstörung seines Lebensraums, insbesondere durch intensive Landwirtschaft und Stadtentwicklung, immer mehr zum VerhĂ€ngnis. Hinzu kommen tödliche UnfĂ€lle auf Straßen. Da Igel meistens nur einmal im Jahr Nachwuchs bekommen, können sie die Verluste nicht ausgleichen. Wie auch Sie etwas zum Schutz des Igels beitragen können, zeigen unsere fĂŒnf umweltschonenden Tipps fĂŒr Ihren Garten.

Auch die seltenen Bantengs sind zunehmend bedroht

👁 Bantengs im Wald © Fletcher and Baylis / WWF Kambodscha
Bantengs im Wald © Fletcher and Baylis / WWF Kambodscha

Das sĂŒdostasiatische Dschungel-Rind Banteng (Bos javanicus) wird laut der IUCN ab sofort als „vom Aussterben bedroht” eingestuft. Um mehr als 80 Prozent ist ihr Bestand in den vergangenen 20 Jahren zurĂŒckgegangen. SchĂ€tzungsweise 3.300 Individuen gibt es noch.

Haupttreiber fĂŒr diese Entwicklung sind wie so hĂ€ufig die illegale Jagd und der Lebensraumverlust. Die aktuelle Rote Liste beweist jedoch auch, dass man mit intensiven SchutzbemĂŒhungen den Verlust einer Art stoppen kann. In Thailand konnte sich die Population der Bantengs, auch dank jahrzehntelanger Arbeit des WWF, erfreulicherweise erholen. Erst kĂŒrzlich hat der WWF einen Bericht veröffentlicht, der zeigt, wie wichtig Wildtiere fĂŒr unser aller Lebensgrundlage sind. Auch die Bantengs erfĂŒllen eine essenzielle Funktion in ihrem Ökosystem. Nicht nur als großer Pflanzenfresser, sondern auch als Beutetier fĂŒr den ebenso bedrohten Tiger

„Der Erfolg der Schutzmaßnahmen in Thailand hat Leuchtturm-Charakter. Ziel muss es nun sein, in den kommenden Jahren die BestĂ€nde auch in den NachbarlĂ€ndern zu stabilisieren. Nur dann kann sich die Population des Banteng insgesamt erholen, und der GefĂ€hrdungsstatus wieder verbessert werden.“

Markus Radday, Asien-Referent beim WWF Deutschland

Stand der Roten Liste vom Dezember 2023

👁 Lachs in Aquakultur in Norwegen © Erling Svensen / WWF
Lachs in Aquakultur in Norwegen © Erling Svensen / WWF

Die auf der UN-Klimakonferenz COP28 in den Vereinigten Arabischen Emiraten veröffentlichte Rote Liste verdeutlichte einmal mehr, dass die Klima- und BiodiversitĂ€tskrise eine wachsende Zahl von Arten bedroht. Neue Erkenntnisse zeigen, dass der weltweite Bestand des Atlantischen Lachs zwischen 2006 und 2020 um 23 Prozent zurĂŒckgegangen ist. Man findet ihn heute nur noch in kleinen Flussabschnitten in Nordeuropa und Nordamerika. Die Klimakrise bedroht den Atlantischen Lachs gleich mehrfach, denn er beeinflusst nicht nur die Entwicklung der Junglachse, sondern verringert auch die VerfĂŒgbarkeit von Beutetieren und ermöglicht es invasiven Arten, ihr Verbreitungsgebiet auszuweiten und somit den Atlantischen Lachs zu verdrĂ€ngen. Doch nicht nur die Erderhitzung, sondern auch weitere EinflĂŒsse des Menschen haben massive Auswirkungen. DĂ€mme und andere Hindernisse versperren ihnen den Zugang zu Laich- und FutterplĂ€tzen. Wasserverschmutzung und Ablagerungen, primĂ€r verursacht durch Holzeinschlag und landwirtschaftliche NutzflĂ€chen, fĂŒhren zudem zu einer höheren Sterblichkeit der jungen Lachse.

Alarmierender Zustand der weltweiten SĂŒĂŸwasserfischarten

👁 EuropĂ€ischer Stör. Aufnahme aus einem Zoo-Aquarium © Diergaarde Blijdorp / WWF-Netherlands
EuropÀischer Stör. Aufnahme aus einem Zoo-Aquarium © Diergaarde Blijdorp / WWF-Netherlands

SĂŒĂŸwasserfische machen mehr als die HĂ€lfte der weltweit bekannten Fischarten aus. Damit sind sie ein wesentlicher Bestandteil des Ökosystems und entscheidend fĂŒr dessen WiderstandsfĂ€higkeit. Von den 14.898 bewerteten SĂŒĂŸwasserfischarten sind jedoch 3.086 Arten bedroht, was nahezu einem Viertel der bewerteten Arten entspricht. Mindestens 17 Prozent der bedrohten SĂŒĂŸwasserfischarten sind von der Klimakrise betroffen, unter anderem durch sinkende WasserstĂ€nde, den Anstieg des Meeresspiegels, der das Meerwasser in die FlĂŒsse treibt, und die Verschiebung der Jahreszeiten. Weitere Bedrohungen sind Umweltverschmutzung (beeintrĂ€chtigt 57 Prozent der bedrohten SĂŒĂŸwasserfischarten), DĂ€mme und Wasserentnahme (beeintrĂ€chtigt 45 Prozent der bedrohten Arten), Überfischung (beeintrĂ€chtigt 25 Prozent der bedrohten Arten) sowie invasive Arten und Krankheiten (beeintrĂ€chtigt 33 Prozent der bedrohten Arten). 

Auch zum Schutz der SĂŒĂŸwasserfische fordert der WWF deshalb einen sofortigen Stopp fĂŒr die AusbauplĂ€ne an Ems, Weser und Oder. „Beim Schutz von FlĂŒssen, Seen und Feuchtgebieten muss die Bundesregierung mehr Tempo machen. Vor allem braucht es in Deutschland Renaturierungen etwa von Mooren, AuwĂ€ldern und Flusslandschaften. Was wir stattdessen nicht brauchen, ist einen weiteren Ausbau von FlĂŒssen, wie er etwa Oder, Ems oder Weser droht”, so Tobias SchĂ€fer, Referent fĂŒr GewĂ€sserschutz beim WWF Deutschland.

Erfolge im Naturschutz: SĂ€belantilope und Saiga-Antilope

👁 Oryx Antilope (Oryx dammah) © Martin Harvey / WWF
Oryx Antilope (Oryx dammah) © Martin Harvey / WWF

Es gibt allerdings auch Lichtblicke, wie diese zwei Beispiele zeigen: Die SĂ€belantilope (Oryx dammah) galt bisher als „in freier Wildbahn ausgestorben“. Doch dank eines Wiederansiedlungsprojekts im Tschad, findet man die Art nun auch wieder in freier Wildbahn. Ihr Status wurde von der IUCN nun als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Einst war diese Antilope in der afrikanischen Sahelzone weit verbreitet, verschwand aber Ende der 1990er Jahre aus der Wildnis. Wilderei sowie extreme DĂŒrreperioden fĂŒhrten zu ihrem Aussterben im zwanzigsten Jahrhundert.

Die Situation der in Kasachstan, der Mongolei, Russland und Usbekistan beheimateten Saiga-Antilopen hat sich zuletzt ebenfalls verbessert. In Kasachstan, wo 98 Prozent aller Saigas leben, ist der Bestand mittlerweile wieder auf mehr als 1,3 Millionen gestiegen. Saiga-Antilopen sind sehr anfĂ€llig fĂŒr Krankheiten, weshalb die Art in den Jahren 2010, 2011, 2015 und 2016 von einem Massensterben betroffen war.

Diese positiven Beispiele dĂŒrfen jedoch nicht ĂŒber die Gesamtsituation hinwegtĂ€uschen. Der WWF fordert die Bundesregierung dazu auf, ihre bereits gemachten Versprechen zur Erhöhung der internationalen BiodiversitĂ€tsfinanzierung einzuhalten.

  • Aktualisierung der Roten Liste vom Dezember 2022
    👁 Dugong © vkilikov / Shutterstock / WWF
    Dugong © vkilikov / Shutterstock / WWF

    Die Aktualisierung der Roten Liste vom Dezember 2022 zeigt eine Vielzahl von Bedrohungen fĂŒr Meeresarten auf. Ăœber 1.550 der 17.903 untersuchten Meerestiere und -pflanzen sind bedroht. FĂŒr mindestens 41 Prozent der bedrohten Meeresarten ist insbesondere die Klimakrise einer der Faktoren, der sie schwinden lĂ€sst. Doch sie ist nur eine von zahlreichen Bedrohungen fĂŒr das Ökosystem unserer Ozeane.

    Dugongs

    Vor der ostafrikanischen KĂŒste gibt es heute weniger als 250 ausgewachsene Dugong-Exemplare und vor Neukaledonien weniger als 900. In Ostafrika landen die SeekĂŒhe hĂ€ufig als Beifang in FischereigerĂ€ten, in Neukaledonien werden sie gewildert. Zudem werden die sanften Tiere durch Boote verletzt. Hinzu kommt, dass die SeegrasbestĂ€nde, die als Nahrungsgrundlage fĂŒr Dugongs essenziell sind, unter anderem durch Grundschleppnetzfischerei sowie Meeresverschmutzung massiv geschĂ€digt werden. In anderen Bereichen des Indischen und Pazifischen Ozeans gibt es noch etwas grĂ¶ĂŸere BestĂ€nde von Dugongs, doch auch insgesamt gilt die Art als gefĂ€hrdet.

    Eine karibische Korallenart, die von der Yucatan-Halbinsel und Florida bis nach Trinidad und Tobago vorkommt, wurde von der IUCN von „gefĂ€hrdet“ auf direkt „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Ihr Bestand ist seit 1990 in den meisten Teilen ihres Verbreitungsgebiets um ĂŒber 80 Prozent zurĂŒckgegangen. Erstmals wurden auch Abalone-Meeresschnecken untersucht, die vor allem in Ostasien als Delikatesse gelten. 20 der weltweit 54 Abalone-Arten sind laut der Internationalen Roten Liste dementsprechend bedroht. Neben einem legalen Markt aus WildfĂ€ngen und Aquakultur, befeuert die große Nachfrage und die hohen Preise besonders die Wilderei. In den Jahren 2000 bis 2016 wurden so alleine von der stark gefĂ€hrdeten und besonders wertvollen Art Haliotis midae mehr als 96 Millionen der Tiere in SĂŒdafrika gewildert. Da die Abalone-Meeresschnecken nur langsam wachsen und sich erst nach sieben Jahren fortpflanzen, sind ihre BestĂ€nde besonders stark durch die Übernutzung bedroht.

  • Aktualisierung der Roten Liste vom Juli 2022
    👁 Monarchfalter © naturepl.com / Lynn M. Stone / WWF
    Monarchfalter © naturepl.com / Lynn M. Stone / WWF

    Erstmals untersucht wurde beispielsweise der Wandernde Monarchfalter. Er wurde von der IUCN als stark gefĂ€hrdet eingestuft. Ebenfalls weiterhin stark gefĂ€hrdet ist der Tiger, und auch unter Wasser ist der Verlust an BiodiversitĂ€t unverkennbar. Alle Arten der Störe und Löffelstöre wurden als bedroht eingestuft und der Glatt-Stör (auch bekannt als Glattdick) ist in Europa sogar ausgestorben.

    Wandernder Monarchfalter

    Es ist ein wahrliches Spektakel und großes NaturphĂ€nomen: Einst wanderten Millionen der orange-farbenen Schmetterlinge von Kanada und den USA nach Mexiko und Kalifornien. Doch dieses Schauspiel ist in großer Gefahr, denn vor allem der westliche Bestand steht vor dem Aus. Von geschĂ€tzten zehn Millionen Schmetterlingen in den 1980er Jahren findet man heute dort nur noch um die 1.900 Exemplare.

    Tiger

    Einst besiedelte die grĂ¶ĂŸte Raubkatze unseres Planeten fast ganz Asien, doch seit 1994 ist ihr Verbreitungsgebiet von ehemals 1,9 Millionen Quadratkilometern noch einmal um mehr als die HĂ€lfte gesunken. Insbesondere Wilderei, der RĂŒckgang ihrer Beutetiere und der Verlust ihres Lebensraums sind fĂŒr die Einstufung des Tigers als stark gefĂ€hrdet verantwortlich. In Vietnam, Laos und Kambodscha ist der Tiger seit der Jahrtausendwende bereits ausgestorben, was vor allem auf die Schlingfallenwilderei zurĂŒckzufĂŒhren ist. 

    Störe und Löffelstöre

    Das Artensterben können wir aber nicht nur in der Ferne beobachten, sondern auch direkt vor unserer HaustĂŒr. Sieben der acht in Europa vorkommenden Störarten sind vom Aussterben bedroht, die achte gilt nun als stark gefĂ€hrdet. In der Donau schwammen noch die letzten europĂ€ischen BestĂ€nde des Glatt-Störs, doch die IUCN hat ihn dort nun fĂŒr ausgestorben erklĂ€rt. Weitere Arten der Störartigen, die als ausgestorben gelten, sind der chinesische Schwertstör und der Jangtse-Stör, der zumindest in der Natur ausgestorben ist. Es gibt allerdings auch positive Nachrichten, die Anlass zur Hoffnung geben. So zum Beispiel die erfolgreiche Wiederansiedlung des Baltischen Störs in der Oder.

  • Aktualisierung der Roten Liste vom MĂ€rz 2021

    Afrikanische Wald- und Savannenelefanten

    👁 Afrikanischer Waldelefant in Gabun © Christiaan van der Hoeven / WWF Niederlande
    Afrikanischer Waldelefant in Gabun © Christiaan van der Hoeven / WWF Niederlande

    Zwei der großen Verlierer sind der Afrikanische Waldelefant und der Afrikanische Savannenelefant. Der Waldelefant, der erstmals als eigene Art gefĂŒhrt und unabhĂ€ngig bewertet wurde, ist demnach „vom Aussterben bedroht“. Der Afrikanische Savannenelefant gilt von nun an als „stark gefĂ€hrdet“. Bisher galten beide als zwei Unterarten des Afrikanischen Elefanten, der bisher von der IUCN als „gefĂ€hrdet“ bewertet wurde. Die BestĂ€nde der Waldelefanten sind innerhalb von 31 Jahren um mehr als 86 Prozent eingebrochen, die der grĂ¶ĂŸeren Savannenelefanten schwanden um mindestens 60 Prozent innerhalb von 50 Jahren. Viele der DickhĂ€uter fielen vor allem seit 2008 der Wilderei zum Opfer, doch auch der Verlust und die ZerstĂŒckelung ihrer LebensrĂ€ume macht ihnen zu schaffen. Wenn Menschen sich immer mehr in den angestammten LebensrĂ€umen der Tiere ausbreiten, kommen sie zudem immer hĂ€ufiger in Konflikte mit den großen Pflanzenfressern, mit nicht selten tödlichem Ausgang fĂŒr Mensch oder Elefant. Dass langfristige, integrative Naturschutzmaßnahmen aber auch Erfolge zeigen, belegen einige stabile oder gar wachsende Populationen.

  • Aktualisierung der Roten Liste vom Juli 2020
    👁 Feldhamster © imageBROKER/MichaelaxWalch
    Feldhamster © imageBROKER/MichaelaxWalch

    "Es ist das grĂ¶ĂŸte Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier“ kommentiert Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland die neuen Zahlen. Unter anderem der Feldhamster gilt nun weltweit als vom Aussterben bedroht. Ebenso der Atlantische Nordkaper, ein Glattwal, und mehrere Lemuren-Arten. â€žWir Menschen spielen beim weltweiten Arten-Gau eine gefĂ€hrliche Doppelrolle. Einerseits zerstören wir LebensrĂ€ume von Arten und feuern damit das Artensterben an. Auf der anderen Seite ist Artenvielfalt die Grundlage fĂŒr funktionierende Ökosysteme, von denen wir Menschen am Ende selbst abhĂ€ngen“, so Heinrich. „Eine intakte und vielfĂ€ltige Natur gibt uns Nahrung, sauberes Wasser und andere Rohstoffe, reguliert das Klima und fungiert als Bollwerk gegen Krankheiten und Pandemien. Die Naturzerstörung geht vor allem zu Lasten von Milliarden von Menschen im globalen SĂŒden, ihr Leben hĂ€ngt oft unmittelbar von der Nutzung natĂŒrlicher Ressourcen ab.“

    Feldhamster

    FrĂŒher gab es Millionen Feldhamster â€“ vom Elsass bis nach Russland. Jetzt ist der kleine Nager vom Aussterben bedroht. Der verheerende Schwund im westlichen Europa war zwar bekannt, und in der EU ist der Feldhamster streng geschĂŒtzt. Aber Forscher hatten vermutet, dass es noch zahlreiche Feldhamster in Osteuropa und Russland gĂ€be. Ein Trugschluss. «Wenn sich nichts Ă€ndert, wird der Feldhamster in den nĂ€chsten 30 Jahren aussterben», so der Bericht der IUCN. Feldhamster pflanzen sich heute weniger erfolgreich fort. Ein Weibchen bekommt nur noch durchschnittlich 5 bis 6 Junge im Jahr, frĂŒher waren es mehr als 20. Mögliche Ursachen: Landwirtschaftliche Monokulturen, verĂ€nderte Anbau- und Erntemethoden, Industrialisierung, globale ErwĂ€rmung und Lichtverschmutzung in dicht besiedelten Gebieten.

    Lemuren

    Lemuren kommen nur auf Madagaskar und vorgelagerten Inseln vor und waren dort einst weit verbreitet. Heute ist es deutlich stiller in den Baumwipfeln der WĂ€lder des ostafrikanischen Inselstaates. Fast ein Drittel aller Lemurenarten sind nur noch einen Schritt vom Aussterben entfernt, wie zum Beispiel Madame Berthes Mausmaki, die kleinste Primatenart der Welt. Das Tier ist ohne Schwanz nur rund zehn Zentimeter lang und wiegt etwa 30 Gramm. Von den insgesamt 107 heute noch lebenden Lemurenarten gelten nun 103 als bedroht. Schuld ist der Mensch durch Waldrodung, ausgedehnte Landwirtschaft und Bejagung.

    Primaten auf dem afrikanischen Festland

    Aber nicht nur die Lemuren auf Madagaskar kĂ€mpfen ums Überleben – die IUCN hat mit der aktuellen Roten Liste die Neubewertung aller afrikanischen Primatenarten abgeschlossen und kommt zu dem Ergebnis, dass im restlichen Afrika auch mehr als die HĂ€lfte aller Primatenarten bedroht sind (54 von 103 Arten). Darunter alle 17 Arten der Roten Stummelaffen, die damit die am meisten bedrohte Affengattung in Afrika darstellen. Die vielfach illegale Jagd nach Buschfleisch und der andauernde Verlust ihres Lebensraumes drĂ€ngt auch den stark gefĂ€hrdeten BĂ€ren-Stummelaffen weiter an den Abgrund des Aussterbens. Seine BestĂ€nde sind in den letzten 30 Jahren um mehr als die HĂ€lfte geschwunden.  

    Glattwal

    Ende 2018 hat es schĂ€tzungsweise nur noch weniger als 250 erwachsene Atlantische Nordkaper (Eubalaena glacialis) gegeben, eine Art der Glattwale, die frĂŒher alle massiv bejagt wurden. Ihre Zahl nimmt trotz des Walfangverbots seit Jahren kontinuierlich ab. Sie pflanzen sich seltener fort, kollidieren mit Schiffen und verfangen sich in Fischereinetzen und -leinen. Höhere Ozeantemperaturen, angefacht durch die weltweite Klimakrise, treiben zudem viele Beutetiere im Sommer Richtung Norden in den Sankt Lorenz Golf. Die Wale folgen und verheddern sich dort noch öfter in Leinen oder werden von Booten verletzt. Die Art wurde nun auf der Roten Liste der IUCN auf „vom Aussterben bedroht“ hochgestuft. 

    Feldhamster, Lemuren und der Atlantische Nordkaper sind nur Beispiele fĂŒr das immer schnellere Artenschwinden. Bei zahlreichen Spezies hat sich der Niedergang der vergangenen Jahre weiter beschleunigt. „Der globale Arten-Gau“, sagt Christoph Heinrich vom WWF, „spielt sich nicht nur in fernen RegenwĂ€ldern oder Meeresregionen ab, sondern auch vor der eigenen HaustĂŒr.“ Der Überlebenskampf des Feldhamsters steht dabei stellvertretend fĂŒr den tausender heimischer Tiere und Pflanzen, die unter den Folgen intensiver Landwirtschaft leiden. Ohne einen ökologischen Neustart in der nationalen und europĂ€ischen Landwirtschaftspolitik droht der Artenkollaps auf deutschen Feldern und Wiesen. 

UnzÀhlige Arten sterben jedes Jahr aus

Der Verlust der Artenvielfalt stellt heute eine der schlimmsten Katastrophen weltweit dar. Etwa zwei Millionen Tier- und Pflanzenarten sind bislang beschrieben worden. Doch acht Millionen Arten soll es auf der Erde geben, vielleicht auch mehr. UnzĂ€hlige davon verschwinden jedes Jahr.

Neuste Erhebungen gehen davon aus, dass sich die Aussterberate durch menschliche EinflĂŒsse mittlerweile um den Faktor 100 - 1.000 gegenĂŒber der natĂŒrlichen Rate erhöht hat. Zu den weltweit wichtigsten Bedrohungsfaktoren fĂŒr die Artenvielfalt zĂ€hlen vor allem Lebensraumverlust und die massive Übernutzung der natĂŒrlichen Ressourcen wie etwa durch Überfischung oder auch Wilderei. Hinzu kommen Umweltverschmutzung, Klimakrise und die VerdrĂ€ngung der heimischen Flora und Fauna durch invasive Arten.

Auch der Mensch ist dadurch bedroht

Das Aussterben einer Art ist unumkehrbar und schafft unkalkulierbare Risiken. Tiere und Pflanzen haben neben ihrem Eigenwert eine Funktion im Ökosystem. GerĂ€t dieses durch Artensterben durcheinander, so wird dies auch Folgen fĂŒr den Menschen haben. Nahrung, Wasser und Medizin hĂ€ngen in weiten Teilen der Erde direkt von einem funktionierenden und gesunden Ökosystem mit einer hohen Artenvielfalt ab. Wird dieses Ökosystem durch Artenverlust zerstört, so gerĂ€t auch die Existenzgrundlage eines großen Teils der Weltbevölkerung unmittelbar in Gefahr.

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👁 Regenwald am Amazonas © Luis Barreto / WWF-UK

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