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Irrtum, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Irrtums · Nominativ Plural: Irrtümer
Aussprache  [ˈɪʁtuːm]
Worttrennung Irr | tum
Wortzerlegung 2Irre -tum
Wortbildung  mit ›Irrtum‹ als Erstglied: irrtümlich · Irrtumswahrscheinlichkeit  ·  mit ›Irrtum‹ als Letztglied: Grundirrtum · Justizirrtum · Rechtsirrtum · Verbotsirrtum
Mehrwortausdrücke  Versuch und Irrtum

Bedeutungen

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1.
unzutreffende Annahme oder Einschätzung; Entscheidung, die auf falschen Voraussetzungen beruht und unerwünschte Folgen hat
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein bedauerlicher, fataler, folgenschwerer, fundamentaler, gewaltiger, tragischer, verhängnisvoller, weitverbreiteter Irrtum
als Akkusativobjekt: einen Irrtum begehen, bemerken, einsehen, aufklären, korrigieren
als Dativobjekt: einem Irrtum aufsitzen, erliegen, unterliegen, verfallen
in Präpositionalgruppe/-objekt: auf einem Irrtum beruhen; mit einem Irrtum aufräumen
als Aktivsubjekt: ein Irrtum liegt vor, unterläuft jmdm.
Beispiele:
In der Rückschau lässt sich vieles von dem, was man früher für »richtig« gehalten hat, als Irrtum erkennen. [Der Standard, 15.11.2016]
Er zieht aus, hinterlässt nur einen Zettel mit dem Satz: »Unsere Ehe war ein Irrtum« – und spricht danach nie wieder ein Wort mit seiner Frau. [Die Welt, 28.08.2004]
Ein verbreiteter Irrtum ist, das altes Spielzeug über den gelben Sack oder die gelbe Tonne entsorgt werden darf. Zwischen Verpackungen mit dem Grünen Punkt sind Puppen, Klötzchen und Tierfiguren nicht nutzbare Fremdkörper. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2023]
Es sei ein verhängnisvoller Irrtum zu glauben, dass Einbrecher nur nachts ihr Unwesen treiben. [Neue Zürcher Zeitung, 19.12.1997]
Ich bin dem Vorredner dankbar, daß er mir Gelegenheit gibt, das überaus traurige und bedauernswerte Unglück auf der Zeche Borussia vor dem Lande zu besprechen und die Irrtümer und falschen Auffassungen, die sich darüber verbreitet haben, zu beseitigen. [Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 08.02.1906]
2.
Zustand, sich zu irren, falscher Meinung zu sein
Grammatik: nur im Singular
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: im Irrtum sein, verharren; sich im Irrtum befinden, sehen
Beispiele:
[…] wie sagte schon Cicero: »Jeder Mensch kann sich irren, doch nur ein Narr verharrt im Irrtum [Der Standard, 26.09.2008]
»Ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Umtausch gibt es nicht«, weiß Thiess Johannssen von den Itzehoer Versicherungen, »Verbraucher sind hier oft im Irrtum. Ist ein Produkt fehlerfrei, liegt das vermeintliche Umtauschrecht im Ermessen des Händlers. Erst bei einem Mangel greift die Gewährleistung.« [Mittelbayerische, 22.12.2023]
Der im Irrtum Befangene wusste sich offenbar nicht vorzustellen, dass jemand seine erste und letzte Reise mit einem kommunistischen Pass nicht zuletzt auch deshalb unternommen haben könnte, um von jetzt an und in alle Zukunft die »Neue Zürcher Zeitung« ohne Bewilligung und Aufsicht in aller Ruhe täglich lesen zu können. [Neue Zürcher Zeitung, 29.07.1998]
Auch Generalstaatsanwalt Ulrich erklärte gegenüber der taz: »Wer glaubt, er dürfe jetzt alles tun, der sieht sich im Irrtum«. [die tageszeitung, 02.04.1987]
Er wird angehört, und es wird ihm Recht gegeben, wo er recht hat, und es wird ihm sachlich erklärt, wenn er sich im Irrtum befindet. [Neues Deutschland, 20.09.1950]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
irre · irr · Irrer · Irrenhaus · Irrenanstalt · Irrsinn · irrsinnig · Irre · irren · beirren · verirren · irrig · Irrtum · irrtümlich · Irrfahrt · Irrgarten · Irrlehre · Irrlicht · Irrwisch
irre irr Adj. ‘unsicher, zweifelnd, verwirrt, geistesgestört’, ahd. irri ‘umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos’ (9. Jh.), mhd. irre, erre ‘vom rechten Wege abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig’, asächs. irri ‘zornig’, mnd. erre, aengl. ierre ‘umherschweifend, verdorben, schlecht, zornig, wild’, got. aírzeis ‘verirrt’. Vergleicht man aind. irasyáti ‘zürnt, will übel’, lat. errāre ‘umherirren, sich verirren’ und zieht rasen (s. d.) und die dort genannten Formen heran, so kann von ie. *er(ə)s-, *rē̌s- ‘fließen, aufgebracht, erregt sein’, wohl s-Erweiterung der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’, ausgegangen werden. S. auch rinnen, rennen, rieseln. Germ. *erzja- setzt die Wurzelbedeutung teils in ‘unruhig umherschweifend’, teils in ‘heftig bewegt, zornig’ fort. Nhd. irre ‘geistig verwirrt, geisteskrank’ (17. Jh.) geht hervor aus ‘verwirrt, geistig vom rechten Weg abgekommen’; dazu Irrer m. ‘Geistesgestörter’ (19. Jh.); Irrenhaus n. (18. Jh.), für älteres Narrenhaus; Irrenanstalt f. (19. Jh.). Irrsinn m. ‘Wahnsinn, Geistesgestörtheit’ (18. Jh.), zuvor ‘verwirrtes, unrichtiges Denken’ (17. Jh.); irrsinnig Adj. ‘wahnsinnig, geistesgestört’ (19. Jh.); in heutiger Umgangssprache (20. Jh.) oft verstärkend ‘sehr’. Irre f. ‘falscher Weg, falsche Richtung’, mhd. irre, (md.) erre ‘Irrtum, Verirrung, Irrfahrt’; vgl. got. aírzei ‘Irrlehre’. irren Vb. ‘sich ziellos hin und her bewegen, rastlos umherziehen, eine falsche Meinung haben, sich täuschen’, ahd. irrōn ‘irregehen, umherirren, in Ungewißheit sein, abtrünnig werden’ (8. Jh.), irren ‘verwirren’ (9. Jh.), mhd. irren ‘in Verwirrung bringen, stören, auf Abwege, zum Unglauben bringen, ungewiß, unsicher sein’, aengl. iorsian, irsian ‘böse sein, machen’, got. aírzjan ‘irreführen’. beirren Vb. ‘unsicher machen’ (17. Jh.). verirren Vb. reflexiv ‘vom Weg abkommen, sich nicht zurechtfinden’, ahd. firirrōn (um 1000), mhd. verirren ‘in die Irre führen, stören, verwirren, sich verirren, in Irrtum fallen’. irrig Adj. ‘falsch’, mhd. irrec, irric ‘zweifelhaft, hinderlich’, vgl. ahd. irrī̌gheit ‘Irrlehre, Irrtum’ (um 1000). Irrtum m. ‘Fehler, Versehen’, ahd. irrituom ‘Irrlehre, Irrtum, Irrgang’ (9. Jh.), mhd. irretuom ‘Irrung, Hindernis, Schaden, Ketzerei, Streit’; irrtümlich Adj. ‘fälschlich, versehentlich’ (19. Jh.). Irrfahrt f. ‘Fahrt in die falsche Richtung, vergebliches Suchen nach dem rechten Weg’, mhd. irrevart. Irrgarten m. ‘Labyrinth’ (16. Jh.). Irrlehre f. ‘falsche Lehre’ (17. Jh.). Irrlicht n. kurz aufleuchtendes, unruhig flackerndes Flämmchen (über Moorböden, durch Selbstentzündung von Sumpfgas), im Volksglauben als in die Irre führender Kobold oder Totengeist vorgestellt (17. Jh.); dafür auch Irrwisch m. (16. Jh.), zu Wisch ‘Fackel’ (s. d.); auch ‘unruhiger Mensch, lebhaftes Kind’ (18. Jh.).

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Psychologie
Denkfehler · Fehlannahme · Fehleinschätzung · Fehlschluss · Irrglaube · Irrtum · Missverständnis · Trugschluss · falsche Annahme · falsche Schlüsse · unbewusster Fehlschluss  ●  Paralogismus griechisch · Irrung geh., veraltet · klarer Fall von denkste ugs., Spruch · non sequitur fachspr., lat.
Oberbegriffe
Assoziationen

Assoziationen

Da siehst du mal, wie man sich irren kann! · Irrtum!  ●  (ja) von wegen! ugs. · Das hast auch nur du gedacht! ugs., Spruch · Davon kann (überhaupt) keine Rede sein! ugs., Spruch · Denkste! ugs. · Denkste, Puppe! ugs. · Falsch gedacht! ugs. · Flötepiepen! ugs., westfälisch · Hast du gedacht! ugs. · Nichts da! ugs. · Pustekuchen! ugs. · So kann man sich irren. geh., ironisch
Assoziationen
  • dem ist nicht so · dem war nicht so · falschliegen · nicht der Fall sein · nicht zutreffen · sich irren (du irrst dich) · weit gefehlt  ●  (da) sage noch einer (...) floskelhaft, variabel · nicht an dem sein (dass) biblisch, regional · womit eindeutig widerlegt wäre (dass) floskelhaft · (ein) Irrtum vom Amt ugs. · (ein) typischer Fall von denkste ugs., salopp, variabel · (einfach) nicht stimmen ugs. · (so) nicht stimmen ugs. · keine Rede sein können (von) ugs. · nicht die Rede sein können (von) ugs. · so ist das (aber) nicht ugs.
  • falsch (sein) · fehlerhaft · inkorrekt · nicht den Tatsachen entsprechen(d) · nicht haltbar · nicht korrekt · nicht richtig · nicht zutreffen · nicht zutreffend · unhaltbar · unkorrekt · unrichtig · unsachgemäß · unzutreffend  ●  irrig geh. · verkehrt ugs.
  • wie käme ich denn dazu!  ●  ganz bestimmt nicht! variabel · (aber) nicht mir mir! ugs. · Aber sonst geht's dir gut (oder)!? ugs., ironisch · Da kannst du aber (lange) drauf warten! ugs. · Das hättest du wohl gerne! ugs. · Das wäre (ja) noch schöner! ugs. · Das wüsste ich aber! ugs. · Ich glaub, es geht los! ugs., auch ironisch · So siehst du aus! ugs., Spruch · So weit kommt's noch! ugs. · Spinn dich aus! ugs. · Träum weiter! ugs. · aber hallo! ugs. · alles klar (lakonisch abwehrend) ugs. · als ob! ugs., jugendsprachlich · da kann ja jeder kommen! ugs., Spruch · da können Sie aber lange drauf warten! ugs. · da könnte ja jeder kommen! ugs., Spruch · das könnte dir so passen! ugs. · ja nee, is klar ugs. · sonst noch Wünsche? ugs., ironisch · sonst noch was? ugs., ironisch · wer's glaubt wird selig ugs., ironisch, Spruch · wo denkst du hin!? ugs. · wo kämen wir denn da hin! ugs., Spruch · wo werd' ich denn! ugs.
  • (...) am Arsch! derb · (der) kann mich mal mit ... derb · Von wegen (...): Sie können mich mal! derb · Von wegen (...): du kannst mich mal! derb

Typische Verbindungen zu ›Irrtum‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Irrtum‹.

Legende: Adjektive Substantive Verben
Zitationshilfe
„Irrtum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Irrtum>.

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