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Nichts, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Nichts · Nominativ Plural: Nichtse
Aussprache  [nɪçʦ]
Grundformnichts
Wortbildung  mit ›Nichts‹ als Erstglied: Nichtschen  ·  mit ›Nichts‹ als Letztglied: Garnichts · Taugenichts

Bedeutungen

Duden, GWDS, 1999, DWDS
Duden, GWDS, 1999, DWDS
1.
Abwesenheit jeglicher physikalischer ExistenzformDWDS, 23.03.2021
Grammatik: nur im Singular
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das gähnende, blanke, schiere, pure, bodenlose Nichts
als Akkusativobjekt: das Nichts füllen
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Schöpfung aus dem Nichts
a)
Philosophie absolutes Nichtsein; Gegensatz zum Sein und zum Seienden
Kollokationen:
in Koordination: das Sein und das Nichts
Beispiele:
Nach dem Nichts zu fragen, bedeutet, so zu tun, als sei es etwas, dabei ist es genau das Gegenteil, die Verneinung der Allheit des Seienden. [Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2008]
Philosophen befassen sich seit Jahrhunderten mit dem Nichts und damit, ob man sich überhaupt mit nichts befassen kann – freilich ohne greifbares Ergebnis. [Badische Zeitung, 16.01.2021]
Ich erlebte einen Mann, der über Philosophie nicht redete, sondern original philosophierte. Ich erinnere mich an seine Frage: Was ist das Nichts? »So können wir nicht fragen, denn das Nichts ist ursprünglicher als das Seiende.« [Süddeutsche Zeitung, 22.02.2003]
Als ganz besonders eindrucksvoll habe ich die Unterrichtsstunde in Erinnerung, in der Professor Nachtigaller das Werden des Lebens auf unserem Planeten Schritt für Schritt darstellte, vom Einzeller bis zur höchsten Lebensform. Zuerst verkörperte er das Nichts, krümmte sich in sich zusammen und behauptete mit dünner, kaum hörbarer Stimme, nicht vorhanden zu sein[…]. [Moers, Walter: Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär. Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 144]
[Sartres Schrift] »L’etre et le neant« erörtert auf 700 Seiten die kompliziertesten Fragestellungen, konfrontiert das Sein mit dem Nichts, ringt mit dem Sein […]: das Problem des Nichts[…], die Faktizität des Seins und die Faktizität der Aktion, nämlich die Freiheit, sind die Themen dieses Buches[…]. [Die Zeit, 14.03.1946]
b)
als leer gedachter Raum (des Alls)
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: aus dem Nichts auftauchen
Beispiele:
Türen sind zu groß oder zu eng oder führen nirgendwohin, so wie manche Treppen ins Nichts führen. [Der Spiegel, 03.08.2011 (online)]
Bereits wurde am Dienstag der 38‑jährige Ratas als möglicher neuer Ministerpräsident genannt. Das ist insofern erstaunlich, als er keinerlei Regierungserfahrung auf gesamtstaatlicher Ebene mitbringt. Neben Kersti Kaljulaid, die Anfang Oktober aus dem politischen Nichts innerhalb nur weniger Tage zur estnischen Präsidentin wurde, wäre er der zweite unverhoffte Senkrechtstarter dieses Herbstes. [Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2016]
Wie aus dem Nichts taucht ein Zivilfahnder auf […]: […] [Die Zeit, 24.02.2015]
Die Leere heißt man ein Nichts und den nur vorgestellten Raum, ja der Raum selbst soll ein Nichts sein. [Busch, Werner: Das sentimentalische Bild. München: Beck 1993, S. 480]
Etwas wie ein Windhauch streift uns; ist aber kein Wind, sondern ein Strom von Partikeln[…], die sich vom Nichts ins Nichts bewegen. [Heym, Stefan: Ahasver. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch 1983 [1981], S. 135]
2.
übertrieben kaum vorhandene SubstanzDWDS, 14.04.2021
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
Bei der mehrstündigen, umfangreichen Zeugenvernehmung schmolzen die Verwürfe [sic!, Vorwürfe] gegen den jungen Afrikaner aus Guinea zu einem Nichts zusammen. [Neue Westfälische, 28.10.2020]
Mehr [als ihr Smartphone] braucht sie [eine Gastronomin] derzeit nicht zum Arbeiten, denn statt Gäste zu versorgen, muss sie [angesichts der pandemiebedingten Schließung ihres Gastronomiebetriebes] vor allem: das Nichts verwalten und warten. [Süddeutsche Zeitung, 29.01.2021]
Vor 50 Jahren stand das Land [Korea] vor dem Nichts. Über Jahrzehnte von Japan besetzt und ausgebeutet, ist der letzte Rest des Landes im Koreakrieg Anfang der 1950er zerstört worden. [Der Standard, 27.10.2015]
Weil die Londoner Verkehrsbetriebe ihren Fahrgästen keine nackte Haut zumuten wollen, verbannten sie nun ein Poster der »Venus« von Lucas Cranach dem Älteren. […] Sie trägt eine Halskette, ein verführerisches Lächeln und ein Nichts von einem Schleier vor ihrer Scham. [Der Spiegel, 14.02.2008 (online)]
Der Kruppsaal lichtete sich [während einer Lesung Thomas Manns im Kunstverein Essen] […] zusehends. […] Der ganze Abend ein Nichts von Handlung. 1 1/2 Stunden z. B. braucht er zur Schilderung eines Menschen, der nach Davos fährt, um sich da irgendwo in ein Bett zu legen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2005]
3.
abwertend Mensch, der keinerlei Achtung genießt, den keiner respektiert, der keine soziale Stellung hat o. Ä.
Beispiele:
Das Auto hatte in Patricks Kopf Platz genommen, so sehr, dass kein anderer Gedanke mehr hineinpasste. Ohne Auto bist du ein Nichts in Marzahn. [Berliner Zeitung, 30.04.2005]
»Party ist für Nichtse«, sagt er. Und Nichtse sind nichts für ihn. [Dresdner Neueste Nachrichten, 02.08.2018]
Kurz vor seinem Abgang hat es sich Industriepräsident Michael Rogowski noch mal eben schnell mit der Union und mit CSU‑Chef Edmund Stoiber verscherzt. […]. Stoiber sei […] ein Nichts: »Er ist als Mensch wenig zugänglich und programmatisch muss man geradezu fragen: Wer ist Stoiber?« [Berliner Zeitung, 13.12.2004]
Bei der Rückkehr seiner Frau kochte er noch immer [vor Wut]: »Vergiß nicht, du bist ein Nichts. Du bist nur durch mich etwas.« [Der Spiegel, 17.11.1986]
Mich ärgert oft schon der Ton und die Haltung, gar nicht so sehr, was sie sagen; daß sie einen so spüren lassen: Du bist ein Nichts, eine Null, wenn wir wollen, können wir dich, wie der Daumen die Mücke, zerquetschen. [Die Zeit, 18.11.1977]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
nicht · nichtig · Nichtigkeit · nichts · Nichts · nichtsdestoweniger · nichtswürdig
nicht Adv. der Verneinung. Ahd. niowiht (8. Jh.), mhd. niwiht, niweht, niht, asächs. nio-, neo-, niewiht, mnd. nicht, niet, mnl. nl. niet, afries. nāwet, naut, nāt, aengl. nōwiht, engl. nought sowie got. ni waíht ‘nichts’ ist zusammengerückt aus *na aiwin wihtes, der unter nein (s. d.) angeführten Verneinungspartikel (ahd. ni), dem unter je (s. d.) dargestellten Wort (ahd. io) und dem unter Wicht (s. d.) behandelten Substantiv (ahd. wiht ‘Wesen, Ding’, als substantivisches Pronomen ‘etwas’). Als Ausgangsbedeutung ergibt sich daher etwa ‘nicht irgendein Ding’. Ahd. niowiht und mhd. niwiht, niht wird als Pronominalsubstantiv verwendet (vgl. mhd. diu trügevreude ist ein niht) und kann als Verstärkung zur Negationspartikel hinzutreten, vgl. mhd. ich enweiʒ (es) niht. Seit dem 12. Jh. schwindet die dem Verb vorangestellte Partikel, so daß niht allein die negierende Funktion übernimmt, vgl. mhd. ich weiʒ (es) niht. Reste substantivischen Gebrauchs sind erhalten in mitnichten, mhd. mit nihten (aus mit nihte niht), und zunichte (machen), mhd. ze nihte (aus ze nihte niht); s. auch unten nichts. – nichtig Adj. ‘ungültig, unwichtig, unwesentlich, wertlos’ (15. Jh.); für nichtig achten (16. Jh.), erklären (18. Jh.). Nichtigkeit f. ‘Ungültigkeit, Bedeutungslosigkeit, Wertloses’, mhd. nihtecheit, nihtekeit ‘Nichts’. Vgl. ahd. niwihtheit f. ‘Albernheit, Nichtigkeit’ (um 1000), mhd. nihtheit, frühnhd. Nichtheit (15. Jh.). nichts Indef.pron., mhd. nihtes (aus nihtes niht ‘nichts von nichts’), erstarrter Genitiv des ehemaligen Substantivs niht n. (s. oben), bis ins 18. Jh. in der Form nichtes. Erneut substantiviert (und mit dem bestimmten, seltener unbestimmten Artikel gebraucht) Nichts n. (16. Jh.). Auf einer alten genitivischen Fügung beruhen auch nichtsdestoweniger Konj. ‘dennoch, trotzdem’ (Ende 15. Jh.) und nichtswürdig Adj. ‘niederträchtig, ehrlos’ (17. Jh.).

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Leere · Lücke · Nichts · Vakuum · nicht das Mindeste · nicht das geringste bisschen · nicht das mindeste  ●  gähnende Leere ugs. · kein Funke ugs. · keine Spur ugs.
Assoziationen
  • absolut nichts · gar nichts · nichts und wieder nichts · rein gar nichts · reinweg gar nichts · überhaupt nichts  ●  ein(en) Scheißdreck derb, abwertend · jar nüscht ugs., berlinerisch · nix und wieder nix ugs. · null Komma Josef ugs., österr. · nullkommajosef ugs., österr.
  • 0 · null
  • Abstinenz · Ausfall · Entbehrung · Entzug

(ein) Nichtswürdiger · (eine) Null  ●  (ein) Nichts fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Nichts‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Nichts‹.

Legende: Adjektive Substantive Verben
Zitationshilfe
„Nichts“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Nichts>.

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