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Privileg, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Privileg(e)s · Nominativ Plural 1: Privilegien · Nominativ Plural 2: seltenPrivilege
Aussprache  [pʀiviˈleːk]
Worttrennung Pri | vi | leg
formal verwandt mitPrivilegium
Wortbildung  mit ›Privileg‹ als Erstglied: privilegieren  ·  mit ›Privileg‹ als Letztglied: Adelsprivileg · Appellationsprivileg · Aufenthaltsprivileg · Bildungsprivileg · Handelsprivileg · Nebenkostenprivileg · Standesprivileg · Steuerprivileg
Herkunft aus prīvilēgiumlat ‘besondere (nur eine einzelne Person betreffende) Verordnung, Ausnahmegesetz, Vorrecht, Vorzugsrecht’ < prīvuslat ‘für sich bestehend, einzeln, eigen(tümlich)’ (privat) + lēxlat ‘Gesetz, Verordnung’
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Bedeutungen

eWDG , DWDS
eWDG , DWDS
1.
oft historisch Recht, das nur eine einzelne Gruppe, Institution, Person, soziale Schicht o. Ä. hat und andere nicht
Synonym zu Vorrecht
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein kaiserliches, königliches, kurfürstliches, landesherrliches, päpstliches Privileg
als Akkusativobjekt: Privilegien abschaffen, beanspruchen, erwirken, genießen; jmdm. ein Privileg erteilen, gewähren, zugestehen
in Präpositionalgruppe/-objekt: jmdn. mit Privilegien ausstatten
mit Genitivattribut: das Privileg des Bierbrauens, der Kreisfreiheit, des Jahrmarkts, der Steuerfreiheit; die Privilegien des Adels
Beispiele:
Als Nahrungsmittel und Getränk hat Bier seit langer Zeit in den deutschen Landen eine große Bedeutung, und Adlige, die mit dem Privileg des Bierbrauens ausgestattet waren, hatten eine gesicherte Eigenversorgung, beste Voraussetzungen, Gäste zu bewirten und gute Verdienstmöglichkeiten. [Leipziger Volkszeitung, 26.08.2013]
Die Privilegien mit E‑Kennzeichen [Überschrift] […] Wer ein E‑Auto steuert, hat in vielen Städten und Gemeinden Vorteile beim Parken oder darf sogar die Busspur mitbenutzen. Allerdings ist dafür in der Regel ein E‑Kennzeichen erforderlich. [Saarbrücker Zeitung, 17.02.2024]
So bleiben Spieltagsplanung, Spielmodus und Bestimmung von Spielorten das Privileg der [Deutschen Fußball-]Liga. [Süddeutsche Zeitung, 15.02.2024]
Abgeschafft: Vor 100 Jahren wurde die Weimarer Reichsverfassung verabschiedet, die eine neue Zeit einleitete. Sämtliche Vorrechte, die mit Titeln verbunden sind, wurden aufgehoben. Damit wurde vor allem der hohe Adel seiner Privilegien beraubt. Nicht angetastet wurden Besitzrechte und Ländereien – diese durfte der Adel behalten. [Südkurier, 29.03.2019]
Formal wurden die grundlegenden gesetzlichen Normen noch aus dem alten gesamtdeutschen Steuerrecht übernommen. Einige Privilege und besondere Vorteile für die Großbetriebe wurden gestrichen. [Neue Zeit, 03.04.1957] ungewöhnl.
2.
übertragen
Kollokationen:
als Prädikativ: etw. als Privileg ansehen, betrachten, empfinden, erachten
a)
Eigenschaft, Einstellung oder Verhaltensweise, die für eine Gruppe als typisch gilt
Kollokationen:
mit Genitivattribut: ein Privileg des Alters, der Jugend
Beispiele:
Märchen und Mythen formulieren […] eine klare Haltung. Weisheit zählt in diesen Erzählungen zu den klaren Privilegien des Alters. Es sind alte Männer und Frauen, deren Worte, Taten und Entscheidungen als weise gerühmt werden. [Süddeutsche Zeitung, 15.12.2021]
Rock ’n’ Roll ist schon lange nicht mehr ein Privileg der Jugend. Im Gegenteil: Graue und weisse Haare stehen ihm gut, wenn er mit jener Leidenschaft, Energie und jenem Herzblut gespielt und gesungen wird wie von Krokus am Samstag im Hallenstadion. [Thurgauer Zeitung, 08.05.2023]
Es ist das Privileg der Jugend, »dagegen« zu sein, Verkrustungen aufzubrechen, utopisch Klingendes zu fordern. [Dresdner Neueste Nachrichten, 19.04.2023]
Es gehört zu den Privilegien des Alters und des Dichters, sich von der Dienstpflicht zum sinnhaften, verständlichen Sprechen ein Stück weit befreien zu dürfen. [Badische Zeitung, 24.11.2018]
Politische Vernunft mit Juristenworten zu erschlagen, war schon immer das Privileg höchstrichterlicher Rechtsprechung. [Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1975–1995. Berlin: Aufbau Taschenbuch 2001 [1999], S. 451]
b)
etw., das nur für jmdn. allein gilt oder zutrifft
Beispiele:
Ja: Frauen können auch dumm sein, das ist kein Privileg der Männer. [Die Zeit, 11.05.2023]
Das Privileg, den Palast an der Avenue des Champs‑Élysées als Arbeitsadresse angeben zu können, kommt dem jeweiligen Präsidenten Frankreichs zu. [Aktuelles Lexikon 1974–2000. München: DIZ 2000 [1995]]
Die Eigenschaft »energieintensiv« sei kein Privileg großer Konzerne, sagte N[…]. Sondern würde auch kleinere und mittelständische Betriebe betreffen, die sich trotz der hohen Energiekosten bisher im Wettbewerb behaupten können. [Neue Westfälische, 17.02.2024]
Für mich sind Menschenrechte keine westlichen Werte, Humanität ist kein Privileg des Westens. [Die Zeit, 21.03.1997]
Wir lieben den Frieden […] und ihr drüben habt kein Privileg auf die Liebe zu ihm. [ JohoWendemarke324]eWDG, 1974
c)
allgemeiner Vorteil, den jmd., etw. gegenüber anderen bzw. anderem hat
Beispiele:
Wie viele Leute haben schon das Privileg, von der Kunst leben zu können? [Die Zeit, 19.10.2023]
Höchste Zeit […], sich ins Gedächtnis zu rufen, was Männer zu gewinnen haben, wenn Gesellschaft und Unternehmen sich weiterentwickeln. Männer hatten das Privileg, im Job schneller voranzukommen. Frauen hatten zwar weniger Macht, in Deutschland aber das Privileg, sich jederzeit auf eine Teilzeitposition zurückziehen zu können, vor allem als Mütter. Für sie ist das gesellschaftlich akzeptiert, für Männer nicht – das männliche Rollenbild ist viel stärker über die berufliche Position definiert. Das ändert sich gerade. [Dresdner Neueste Nachrichten, 15.02.2024]
Das Zusammenleben [zwischen Juden und Schwarzen] auf engem Raum in den zusehends verwahrlosten Vierteln [Brooklyns] zeitigte früh schon Spannungen, und es etablierte sich ein spezifischer, von Teilen der Black‑Power‑Bewegung dann vehement befeuerter Antisemitismus, der die Juden vor Ort als Weiße adressierte oder zumindest als potentiell Weiße. Denn die Juden, so das Argument, könnten doch jederzeit in der Mehrheitsbevölkerung aufgehen, ein Privileg, das den Schwarzen aufgrund ihrer Hautfarbe verwehrt sei. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2023]
Ruhm und Reichtum verschwanden fast über Nacht, als der Río Magdalena im neunzehnten Jahrhundert endgültig versandete und die Stadt [Mompós] all ihrer strategischen Privilegien beraubte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2021]
Sie räumte ein, dass es ein großes Privileg sei, auf ein Büro und einen Fahrer zurückgreifen zu können[…]. [Der Standard, 19.06.2016]
d)
etw. Positives, das jmd. (im Gegensatz zu anderen) erlebt oder besitzt
Beispiele:
Es ist ein grosses Privileg und erfüllt mich mit Stolz, dass ich diese talentierte Schweizer Mannschaft weiter als Head‑Coach in ihrem Entwicklungsprozess begleiten darf. [Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2024]
Hart arbeiten zu können, sollte ein Privileg sein, keine Bürde. [Süddeutsche Zeitung, 16.02.2024]
Die Künstlerin hatte […] das Privileg, Shows für bekannte Musiker‑Kollegen wie James Brown, Buddy Guy, Maceo Parker, Matt Bianco, Louisiana Red oder Mud Morganfield zu eröffnen. [Hamburger Abendblatt, 14.02.2024]
»Ich wurde in einem kleinem Ort im damals kommunistischen Slowenien geboren. Ich bin eine Immigrantin«, sagte sie. »Und glauben Sie mir – niemand schätzt die Freiheit und die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten mehr als ich. Es wäre eine Ehre und ein Privileg für mich, diesem Land zu dienen«, sagte sie. [Der Standard, 04.11.2016]
Seine Firma hat er längst verkauft, jetzt genießt er als Fellow der Walt Disney Corporation das Privileg, sich mit dem zu beschäftigen, was er gerade interessant findet. [Die Zeit, 30.12.1998]
3.
Informations- und Telekommunikationstechnik das Recht, in einem Computersystem Aktionen auszuüben, die sich auf die Sicherheit des Systems und der Daten auswirken
Beispiele:
Die eingesetzte Basistechnologie VPDisk (Virtual Private Disk) trennt den Informationszugriff komplett von dem vom Betriebssystem geregelten Dateizugriff. Hierdurch bedingt haben auch privilegierte Anwender (Administratoren) oder solche, die sich die entsprechenden Privilegien unrechtmäßig verschafft haben (Hacker, Cracker), keinerlei Zugriff auf die Daten. [Gütesiegel für COMCITY Secured Data Server, 17.10.2003, aufgerufen 04.07.2023]
Die Sicherheitslücke ermöglicht eine Remotecodeausführung […]. Ein Angreifer ohne Authentifizierung kann seine Rechte erhöhen. Dieser Exploit könnte zusammen mit anderen Betriebssystem‑Schwachstellen verwendet werden, um Privilegien auf Ihrem System zu eskalieren oder als Ausgangspunkt für den Angriff auf andere netzwerkverbundene Geräte dienen. [Sicherheitsupdate zum Ivanti Endpoint Manager, 21.06.2023, aufgerufen 29.08.2023]
Für die Schweregrade einer Schwachstelle werden die Attribute »keine«, »niedrig«, »mittel«, »hoch« und »kritisch« verwendet. Der Base Score bewertet die Voraussetzungen für einen Angriff (u. a. Authentifizierung, Komplexität, Privilegien, Userinteraktion) sowie dessen Konsequenzen. [Schwachstelle ermöglicht Darstellen falscher Informationen, 07.06.2023, aufgerufen 29.08.2023]
Erlangt […] ein Angreifer Zugriff auf einen Rechner, an dem ein Domänen‑Administrator angemeldet ist oder war, kann er die Zugangsdaten für den Domänen‑Account entwenden und so auf alle Ressourcen, Rechte und Privilegien des entsprechenden Kontos für die gesamte Domäne zugreifen. [4 zentrale IT-Security-Trends 2016, 30.08.2019, aufgerufen 18.07.2023]
Einem völlig unbekannten anderen Menschen im Internet die Erlaubnis zu erteilen, dass er JavaScript, Java und Binärcode in Plugins auf ihrem [sic!, Ihrem] Rechner ausführen kann, ist als allgemeine Konfiguration ein sehr weit gehendes Privileg. Es wäre etwa damit vergleichbar, als wenn jemand seine eigene Wohnung nicht mehr abschließt und sie zu einem gewissermaßen öffentlichen Raum erklärt, in dem jeder tun kann, was er will. [Leseempfehlung: Spam-Golem, 12.01.2008, aufgerufen 14.06.2023]

Zum Originalartikel des eWDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
Privileg · Privilegium · privilegieren
Privileg Privilegium n. ‘Vorrecht, Sonder-, Ausnahmerecht’ (einer Einzelperson, einer bestimmten Klasse, Schicht oder Gruppe von Menschen), mhd. prīvilēgje, prīvilei(g)e, prīvilēgjum (13. Jh.), vom 15. Jh. an meist in lat. Form Privilegium (bis ins 19. Jh.), daneben Privilegi(e) (14. bis Anfang 17. Jh.); die eingedeutschte Form Privileg setzt sich erst im 19. Jh. durch, doch der Plur. Privilegien seit dem 14. Jh. Entlehnt aus lat. prīvilēgium ‘besondere (nur eine einzelne Person betreffende) Verordnung, Ausnahmegesetz, Vorrecht, Vorzugsrecht’, einer Bildung aus lat. prīvus ‘für sich bestehend, einzeln, eigen(tümlich)’ (s. privat) und lat. lēx (Genitiv lēgis) ‘Gesetz, Verordnung’. Vgl. afrz. privilegie, priviliege, frz. privilège m. – privilegieren Vb. ‘mit einem Vorrecht oder mit Vorrechten ausstatten, von einer Verpflichtung, einer Abgabe befreien, durch Vorzugsrecht, Vorrecht schützen’ (um 1400), vgl. mhd. prīvilēgen (13. Jh.); mlat. privilegiare ‘ein Vorrecht einräumen’, afrz. privilegier.

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Privileg · Sonderrecht  ●  für jemanden gelten andere Gesetze ugs.
Assoziationen

Jura
Privileg · Vorrecht  ●  Prärogativ lat. · Erstrecht fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Privileg · Sonderrecht  ●  für jemanden gelten andere Gesetze ugs.

Typische Verbindungen zu ›Privileg‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Privileg‹.

Legende: Adjektive Substantive Verben
Zitationshilfe
„Privileg“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Privileg>.

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