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schwelen

GrammatikVerb · schwelt, schwelte, hat geschwelt
Aussprache  [ˈʃveːlən]
Worttrennung schwe | len
Wortbildung  mit ›schwelen‹ als Erstglied: Schwelbrand · Schwelerei · Schwelgas · Schwelkohle · Schwelkoks · Schwelteer · Schwelung
 ·  mit ›schwelen‹ als Letztglied: fortschwelen · nachschwelen · verschwelen · weiterschwelen

Bedeutungen

eWDG , DWDS
eWDG , DWDS
1.
etw. schweltlangsam und ohne Flamme brennen
Kollokationen:
mit Präpositionalgruppe/-objekt: unter der Asche schwelen
Beispiele:
feuchtes Holz schwelt langeeWDG, 1976
Die Glut im Meiler durfte nur schwelen und nie zur offenen Flamme werden. [Mittelbayerische, 05.03.2022]
Brad rannte zum Lagerfeuer hinüber, das neben dem Laster schwelte. [Russell, Christine / Stimpson, Colin: Die Schafgäääng. Stuttgart [u. a.] 2011]
Die Rinder weiden wild, aber im Winter riecht es säuerlich nach Urin, weil die meisten ihre Kühe im Hause halten, kaum durch ein Mäuerchen vom Wohnraum abgetrennt, damit der Regen den wertvollen Dung nicht auswäscht. Und ihnen so wärmer ist. Das Torffeuer schwelend, ein rauchig roter Schimmer von Hitze. [Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde. Hanser 2003, S. 226]
Der Waldbrand […] schwelt an vielen Stellen unterirdisch weiter. [Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2003]
Unter der weißen Aschenschicht schwelte noch die Glut des vergangenen Abends. [Röhrig, Tilman: In dreihundert Jahren vielleicht. Würzburg: Arena 1984 [1983], S. 69]
Mit finster durchfurchten Stirnen stehen die Frauen am Steinherd und kochen den Kaffee; unterm hängenden Kessel schwelt das feuchte Reisig, der Dampf beißt in die Augen[…]. [Viebig, Clara: Das Weiberdorf. Briedel / Mosel: Houben 1996 [1900], S. 31]
Glühende Hausbrandasche oder Industriemüll können Brände auslösen, die oft wochen‑ oder monatelang schwelen […] [ Gesundheit1966]eWDG, 1976
2.
übertragen etw. schweltbesonders von Konflikten, Stimmungen o. Ä.   unterschwellig vorhanden oder wirksam sein, ohne offen zum Ausbruch zu kommen bzw. zum Vorschein zu treten
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: schon lange, weiter schwelen
mit Präpositionalgruppe/-objekt: im Hintergrund, unter der Oberfläche schwelen
mit Aktivsubjekt: eine, Auseinandersetzung, eine Debatte, Diskussion, ein Konflikt, Problem, Streit, eine Krise, ein Machtkampf, Thema schwelt
Beispiele:
dumpfer Groll schwelte in ihnen, unter der OberflächeeWDG, 1976
Gleichzeitig sind die Beziehungen zwischen Indien und China nach wie vor angespannt, da die Grenzstreitigkeiten im Himalaya weiter schwelen und die beiden bevölkerungsreichsten Nationen der Welt um globalen Einfluss wetteifern, insbesondere in den Entwicklungsländern. [Indien will Russland-Öl nicht in Yuan bezahlen – eine Dreieck-Story, 20.10.2023, aufgerufen 21.10.2023]
Die Sehnsucht nach der guten alten Zeit schwelt seit Menschengedenken, sie äußert sich im Erfolg von rückwärtsgewandter Politik, […] wurde bis dato aber doch meistens mit einem Schuss Gegenwart abgeschmeckt. [Nostalgie in der Pandemie, 15.12.2020, aufgerufen 24.04.2022]
Das Durcheinander ist verführerisch komponiert, aber unter der […] Oberfläche schwelt ein Drama. [Süddeutsche Zeitung, 29.11.1997]
Wir waren Kinder, deren Mägen sich vor Hunger krümmten, und in diesem Augenblick schwelte in jedem von uns vielleicht sogar die heimliche Bereitschaft, den nächsten, der eine Kartoffel ziehen würde, zu steinigen. [Hautzig, Esther Rudomin: Die endlose Steppe. Frankfurt a. M. [u. a.] 1988]
Gleichzeitig flammte ein Streit auf, der schon jahrelang geschwelt und wieder seinen Ausdruck in einer profunden, historisch‑rechtlichen Diskussion gefunden hatte. [Mann, Golo: Das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. In: Propyläen Weltgeschichte. Berlin: Directmedia 2000 [1964]]
[…] in diesem Augenblick trat der Cypern‑Konflikt, der seit Jahren geschwelt hatte, in eine akute Phase. [Freymond, Jacques: Die Atlantische Welt. In: Propyläen Weltgeschichte. Berlin: Directmedia 2000 [1961]]
Eine Taktlosigkeit […] brachte die schwelende Krise zum offenen Ausbruch […] [ WildenhainSchauspieler126]eWDG, 1976
3.
selten, Technik jmd., etw. schwelt etw.Braunkohle, Steinkohle, Ölschiefer o. ä. Stoffe   in einem sauerstoffarmen Umfeld erhitzen, um spezielle Erzeugnisse wie Koks, Gase oder Teer zu gewinnen
Beispiele:
Fette Braunkohle wird geschwelt; die Haupterzeugnisse dieses Vorganges sind Teer, Solaröl (Leuchtmittel), Paraffin und Grudekoks (Heizmittel). [Günther, Hermann: Grundriß der Wirtschaftsgeographie. Leipzig [u. a.] 1913]
Aus der Zeit der Pommerschen Herzöge ist bekannt, dass im Raum Hintersee schon vor der Kolonisierung [vom 12. bis 14. Jahrhundert] Kohlen geschwelt und Teer gebrannt wurde[n]. […] [Hintersee, 01.07.2023, aufgerufen 30.08.2023]
Die englischen Eisenschmelzer fanden, dass sich Steinkohle, zu Koks geschwelt, noch viel besser als Holzkohle eignete, um Roheisen herzustellen. [Das Fabriksystem, 04.09.2019, aufgerufen 14.06.2023]
Die Schmelzwanne wird noch mit Generatorgas geheizt, das in den Kellern unter der Hütte in vorsintflutlichen Kippgasgeneratoren aus Braunkohle geschwelt wird. [Scherzer, Landolf: Der Erste. Berlin: Aufbau Taschenbuch 2001 [1988], S. 72]
[…] er hat sie [Braunkohle] […] analysiert, geschwelt, verkokt, vergast und verbrannt […] [ Urania1964]eWDG, 1976

Zum Originalartikel des eWDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
schwelen Vb. ‘ohne Flamme langsam brennen’ beruht auf mnd. nd. swēlen ‘langsam, ohne Flamme brennen, Gras dörren, Heu machen’, das im 18. Jh. in die Literatursprache aufgenommen wird. Mit mnl. swēlen, nl. zwelen ‘Heu wenden’ (eigentlich ‘trocken machen’), aengl. swelan ‘(ver)brennen, sich entzünden, schwären (von Wunden)’, den Intensivbildungen ahd. swelzan, swilizōn ‘sengen, rösten’ (8. Jh.) sowie anord. svalr ‘kühl, kalt’ (d. h. ein schneidendes, brennendes Gefühl erweckend), schwed. sval ‘kühl’, mnd. swalm ‘Qualm, Dunst’, den unter schwül (s. d.) genannten Formen und griech. hé͞ilē (εἵλη, aus ie. *su̯elā) ‘Sonnenwärme, Hitze’, lit. svìlti ‘sengen, ohne Flamme brennen’, (älter) svelti ‘glimmen’ läßt sich das Verb auf eine Wurzel ie. *su̯el- ‘schwelen, brennen’ (s. Sonne) zurückführen.

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

glimmen · schmoren · schwelen

qualmen · rußen · schwelen

(sich) zusammenbrauen fig. · brodeln fig. · gären fig. · schwelen fig. · schwären fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schwelen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwelen‹.

Legende: Adjektive Adverbien Substantive
Zitationshilfe
„schwelen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schwelen>.

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