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tierisch

GrammatikAdjektiv · Komparativ: tierischer · Superlativ: am tierischsten, Steigerung selten
Aussprache  [ˈtiːʀɪʃ]
Worttrennung tie | risch
Wortzerlegung Tier -isch
Mehrwortausdrücke  tierischer Ernst

Bedeutungen

DWDS
DWDS
1.
Zusammenhang mit Tieren habend
a)
zu den Tieren gehörend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: tierische Feinde, Nützlinge, Organismen, Parasiten, Schädlinge
Beispiele:
Wittere ein Igel Gefahr, rolle er sich zur stacheligen Kugel zusammen. Das könne gegen tierische Feinde wie Dachs, Uhu und Fuchs helfen. Es helfe jedoch nicht gegen vom Menschen gemachte Feinde wie Autos, Mähroboter und Rasentrimmer. [Leipziger Volkszeitung, 02.01.2024]
Im [Pferde-]Stall X in der Wiener Krieau riecht es heute, mehrere Monate nachdem die letzten tierischen Bewohner ausgezogen sind, noch immer nach ihnen. [Der Standard, 07.11.2016]
[…] schon der Filmtitel verweist auf die Mythologie indigener Völker: Ein Totem bezeichnet ein pflanzliches oder tierisches Wesen, das eine Familie repräsentiert, schützt und zusammenhält. Und die Verbundenheit von Mensch und Natur betont »Tótem« in zahllosen kleinen, scheinbar beiläufigen Szenen mit Pflanzen und Tieren. [Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2023]
Oh, wie schön ist Panama [Überschrift, Buch- und Theaterstücktitel] Wie schön es in Panama wirklich ist, werden sowohl Bär und Tiger als auch die Zuschauer nicht erfahren. Denn dort kommen die tierischen Helden aus Janoschs Kinderbuch nie an. [Der Tagesspiegel, 05.06.2014]
Die Forscher schleusten ein menschliches Gen in die Samenzellen [von Schweinen] ein. […] Die Forscher wollen damit die Entwicklung tierischer Organspender für den Menschen voranbringen. [Der Standard, 21.10.2002]
b)
von Tieren stammend; Produkte wie Fleisch, Eier, Milch, Leder enthaltend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: tierische Erzeugnisse, Lebensmittel, Produkte, Nahrung, Fette, Organe, Proteine, Zellen
Beispiele:
Tierische Proteine liefern bekanntlich nicht nur Säugetiere, sondern auch Insekten, von deren Verzehr in Zeiten der Not schon die Bibel zu berichten weiß. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2023]
Die Archäozoologie beschäftigt sich mit tierischen Überresten aus archäologischen Ausgrabungen. [Der Standard, 09.06.2016]
Der frühere Ballettdirektor der Staatsoper Hannover beschmierte eine Kritikerin mit Hundekot. Die tierische Hinterlassenschaft stammte von seinem Dackel Gustav. [Südkurier, 27.01.2024]
Viele der Stadtzürcher Landwirte verkauften in ihren Hofläden tierische Produkte. [Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2022]
Eine der schwerwiegendsten Folgeerscheinungen dieses Krieges ist der Mangel an tierischen Fetten. [Berliner Zeitung, 18.11.1945]
c)
Tiere betreffend, zu Tieren gehörend, für Tiere typisch
Kollokationen:
als Adjektivattribut: tierische Instinkte; tierisches Verhalten; eine tierische Rettungsaktion
Beispiele:
Sehr hilfreich ist es auch, alle Gäste und vor allem Kinder auf den richtigen Umgang mit der Katze hinzuweisen und sie für ihre tierischen Bedürfnisse zu sensibilisieren. [Katzen an Ostern, 12.04.2022, aufgerufen 06.06.2023]
Triste, graue Wintertage schlagen bei vielen auf die Psyche – doch das nicht nur auf die menschliche, sondern auch auf die tierische Psyche. Durch das wenige Tageslicht, den verlangsamten Stoffwechsel und die Kälte können auch Hunde an Winterdepressionen leiden und sich deshalb in diesen Monaten anders verhalten. [Hunde können auch Winterdepressionen bekommen, 19.02.2024, aufgerufen 20.02.2024]
Was die Alltagssprache auf den Punkt bringt, den Zusammenhang von Aroma und Ahnung, war den aufs Rationale und den Sehsinn kaprizierten Aufklärern einst ein Graus. Der Geruchssinn, schreibt Schlögel, war für sie der niederste, der tierischste und irrationalste. [Berliner Morgenpost, 08.03.2020]
Heute gilt Eibl‑Eibesfeldt, der sich in Zoologie habilitierte, vor allem als Begründer der »Humanethologie«. Über die Jahre hatte er auf Expeditionen, bei denen er tierisches Verhalten beobachtete und verglich, nebenbei Eindrücke über menschliches Verhalten von teilweise noch naturnah lebenden Bevölkerungen gewonnen. [Der Tagesspiegel, 05.06.2018]
[…] ein alter, tierischer Herdentrieb: allein sind diese Leute nichts, wenn sie nicht in dumpfer Masse auftreten, ist ihnen nicht wohl, nur im Haufen fühlen sie sich sicher, und der Haufe gibt soviel Kraft! [Tucholsky, Kurt: Deutschland – ein Kasernenhof! In: [ders.]: Kurt Tucholsky, Werke – Briefe – Materialien. Berlin: Directmedia 2000 [1920]]
2.
salopp, verstärkend sehr großes Ausmaß, enorme Intensität aufweisend
siehe auch tierischer Ernst
Kollokationen:
als Adjektivattribut: tierische Angst; tierischer Stress; tierisches Vergnügen
mit Adverbialbestimmung: sich tierisch ärgern, aufregen, freuen; tierisch nerven, nervös
Beispiele:
Wir freuen uns schon jetzt tierisch darauf, dich kennenzulernen! [Wir suchen: Channel Manager:in (m/w/d), 19.02.2024, aufgerufen 20.02.2024]
Natürlich bekommt Adina jetzt auch tierischen Zoff mit ihrem Sohn Beltsazer […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.12.2023]
»Ich wünsche euch allen eine tierisch gute, aber keine tierisch ernste Fasnacht«, sagte der Tierarzt. [Luzerner Zeitung, 18.01.2016]
[Maissirup] Soll tierisch fett machen und der Leber zusetzen wie Sau. [Der Standard, 08.03.2013]
Wer spaßeshalber eine ganz und gar nicht repräsentative Umfrage starten würde, um den tierischsten Malocher, den fiesesten Provokateur und den übelsten Treter aller Fußballmannschaften auf diesem Erdball zu ermitteln, der dürfte nicht überrascht sein, wenn ein italienischer Nationalspieler ganz, ganz weit vorne landen und einen Spitzenplatz einnehmen würde: Gennaro Gattuso. [Frankfurter Rundschau, 30.06.2006]
Er sei immer nur der treue Kumpel. Nie der richtige Lover. Das würde ihn tierisch aufregen. [Lebert, Benjamin: Crazy. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1999, S. 49]
Am Mittwochmorgen schaffe ich es zum ersten Mal wieder, ohne Schwierigkeiten ganz früh aufzustehen, obwohl ich tierisch wenig geschlafen habe die letzte Zeit. [Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen. Hamburg: Buntbuch 1980, S. 254]
3.
abwertend, veraltend nicht zivilisiertem Verhalten oder der Würde des Menschen entsprechend; grausam, völlig unbeherrscht oder abgestumpft
siehe auch viehisch (1)
Beispiele:
Ihr Lumpendreck, der stinkende Teufel hat euch ausgeschissen, ihr tierisches Spitzelpack, ihr seid nie Menschen gewesen, als Nägel, als Peitschen, als Ketten seid ihr geboren, darum quält ihr Menschen! [Rubiner, Ludwig: Die Gewaltlosen. Berlin: Directmedia 2000 [1919]]
»Die Staatsmacht, die mit tierischer Brutalität (…) friedliche Demonstranten [in Minsk] auseinandergetrieben hat, hat ihr Ansehen und die Unterstützung in der Bevölkerung verloren«, betonte [Oppositionsführer Alexander] Milinkewitsch. [Der Standard, 31.03.2006]
Ungeheuerlich ist[…] bei Dostojewski[…] der Wechsel von Liebe und Haß, von demütiger Hingabe und tierischer Roheit, von leidenschaftlicher Wahrheitsliebe und gemeiner Genußsucht, von gläubiger Einfalt und grausamem Zynismus[…]. [Auerbach, Erich: Mimesis. Bern: Francke 1959 [1946], S. 485]
An der fast sinnlos gewordenen Emsigkeit der Magd und der immer tierischeren Unterwürfigkeit des Knechtes konnte Paracelsus deutlicher als an ihnen selbst den Seelenzustand der Brüder ermessen. [Kolbenheyer, Erwin Guido: Das dritte Reich des Paracelsus. München: J. F. Lehmanns 1964 [1925], S. 718]
Die vier Deutschen besprachen das merkwürdige Hauswesen des Sardorto und sie begannen sich zu entkleiden, da gellten Schreie aus dem Lärm zu ihren Füßen und ein fast tierisches Brüllen. [Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus. München: J. F. Lehmanns 1964 [1921], S. 369]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
Tier · tierisch · Tiergarten · Tierkreis · Untier
Tier n. sich bewegendes und von organischen Stoffen ernährendes Lebewesen, ahd. tior (8. Jh.), mhd. tier, asächs. dior, mnd. dēr, dērt, mnl. nl. dier, aengl. dēor, engl. deer (‘Rotwild’), anord. dȳr, schwed. djur, got. dius, germ. *deuza- vergleicht sich mit lit. dvė̄sti ‘den Geist aushauchen, (von Tieren) verenden’, dvasià ‘Geist, Atem’, lett. dvēsele ‘Atem, Seele, Lebewesen’, dvaša ‘Hauch, Atem, Lebewesen’, aslaw. duša ‘Seele, Geist, Leben’, duchъ ‘Geist, Hauch, Wind, Atem’, duchati ‘hauchen, blasen, wehen, atmen’, russ. dušá (душа) ‘Seele’, duch (дух) ‘Geist, Hauch, Atem’, (landschaftlich) dvóchat’, dvošít’ (двохaть, двошить) ‘keuchen, schwer atmen’. Damit ist Anschluß an ie. *dheus-, *dhū̌s-, *dhu̯ē̌s- ‘stieben, stäuben, wirbeln’, auch ‘blasen, wehen, keuchen, atmen’ möglich (s. dösig, Dusel), eine s-Erweiterung der etwa gleichbed. Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- (s. Daune, Duft, Düne, Dunst). Tier ist daher eigentlich das lebende, atmende Wesen (vgl. lat. animal ‘Geschöpf, Lebewesen, Tier’, zu lat. anima ‘Lufthauch, Atem, Seele, Leben’), bezeichnet dann lange Zeit (in Volkssprache und Mundart noch heute) das sich schreitend (auf vier Beinen) fortbewegende Lebewesen, besonders das wilde (jagdbare, nicht domestizierte) Tier (zum alten Einteilungsschema der Tierwelt s. Wurm). – tierisch Adj. ‘Tiere betreffend, ihnen eigen, von ihnen stammend’, auch ‘dumpf, triebhaft, grausam’ (Anfang 16. Jh.); vgl. ahd. tiorlīh (8. Jh.), mhd. tierlich. Tiergarten m. ‘Gehege für wilde Tiere’, ahd. tiorgarto (Hs. 12. Jh.), mhd. tiergarte. Tierkreis m. in der Astronomie Folge der zwölf Sternbilder der Ekliptik, mhd. tierkreiz, tierzirkel, Übersetzung von gleichbed. lat. zōdiacus, griech. zōdiakós (ζῳδιακός), zu griech. zṓdion (ζῴδιον) ‘Gebilde, Ornamente aller Art, Tiere, Pflanzen, Früchte’, spätgriech. ‘Tier- oder Sternbild des Tierkreises’, eigentlich ‘Tierchen’, Deminutivum von griech. zṓon (ζῷον) ‘Lebewesen, Geschöpf, Tier’. Untier n. ‘schreckliches, wildes Tier, grauenerregendes Ungeheuer’, übertragen ‘grausamer roher Mensch, Scheusal, Unmensch’, mhd. untier.

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

tierisch  ●  bestialisch negativ, fig. · viehisch abwertend, fig.

animalisch · tierisch

ausgeprägt · ausnehmend · beträchtlich · deutlich · enorm · erheblich · haushoch · sehr · viel · weit · wesentlich · ziemlich  ●  allerhand ugs. · arg ugs. · immens geh. · tierisch ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›tierisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›tierisch‹.

Legende: Adjektive Substantive Verben
Zitationshilfe
„tierisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/tierisch>.

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