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Deutsches Fremdwörterbuch
Totem
1. Aufl. Band 5 (Kirkness u. a. 1981)
N. (-s; -s), vereinzelt auch M., Gen. früher auch –, Ende 18. Jh. entlehnt aus gleichbed. engl. totem (zurückgehend auf Odschibwä (Dialekt der nordamerikanischen Indianer) ototeman ‘Stammeszeichen’, zu ote ‘Sippe, Clan’), anfangs vereinzelt in der Form Totam; in der Ethnologie als Bezeichnung für ein (tierisches oder pflanzliches) Wesen oder einen Gegenstand, der als (Ur-)Ahne oder Verwandter eines Menschen, eines Clans oder einer sozialen Gruppe gilt, als zaubermächtiger Helfer verehrt wird, nicht verletzt werden darf und in bildlich-symbolischer Form (meist als Totempfahl) als Stammeszeichen, Familienwappen dient, zunächst auf nordamerikanische Indianer bezogen, dann allgemeiner und vereinzelt auch übertragen verwendet; dazu seit Ende 19. Jh. das aus gleichbed. engl. totemism übernommene Subst. Totemismus M. (-; ohne Pl.) ‘Glaube an die übernatürliche Kraft des Totems und dessen Verehrung’ und das aus gleichbed. engl. totemistic entlehnte Adj. totemistisch ‘den Totemismus betreffend, zu ihm gehörend, auf ihm beruhend’.

Belege

zu Totem (21)
Long 1791 See- u. Landreisen 128
sie glauben, Jeder von ihnen habe seinen Totam oder guten Genius, der über ihn wache ... Dieser Totam, glauben sie, nehme eine oder die andre Gestalt eines Thieres an (PALMER);
Freiligrath 1857 Longfellows Hiawathaübers. VI 117
Seht, auf euren Gräbern / Ohne Zeichen, ohne Sinnbild, ohne Merkmal stehn die Pfosten! Geht, bemalt sie mit Gestalten! Jeglichen mit seines Hauses / Sinnbild, seinem eignen Totem; Also dass, die nach uns kommen, kennen sie und unterscheiden! Und sie malten auf die Pfosten / Der noch unvergess'nen Gräber / Jeder seinen eignen Totem, Jeder seines Hauses Zeichen; Bildnisse vom Bär und Rennthier, Kranich, Turteltaube, Biber, Jedes auf dem Kopfe stehend, Als ein Zeichen, dass der Eigner / Fort­gegangen, dass der Häuptling, Der getragen dieses Sinnbild, Drunter lag in Staub und Asche;
ebd. VI 188
Totem, ein Familienwappen;
Jähns 1880 HGK. 40
Wie andere Naturvölker so tatuiren auch die amerikanischen Indianer ihr Stammwappen (Totem) in die Haut;
Wilutzky 1903 Vorgesch. d. Rechts III 7
Wir sehen den Geschlechterstaat aber auch in Verbindung mit der Totemverfassung;
ebd. III 8
dass der Totemstaat noch ehrwürdigeren Alters ist als der den Erinnerungen der europäischen Nationen näher liegende Geschlechterstaat;
Weber 1907 Ehefrau 13
Als exogame Ver­wandtschaftsgruppen pflegen sie sich ein gemeinsames ... Abzeichen – in Australien „Kobong“, bei indianischen Stämmen und danach in der Wissenschaft „Totem“ genannt, zuzulegen, das ihre verwandtschaftliche Zugehörigkeit kennzeichnen soll und häufig Gegenstand abergläubischer Verehrung wird;
Freud 1913 Totem und Tabu
(Titel);
1914 Görres-Ges. 25
Was hat der eiszeit­liche Verfertiger mit den Figuren beabsichtigt? Waren es Totemtiere, die den profanen Blicken im Innersten der Höhle entzogen werden sollten;
Berolzheimer 1914 Moral 38
Die Familie ist ... in jenen Zeiten ... religiöser (Totem-)Verband mit der Anschauung einer Seelengemeinschaft der Ver­bandsgenossen;
Wundt 1917 VPs. VII 295
in den Namen der Klan- und der Kultverbände oder Totems;
Buschan 1922 IVK. I 127
Wappenpfahl (Totem-post) der Nordamerikaner;
Freud 1922 Totem 3
Der Totem ... in mütterlicher oder in väterlicher Linie erblich ... An Boden und Örtlichkeiten ist der Totem nicht gebunden, die Totemgenossen wohnen voneinander getrennt;
ebd. 4 Anm.
Totem als Wort zuerst 1791 durch den Engländer J. Long von den Rothäuten Nordamerikas in der Form Totam übernommen;
1927 Festg. a. W. Goetz 407
Totemgewächs oder -tier;
Tönnies 1931 Einf. 164
nach einem Wappentier oder einer Pflanze, dem totem, sich benennen;
1947 Zwiebelturm 241
indianische Totempfähle;
Bartz 1950 Alaska 127
Sein bester Ausdruck hat sich in den Mustern der Gewebe und vor allem in den Totempfählen erhalten, die die Eingeborenen vor ihren Häusern zu errichten pflegten. Das waren geschnitzte Baumstämme ... gewissermassen als Wappenbilder dienend, allerlei Totem- und andere Tiere in ... stilisierter Form zur Darstellung [bringend];
Süddtsch. Ztg. 19. 9. 1958
Keiner kann diese Angstvorstellungen mit einer glänzenderen Mißachtung der Tatsachen heraufbe­schwören als der Kanzler, aber dies werden nur die einleitenden rituellen Tänze um den Totempfahl sein, oder wenn man will, entwaffnende Versuche, die Sünden der Opposition für deren ständige Niederlagen verantwortlich zu machen;
ebd. 27. 9. 1958
Bürokraten-Totem (Überschr.) Der Bund der Steuerzahler hat die Obrigkeit auf ... symbolische Art auf die Wünsche der zahlenden Staatsbürger aufmerksam gemacht. Zur Einweihung des stattlichen Neubaus des Innenministeriums in Stuttgart wurde dem ... Innenminister eine lebende Schildkröte als Haustier ... überreicht;
Offenburger Tagebl. 18. 6. 1965
Alfons Hüppi bannt Signale und Zeichen auf hölzerne Totembretter in einem wirkungssicheren Lokalkolorit.
zu Totemismus (17)
Henne- am Rhyn 1897 Kulturgesch. VII 391
In der Religion nimmt er [John Lubbock] die sehr anfechtbare Stufenfolge: Totemismus, Fetischismus, Schamanismus, Idolatrie, Menschen­verehrung, Ideenverehrung an, welche ... stets nebeneinander bestanden haben;
1906 Anltg. zu wiss. Beobachtungen II 93
Totemismus. Dies ist eine Art von teils religiösem, teils sozialem System, bei dem einzelne clan-artige Gruppen eines Stammes sich nach einer bestimmten Tier- (seltener Pflanzen-)Spezies benennen, dieses totem besonders verehren;
Mitt. Geogr. Ges. Wien 56 (1913) 251
Totemismus ist der seltsame, bei manchen Naturvölkern herrschende Glaube, mit Tieren (Pflanzen usw.) in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zu stehen, weshalb diese Tiere nicht getötet ... werden dürfen ... Der Totemismus wurde ... von französischen und englischen Ethnologen als die Wurzel jeglicher Religion erklärt. Von grosser Bedeutung war und ist der Totemismus für die soziale Entwicklung, weil die zum selben Totem Gehörenden sich als Verwandte betrachteten und untereinander keine Heirat eingehen durften;
Beth 1914 Religion 198
australischer Totemismus;
Berolzheimer 1914 Moral 176
Die Seelenidee ist im Totemismus schon vor und bei Beginn der Rechts- und Staatsbildung in die Erscheinung getreten;
Wundt 1917 VPs. VII 303
des Tier- und ... des Pflanzentotemismus;
Freud 1922 Totem Vorw. IV
Der Totemismus ... ist eine ... in Wirklichkeit längst aufgegebene ... religiös-soziale Institution;
ebd. 32
Das Tabu der Tiere, das wesentlich im Verbot als Totem ... besteht, bildet den Kern des Totemismus;
ebd. 43
Die ältesten und wichtigsten Tabuverbote sind die beiden Grundsätze des Totemismus: das Totemtier nicht zu töten und den sexuellen Verkehr mit den Totemgenossen des anderen Geschlechts zu vermeiden;
Grübner 1924 Weltbild 55
Es gibt vaterrechtlichen und mutterrechtlichen Totemismus;
Cassirer 1925 Philos. II 240 Anm.
den Totemismus als das Grund- und Urphänomen des mythischen Denkens aufzuweisen;
1928 Krisis d. Psychoanalyse I 120
Im Mittelpunkt der Freudschen Theorie vom Totemismus steht der Glaube an die Ödipustat, die ... für ihn gleichzeitig zur Erklärung von Tabu wie Totemismus führt;
Thurnwald 1931 Gesellschaft I Vorw. IX
Wir könnten etwa von einem Begriffs­typ des Totemismus oder des Mutterrechts sprechen;
ebd. I 27
Gemeinwesen auf religiös­zeremonieller Basis durch den Glauben an das entscheidende Walten mythischer Ahnen zusammengeschlossen, d. h. durch eine besondere Form von „Totemismus“;
Schmidt 1937 Handbuch (Reg.)
Geschlechtstotemismus bei Pygmäen;
Wachsmuth 1953 Werdegang 172
Zuordnung zum Umwelt­geschehen ist der sogenannte „Totemismus“ der Primitiven;
1959 Festschr. a. Fr. R. Schröder 28
das germanische Altertum, dem man einen „Totemismus“ nur mit Zögern zuzuschreiben sich entschliessen will.
zu totemistisch (12)
Morgan 1891 Urgesellschaft 149
das totemistische System;
Schmidt 1905 Anfänge d. Lit. 5
ein totemistischer Familienkult;
Berolzheimer 1914 Moral 174
Die ursprünglich totemistisch (also religiös) nach Muttersystem organisierte Gesellschaft wird späterhin zum Staat;
Wundt 1917 VPs. VII 375
totemistische Exogamie;
ebd. VIII 10
totemistische Stammesverfassung;
Sydow 1923 Kunst 19
Von den Giebeln ihrer Häuser ... riesige Pfeiler ... die mit totemistischen Tierfiguren über und über beschnitzt sind;
Cassirer 1925 Philos. II 143
Spuren der Tierverehrung und älterer totemistischer Anschauungen;
Menghin 1931 Weltgesch. 494
Totemistische Kulturen;
Thurnwald 1932 Ges. II 11
durch die zahlreichen „Abstammungssagen“ totemistischer Art;
Schmidt 1937 Handbuch (Reg.)
[den] totemistischen Kulturkreis;
Süddtsch. Ztg. 3. 11. 1952
hugenotti­sches Rebellentum und eine fast totemistische Kultbesessenheit;
ebd. 8. 3. 1954
Was hier die Kinder treiben, im Schatten der Angst, ist ein Kult von fast totemistischer Art: ein Ersatzkult.
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