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Deutsches Fremdwörterbuch
fatal
Adj., im späten 16. Jh. entlehnt aus lat. fatalis ‘von Gott gesandt, vom Schicksal bestimmt, verhängnisvoll’ (zu fatum, → Fatum), zunächst in der Form fatalisch, erst seit späterem 17. Jh. eventuell unter Einfluss von frz. fatal in der heutigen Form.
Heute weitgehend durch verhängnisvoll verdrängt, attr. und präd. verwendet, in der Bed. ‘von Gott/vom Schicksal gesandt, verhängt, bestimmt; schicksalhaft, unabwendbar; mit tödlichen Folgen, tödlichem Ausgang; folgenschwer, unheil-, verderbenbringend’ (s. Belege 1577, 1661, 1664, 1673, 1699, 1731, 1778, 1830, 1950, 1963, 1989), in Wendungen wie fatale Ahnungen, der Irrtum des Piloten hatte fatale Folgen/wirkte sich fatal aus, der tätige Vulkan stellt eine fatale Bedrohung für die Inselbewohner dar, eine fatale Kette von Aktionen und Gegenaktionen, die fatale Entwicklung des Geldwertes, seit Mitte 17. Jh. unter frz. Einfluss zunehmend auch abgeschwächt in der heute dominanten pejorativen Bed. ‘unangenehm, misslich, peinlich, dumm, ungeschickt; traurig, unselig’ (s. Belege 1657, 1677, 1715, 1740, 1750, 1825, 1830, 1853, 1930), z. B. ein fataler Zufall, Ausgang, fatale Folgen/Konsequenzen, das fatale Unglück/Fiasko, ich befinde mich in einer fatalen Lage, sie leidet unter fatalen Kopfschmerzen, das ist eine fatale Geschichte, die Angelegenheit war ihm äußerst fatal, es ging ihm fatal, das Fatale daran ist, dass . ., vgl. adj. Reihen wie fatal-heroisch, -peinlich, -sentimental, auch im Sinne von ‘zuwider, widerlich, widerwärtig, unausstehlich, abstoßend’ (s. Belege 1778, 1802, 1816–17, 1901, 1949), in Wendungen wie er/es ist mir fatal, ein fatales Grinsen, eine fatale Gesellschaft; dazu im 18./19. Jh. die Präfixbildung erzfatal, und vom späten 18. bis ins 20. Jh. die adv. Ableitung fatalerweise ‘unglücklicherweise’.
Dazu schon seit früherem 16. Jh. (aus gleichbed. lat. fatalia übernommenes) veraltetes Fatalien Pl., auch in der lat. Form Fatalia, juristisch für ‘nach der Prozessordnung unumstößlich festgesetzte, vorgeschriebene Frist, die nicht ohne rechtliche Folgen und Nachteile verstreichen darf; Notfrist’.
Seit Ende 17. Jh. die (wohl über frz. fatalité auf flekt. Form von lat. fatalitas zurückgehende) subst. Ableitung Fatalität F. (-; -en), im 18./19. Jh. auch in der frz. Form, im Sing. für ‘Vorsehung (Gottes), unvermeidliche Notwendigkeit, Schicksalhaftigkeit; Schicksalsschlag, Unheil, Missgeschick’, oft im Pl. auch ‘unvorhergesehene, unglückliche Zufälle, Unannehmlichkeiten, Widrigkeiten, Schwierigkeiten’; seit Mitte 18. Jh. die unter Einfluss von gleichbed. engl. fatalism und frz. fatalisme aufgekommene subst. Ableitung Fatalismus M. (-; ohne Pl.) ‘resignative Ergebung in die Macht des Schicksals, bedingungsloser, blinder Glaube an das vermeintlich Unabänderliche, Unvermeidliche, Vorherbestimmte; Schicksalsglaube’ (vgl. Determinismus, Pessimismus), bes. auf den Islam bezogen und in verschiedenen philosophischen und religiösen Richtungen (vgl. Prädestination, Indifferentismus), selten auch ‘Abgestumpftheit, Hoffnungslosigkeit’ (→ Apathie, → Phlegma, → Resignation, → Zynismus), z. B. in stumpfen Fatalismus verfallen; gleichzeitig die Personenbezeichnung Fatalist M. (-en; -en) ‘jmd., der sich dem Schicksal ergibt; Anhänger, Vertreter eines blinden Schicksalsglaubens’, gleichbed. mit im 19. Jh. vereinzelt nachgewiesenem Fatalistiker; die um 1800 aufgekommene adj. Ableitung fatalistisch ‘dem Schicksal blind ergeben, schicksalsgläubig; sich dem unabänderlichen Schicksal ausgeliefert fühlend’, z. B. fatalistische Gelassenheit, Haltung, fatalistischer Gleichmut, etwas fatalistisch über sich ergehen lassen; fatalistisch-apathisch, -fromm, -orientalisch, -pessimistisch, -zynisch; in jüngster Zeit vereinzelt die verbale Ableitung fatalisieren ‘etwas als schlecht darstellen, schlimmer machen’ (vgl. dramatisieren, → Drama).

Belege

zu fatal(isch) (47)
Fischart 1577 Trostbüchlein (W. III 54)
aus derselben [Pandora] Fatalischen vnglückssprüchs;
ders. 1581 Dämonomania 149
Fatalischen Vorsehung;
ebd. 753
fatalischen Necessitet;
Hainhofer 1610 Br. 14
möchte man für cosa ordinaria und fatale halten;
Schupp 1657 Freund in d. Not 32
Und das ist mir fatal, daß ich offt andern Leuten Ratten fangen kan, aber mir selbst kan ich nicht eine einige Mauß fangen;
Mengering 1661 Gewissensrecht 205
keine fatalische Vrsach der Zerrüttung vnd Verfassung der Reiche;
Augustin 1664 Mors Vitalis B1a
zu diesem Fatal und letzten Kampf;
ebd. E1a
O Fatal und tödtlicher Monat;
Weise 1673 Erznarren 123
etliche halten den Tag, auf welchen der ehrliche Sanct Velten gefällig iat, durch das gantze Jahr vor Fatal;
1677 Macchiavell. Hocuspocus 263
seine Gebrechen, von welchen keyner befreyet, durch einen Brill angesehen: Dieses ist gelehrten Leuten gar fatal;
Thomasius 1688 Monats-Gespräche 412
das in Ansehen unserer nichts geschähe/ was nicht höchst nothwendig und so zu sagen/ fatal wäre/ daß wir also ohne Irrthum nicht begehren könten/ das es anders geschehen solte;
1699 Monatl. Staatsspiegel II 9
des unglücklichen und fatalen Erfolgs;
Scheuchzer 1711 Physica II 53
Die Stoici, wie sie aus allem eine fatale Nothwendigkeit gemachet;
Ettner 1715 Hebamme 755
heut ist mir schwartz . . und weiß und braun so fatal gewesen;
Voltz 1731 Redensarten 185
über ein fatales Evenement seine Traurigkeit an den Tag legen;
Edelmann 1740 Moses III 142
wie die Lutherische Bibel wohl recht fatal die Unbeständigkeit ihrer Anhänger exprimirt;
Zinzendorf 1750 Sendschr. an d. Mähr. Brüder 158
Wann endlich dem Leser der gezierte stylus fatal wird;
ebd. 159
Über dies sind gewisse Wörter fast allen Menschen verständlich, e. g. das hier befindliche Wort fatal;
Lessing 1766 Laokoon (S. Schr. IX 24)
als ihn seine Mutter in dem fatalen Brande ihrer schwesterlichen Wuth aufopferte;
Müller 1778 Fausts Leben III 34
Leute denen man fatal ist, an unser Gesicht zu gewöhnen;
Leisewitz 1780 Tagebücher I 152
bemerkte ich ein sehr fatales Kitzeln im Halse und einen gezwungenen Husten;
Wolf 1793 Dulder I 204
ihm wurde der Tag zu lang, den er noch unter dieser fatalen Constellation zubringen sollte;
ebd. 231
wie er sich ärgerte, wenn so ein fataler Mißlaut an sein kunstverständiges Ohr schlug;
Foote 1798 Industrieritter (Übers.) (IV 66)
Aber eines Tages giengs mir fatal;
Lavater 1802 Physiognom. Regeln (Nachgelass. Schr. V 74)
Ist der Gang eines Weibes fatal, entschieden fatal, nicht nur unangenehm, sondern impetuos, schief, ohne Würde;
Goethe 1816–17 Italien. Reise (WA I 30,14)
machte mit der Oberlippe eine fatale Miene;
Schall 1825 Wahl (Jahrb. Dtsch. Bühnenspiele V 56)
es wäre fatal, wenn der Baron wider die genaue Abrede jetzt schon käme;
Dalberg 1830 Betrachtungen 75
eine fatale, d. h. eine verhängnisvolle, blinde Nothwendigkeit (das Fatum) . ., welchem alle ihre Gottheiten unterworfen waren;
Mendelssohn-Bartholdy 1830 Reisebr. 54
Rom im Regenwetter ist das Fatalste, Unbehaglichste, was es geben kann;
1842 Naturgesch. d. dtsch. Studenten 122
Trotz seines Katzenjammers, der jedoch ein einfach physischer bleibt und dies Mal noch nicht den fatalen moralischen Nachgeschmack hat;
Wagner-Liszt 1853 Briefw. I 295
[Ich] bin für den Augenblick in einer fatalen Lage;
Landsteiner 1860 Leben 127
Ich begreife gar nicht, wo er diese fatale Eigenschaft her hat;
Hardmeyer-Jenny 1884 Br. an C. F. Meyer 8
Er hat als Fremder, als Anfänger und weil er mit einem etwas fatalen Namen behaftet ist, mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen;
Horix 1895 Erl. 133
Niemandem ist das Vorkommniß fataler als mir;
Th. Mann 1901 Buddenbrooks (W. I 369)
Ich kann nicht sagen, welche Genugtuung ich empfinde, daß nun . . endlich die fatalen Öllampen mit ihren Ketten verschwinden;
Gött 1914 Kalendergeschichten 50
mehr als den Kopf kann es nicht kosten, höchstens wäre es fatal, wenn er mich schinden oder pfählen ließe;
Heyck 1928 Aussenseiter 130
Er will den Herrn auf einen fatalen Irrtum aufmerksam machen;
Wilke 1930 Erinn. 171
hatte . . ein fatales Talent, „ins Fettnäpfchen zu treten“;
Th. Mann 1947 Faustus (W. VI 185)
daß ich an der Überredung keinen Teil gehabt, – höchstens durch ein gewisses fatalisches Verhalten, durch Worte wie „ich denke, du weißt es selbst“, ihr allenfalls Sukkurs geleistet hatte;
Feuchtwanger 1949 Oppermann 142
[der Rechtsanwalt] verzog das vielgefältelte Gesicht zu einem fatalen Lächeln (WDG);
Süddtsch. Ztg. 28. 8. 1950
Von diesem fatalen Krieg . . zur Frage der deutschen Wiederaufrüstung . . ist nur ein Schritt;
1963 Definitionen 81
in der bengalischen Beleuchtung einer fatalen Mythisierung;
Welt 20. 5. 1969
„Das Wiedererstehen extremistischer Gruppen und Parteien von rechts und links und die Unentschlossenheit der Regierung und der Parteien, diesen Gefahren wirksam zu begegnen, erinnern fatal an die Zeiten der Weimarer Republik“;
Offenburger Tagebl. 4. 12. 1970
Der Film will einen Generationenkonflikt schildern, der fataler als jeder andere ist;
Seel 1989 Moderne 50
Kaum ein Satz dokumentiert die fatale Konvergenz zwischen klassischer und preisgegebener Moderne;
Spiegel 15. 2. 1993
Fatal allerdings, daß der Autor vornehmlich die Akten der Täter akribisch auswertet;
Berl. Ztg. 29. 1. 2000
Die neue Wahlkampfmasche könnte sich nicht nur für Rühes Karrierechancen fatal auswirken.
zu erzfatal (2)
Sturz 1782 Schr. II 377
ein erzfataler Tag;
Kürnberger 1877 Herzenssachen 264
erzfatale.
zu fatalerweise (3)
Wezel 1777 Erz. I 30
ein zänkisches Weib, das gern zanken möchte und doch fataler Weise von ihrem kaltblütigen Manne kein einzigesmal gereizt wird;
Nordau 1881 Paris I 226
sich ein specielles Gebiet der Forschung zu wählen, womit immer und fatalerweise eine verhältnismäßige Vernachlässiging der übrigen Gebiete verbunden ist;
Brod 1928 Zauberreich 318
Dieser Zusammenhang kann fatalerweise nie mehr gänzlich aufgehoben werden.
zu Fatalia (7)
Perneder 1544 Process b4a
Fatalia;
1616 Bayer. Landrecht 193
Was Fatalia seyen/ vnd wie vil der zuegelassen mögen werden (Überschr.) darin die gethane appellation vollführt und geendet soll werden/ haissen in latein F. und darumb/ daß nach ihrer verscheinung/ die gethane appellation, für todt/ gefallen . . gehalten würdet;
Thomasius 1688 Monats-Gespräche 451
mit Sorge und Kummer Achtung geben/ daß ich keine fatalia versäume;
1692 Novellen 66
wie die Menschen und alle natürliche Dinge, so haben auch die Bücher ihre aetates und fatalia;
Sperander 1727 A la mod Sprach 257
Fatalia, heissen bey den Juristen, gewisse Täge und Termine, die nach Anweisung der Process-Ordnung eines jeden Landes genau müssen beobachtet werden;
Boltz 1752 Amts-Actuarius 138
Fatalia;
Cramer 1767 Nebenstunden LXX 4
Fatalia waren überall richtig gewahret, und die übrigen Formalia betreffend, hatten Appellantes mit Ueberreichung des Appellations-Gulden . . sich . . bey dem Judice à quo offeriret.
zu Fatalien (3)
Perneder 1544 Process 88a
fatalien;
Leibniz 1668–76 Briefw. I 58
obwohl darauff weder die gerichts-ordnungen, noch Autoren, so von einziehung der Proceß geschrieben, sonderliche reflexion gemacht, sondern in externis, fatalien, formalien und solennitäten sich mehrmahls aufgehalten;
Jean Paul 1795 Fixlein (W. VII 212)
Im Kalender, worin zugleich meine juristischen Fatalien und Termine stehen.
zu fatalisieren (1)
taz 3. 5. 1991
Der auch von Ärzten nicht länger zu ignorierende frustrierte Marsch der Pflegenden aus den Institutionen, analog dem Waldsterben als Pflegenotstand fatalisiert, war bisher kein Anlaß, hierarchische Denk- und Organisationsstrukturen und damit sich selbst in Frage zu stellen.
zu Fatalismus (25)
Milton 1754 Verl. Paradies (Übers.) 252 Anm.
Es ist für den Fatalismum kein Compliment, dass er dem Teuffel in den Mund geleget wird;
Kindleben 1779 Schluterius 154
als Schluterius der Gefahr des Fatalismus entrunnen war;
1788 Journal v. u. f. Deutschland I 345
Der Anwohner sieht alle Jahre die traurige, jedoch ganz natürliche Erfahrung einiger Ertrunkenen . . Er schließt daher . . auf einen Fatalismus;
Laukhard 1792 Leben II 245
aber mir muss man es auch lassen, dass ich mich auf eine gewisse fatale Verkettung der Dingen gründe, und dadurch mein Schicksal mir erleichtere. Mein Fatalismus hebt die Freiheit nicht ganz auf, und ist daher unschädlich;
Lebrün 1825 Vielliebchen (Jahrb. Dtsch. Bühnenspiele V 95)
Nichts soll mir den Fatalismus rauben,/ Sind seine Wirkungen noch so fatal;
Fries 1832 Philosophie II 117
jeder Determinismus wird in Fatalismus auslaufen, welcher bey der praktischen Ansicht der Welt unter Sittengesetzen zum intelligibeln Fatalismus würde;
Reumont 1835 Reiseschilderungen 92
Indifferentismus und Fatalismus der Mohammedaner;
Bacherer 1840 Stellungen I 30
es [Gesetz] muss aus der Geschichte unsres Volkes den Fatalismus des Zufalls, der in seinen Regenten doch mehr oder minder zum Vorschein kommt, hinwegräumen;
Blanc 1847 Organisation d. Arbeit (Übers.) 105
Die Vorsehung verschwindet, um dem blindesten . . Fatalismus Platz zu machen;
Schopenhauer 1860 Grundprobleme 60
die bei den Alten so feststehende Ansicht von Fatum . . wie auch den Fatalismus der Mohammedaner;
Oppenheim 1866 Verm. Schr. 164
gewissen geographischen Fatalismus und auf den knechtischen Kultus der Staatsgewalt;
Gervinus 1872 Hinterlass. Schr. 17
In den inneren Verhältnissen fast aller Staaten beherrscht der Zug eines mehr als islamistischen Fatalismus diese Zeit;
Meysenburg 1898 Lebensabend II 466
Der Fatalismus im Sinn einer blinden Kraft, die den Menschen ohne seine Schuld in das Verderben stürzt, ist für uns nicht mehr annehmbar;
1908 Zukunft LXIV 42
zu den hochdenkenden Frauen und zu denen, die in einem Fatalismus des Herzens sich ihr Schicksal bestimmten;
Philippi 1916 Hagedorn 285
Mit „Ahnungen“ und „urplötzlichen Verhältnissen“ und Fatalismus bleibe mir gefälligst vom Leibe;
1928 ZfMenschenkunde III 337
Damit bietet die Astrologie eine durchaus eigenwüchsige, Kopf und Herz befriedigende Lösung dieses ethischen Grundproblems, die Extreme eines lahmlegenden Fatalismus wie eines vermessenen Indeterminismus vermeidend;
Hirsch 1931 Wirtschaftskrise 40
der Fatalismus, die geduldige Ergebenheit [im Wirtschaftlichen];
Berl. Illustr. Nachtausg. 24. 5. 1934
Lotteriespieler haben es wegen übersteigertem Fatalismus nicht für nötig befunden, einen Blick in die amtliche Gewinnliste zu werfen;
Offenburger Tagebl. 19. 3. 1959
ein von Parlamentariern und Beobachtern mit mehr oder weniger Fatalismus aufgenommener Verlauf der Plenarsitzungen;
Th. Mann 1945 Reden u. Aufs. (W. XII 947)
Abgestumpftheit, Fatalismus, Hoffnungslosigkeit sind weit eher die . . Erhalter des Regimes . . Ein geducktes Abwarten und Lauern herrscht, ahnungsvoll-passiv, pessimistisch-neugierig;
Heuss 1963 Erinn. 358
Elly . . empfand den Verzicht als Fatalismus. Wir waren ihr alle zu optimistisch;
taz 4. 3. 1987
Das Festklammern an Hoffnung und Lebenswille, dazu ein Schuß Fatalismus oder Gottvertrauen;
Zeit 12. 6. 1987
Der Tod lief mit. Dann plötzlich die Lähmung, der Fatalismus. Die dumpfe Resignation;
taz 10. 11. 1995
Tränen, Fassungslosigkeit, gelegentlich ein erstickter Aufschrei der Wut. Vielleicht sind Resignation und Fatalismus hier mehr als anderswo in der Lage, es mit der Verzweiflung aufzunehmen;
Berl. Ztg. 22. 9. 2000
Die wirtschaftliche Situation wird immer schlechter, Fatalismus greift um sich.
zu Fatalist (19)
Milton 1754 Verl. Paradies (Übers.) 252 Anm. 
dass . . [Milton] den Satan zum Fatalisten machet;
Basedow 1764 Philatelie I 129
Was soll denn die Verläumdung, als wenn die Deterministen auch Fatalisten wären?;
1772 Frankf. gel. Anz. 560
der Fatalist wird immer wie ein anderer Mensch wählen, wenn er gleich glaubt, daß in der ewgen Reihe der Dinge seine Wahl keine Wahl ist;
Niebuhr 1794 Br. I 42
Fatalist und Indifferentist;
Campe 1813 Fremdwb. 314
Fatalist, ein Freund oder Anhänger der Verhängnißlehre, ein Verhängnißlehrer oder Verhängnißgläubiger;
Szarvady 1852 Paris I 401
er ist abergläubisch, wie alle Fatalisten, und gewisse Tage, Wochen, Monate scheinen ihm unheilbringend;
Meißner 1855 Sansara III 37
Die Vorherbestimmung, die der Mohamedaner, der ausgebildetste Fatalist, Takdir nennt (SANDERS 1871);
Kehrein 1876 Fremdwb. 183
Fatalist, -listiker . . Anhänger des Fatalismus;
Hillebrand 1878 Profile 126
trug dem Historiker frühzeitig den Ruf des Fatalisten, dem Politiker den des Renegaten ein;
ebd. 151
Nun ist aber Thiers keineswegs Fatalist im gewöhnlichen Sinne des Wortes und weiß sehr wohl einem Jeden seine Verantwortlichkeit zuzuwälzen;
Halbe 1896 Lebenswende 56
dann war es nothwendig! Ich bin Fatalist. Ich baue auf meinen Stern;
Th. Mann 1922 Nachtr. (W. XIII 266)
Er ist Fatalist. Aber sein Fatalismus . . ist weit entfernt, tragisch-heroischen Charakter zu tragen, den dionysischen, in welchem Nietzsche den Gegensatz von Pessimismus und Optimismus aufhob;
Nora 1932 Am Färbergraben 51
Busch war Fatalist. Vorausbestimmt schien ihm der dunkle wie helle Streif, den man durchschritt;
Bauer 1942 Kraniche 182
Der Boden hat sie zu Fatalisten gemacht;
Kesten 1952 Casanova 97
Der Türke war ein Fatalist. Sie führten lange philosophische Gespräche;
taz 8. 12. 1988
Ich bin trotzdem weder Fatalist noch Pessimist. Was mich verblüfft, ist, daß die Menschen trotz all dieser Scheußlichkeiten, immer wieder weitermachen können;
MM 28. 9. 1989
Der Berwartstein . . Von . . Raubrittern und Rabauken . . Phantasten und Fatalisten besucht, bewohnt, besessen, begehrt, bekämpft;
taz 10. 1. 1995
Ruth Weiss wird Lebensgefährtin und später Angetraute von Weiss, einem manisch-depressiven Fatalisten;
Zürchicher Tagesanz. 13. 3. 2000
Das wuchtige Nein gibt . . wieder den Zynikern und den Fatalisten Auftrieb.
zu Fatalistiker (1)
Gervinus 1833 Histor. Schr. VI 687
Die Polemik Tiecks gegen diese Fatalistiker [Verfasser von Schicksalsdramen] (KEHREIN).
zu fatalistisch (22)
um 1800 (Lang, Memoiren II 14)
Auf den abscheulichen Straßen . . wurde unser . . Wagen regelmäßig alle Tage umgeworfen, so daß ich am Ende diesen fatalistischen Umsturz schon am Morgen mit Ungeduld erwartete;
Radowitz 1851 Neue Gespr. I 251
als die rationalistische Trinität der Tugend, Unsterblichkeit und Freiheit, oder als der bloße fatalistische Determinismus;
Niendorf 1854 Paris 219
Befragten wir . . zuweilen die Geomantie, so schlüpften jedesmal Figuren heraus eigenthümlich fatalistisch, keine alltäglichen Geschicke;
Holtei 1863 Letzte Komödiant II 295
Sie war geblendet und erlag der Energie seiner Persönlichkeit mit einer fatalistischen Ruhe;
Meißner 1865 Novellen II 114
Fatalistisch geht es manchmal in der Welt zu (KEHREIN);
1871 Preuß. Jahrb. XXVII 61
Es ist dasselbe Anschauen nach dem Vogelflug, derselbe fatalistische Glaube an die Wiederkehr des verlorenen Glückes;
Stieler 1885 Kulturbilder 203
erst mit den 60er Jahren, wo ganze Reihen in dem Gefüge der alten Ordnung zusammenbrachen, begann diese volle Neugestaltung der deutschen Verhältnisse mit einer Raschheit, mit einer Unabwendbarkeit, die etwas Fatalistisches an sich trug;
Homberger 1888 Selbstgespr. 161
fatalistische Weltanschauung;
Gilly 1896 Fesseln I 86
ein gewisser fatalistischer Gleichmut;
Th. Mann 1901 Buddenbrooks (W. I 204)
Ihr ausgeprägter Familiensinn entfremdete sie nahezu den Begriffen des freien Willens und der Selbstbestimmung und machte, daß sie mit einem beinahe fatalistischen Gleichmut ihre Eigenschaften feststellte;
Wassermann 1910 Masken 166
Sie war geblendet und erlag der Energie seiner Persönlichkeit mit einer fatalistischen Ruhe;
Bäumer 1928 Studien 25
Der beinahe fatalistische Glaube an sich selbst führt sie . . auf kühnere Wege;
Blei 1930 Männer 18
Die neuere Zeit neigt sich in ihrer Bestimmung des einzelnen zu einer fatalistischen Überschätzung dessen, was man den Einfluss des Milieus nennt;
Curtius 1930 Frz. Kultur 193
[um 1900 Fin de siècle in Frankreich] eine Weltuntergangsstimmung, eine fatalistische Resignation;
Höpker 1936 Rumänien 107
Nun kann man die sich bis zu lähmender Energielosigkeit steigernden Züge fatalistischer Passivität im Rumänentum keineswegs nur aus der Verwandtschaft mit der slawischen Seele erklären;
Münch. N. N. 7. 3. 1944
fatalistischen Äusserungen über die Unvermeidlichkeit eines Abgleitens Englands zum Juniorpartner der USA;
Molo 1950 Tag 13
wenn wir uns, aufs Edelste „fatalistisch“, ihren [der Seele] zarten, doch so sicheren Führerratschlägen . . beugen;
Welt 2. 3. 1964
dennoch dürfen wir uns nicht fatalistisch dem Unabwendbaren fügen, wir haben zu fragen und zu fordern;
ebd. 27. 6. 1974
nach der Euphorie der vergangenen Wochen sich mit eher fatalistischen Gefühlen vertraut zu machen;
taz 22. 6. 1988
Industrieexperten nahmen die Nachricht von der Stillegung des Kraftwerks dennoch mit fatalistischer Gelassenheit hin;
ebd. 5. 9. 1988
Die ortsansässigen Bürger seien schockiert, aber letztlich „fatalistisch eingestellt“;
Spiegel 15. 2. 1993
Wie schon letztes Jahr . . wirken die Abgewiesenen fatalistisch.
zu Fatalität (31)
Thomasius 1696 Ausübung d. Sittenlehre 337
daß mancher kluger Mensch . . durch eine außer denen Regeln der Menschlichen Vernunft schwebenden Fatalität gehindert werde sein Glücke zu machen;
Menantes 1709 Satir. Roman II 121
Es ist die Fatalität . ., dass sie zu nichts als Flederwischen zu gebrauchen, wenn sie ausgebrauchet sind;
Wächtler 1709 Manual 134
Es ist etwas fatales/ man verspüret daraus eine sonderliche Fatalität;
Sinold 1715 Schles. Kirchen-Hist. 217
Alleine die Fatalité der teutschen Affairen hatt ein solches beschlossen;
Durangel 1722 Wegweiser 2
daß gar nicht die Schuld dem klugen Ingenieur, sondern vielmehr . . dem Glück/ fatalité und andern unerforschlichen accidentiis beyzumessen;
Rohr 1729 Zeremoniellwiss. II 497
Manchmal lassen sie einander condoliren wegen der Blessuren oder anderer Fatalitäten;
Schnabel 1731 Felsenburg I 1
Ob denenjenigen Kindern, welche um die Zeit gebohren werden, da sich Sonnen- oder Mond-Finsternissen am Firmamemt praesentiren, mit Recht besondere Fatalitäten zu prognosticiren seyn?;
1734 Last am Rhein-Strom 90
Fatalitäten [durch den Krieg];
Philippi 1743 Reimschmiedekunst 122
wer den Zusammenhang seiner erlebten Fatalitäten nicht weiß, sich von ihm ein seltsam Portrait mache;
Baumgarten 1766 Religionspartheyen 29
So haben . . die neuern Molinisten unter den Jesuiten ihre Gegner . . des spinozistischen und atheistischen Irrthums von einer gänzlichen Fatalität . . beschuldigt;
Goethe 1784 Br. (WA IV 6,381)
Das Vertrauen des auswärtigen Publici wächst immer, indessen unser innländisches sich gutmütig mit Fatalitäten beschäftigt die uns zustoßen sollen;
Cogniaczo 1794 Geständn. II 176
so hiess es . . wir hätten in dem Kriege mit Preussen eine eigene Fatalität gehabt;
Schiller 1800 Wallensteins Lager (H. XV 21)
Leipziger Fatalität;
Niebuhr 1806 Br. I 366
Dieselbe Fatalität, wodurch das böse Prinzip ganze Nationen zugrunde gerichtet hat;
E. T. A. Hoffmann 1815–16 Elixiere (S. W. II 93)
Dieselben scheinen . . einige Fatalität mit dem fremden Maler zu haben;
Varnhagen v. Ense 1842 Tagebücher 48
eine eigenthümliche Fatalität im preussischen Staat herbeiführen;
Schopenhauer 1859 Welt (II 189)
ein Brüten über jene Fatalität, welche dennoch ihr [der Welt] Daseyn hervorrufen konnte;
Meissner 1866 Schwarzgelb 138
Obenan steht mir . . die Sorge, wie wir uns aus der Fatalität . . hinauswinden;
Derblich 1889 Militärarzt I 65
Fatalitäten;
Fontane 1898 Zwanzig 84
hatten ein seltenes Talent, solche Fatalitäten unter Lächeln und Freundlichkeiten verschwinden zu lassen;
Eckstein 1895 Hartwig 409
Ich werde doch um dieser Kleinigkeiten willen einen geachteten Mann nicht in Fatalitäten bringen;
E. W. Mayer 1917 Religion (Rektorrede Univ. Straßburg) 112
welch auffallende Rolle in der Literatur des modernen atheistischen Frankreichs . . der Begriff der . . fatalité, des unerbittlichen Schicksals spielt;
1928–29 ZfMenschenkunde IV 110
die Kathederphilosophie . . hat den westlichen Gegensatz zwischen Theorie und Praxis, zwischen Lehre und Leben . . als eine unüberbrückbare Fatalität hingenommen;
Friedell 1931 Kulturgesch. III 376
„Carmen“ . . Keine Senta-Sentimentalität! Sondern die Liebe als Fatum, als Fatalität;
Voss. Ztg. 20. 3. 1938
Shaw hat . . beim Reden gewisse Pflichten. Und die Fatalität dieser Pflichten wird ihm manchmal aufgehen, wenn er, statt brillant zu antworten, gar nichts sagen möchte;
Th. Mann 1940 Reden u. Aufs. (W. IX 633)
die unheimliche Fatalität und Zwangsläufigkeit von Anna’s Schicksal, wie es sich Schritt für Schritt bis zum schrecklichen Ende aus ihrem Affront gegen das Sittengesetz ergibt;
Süddtsch. Ztg. 24. 7. 1952
entbindet . . keine Fatalität von der Pflicht, der Würde des Menschen ihren Raum zu schaffen;
Offenburger Tagebl. 25. 3. 1966
Daß diese Spannung jedoch peinlich wurde . . war die Fatalität dieser Regieaufgabe;
Welt 30. 12. 1974
Eine Fatalität . . ist es, wenn Kulturanarchisten, in deren Vorstellungen die Dekadenz des bürgerlichen Snobismus wirksam ist, über die Sozialdemokratische Partei zu Einfluß kommen;
taz 13. 5. 1987
In diesem Film . . kommt alles, wie es kommen muß, und das ist fatal, denn es ist nicht Unausweichlichkeit, die Fatalität der Tragödien, sondern . . ideenlose, faule Voraussehbarkeit;
MM 21. 11. 2000
Nichts von selbstverschuldeter Schuldlosigkeit, von schicksalshafter Fatalität. Kein zwingend düsterer Sog ins unfassbar, unabwendbar Grauenhafte erschüttert den Zuschauer. IN
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