Nachhaltigkeit: Anspruch und Realität
Längst verfolgt Deutschland "top down" den Aspekt der nachhaltigen Beschaffung mittels zahlreicher Strategien, Fahrpläne, Maßnahmenprogramme und so weiter. So hat sich die Bundesregierung verbindliche Ziele gesetzt, um Nachhaltigkeitskriterien bei der Beschaffung einzuhalten. Das Vergaberecht bietet bei der Ausschreibung von Waren und Dienstleistungen den nötigen Spielraum für die Einbeziehung ökologischer und sozialer Nachhaltigkeitsaspekte. Es gilt, Gestaltungsmöglichkeiten einer strategischen Auftragsvergabe anzuwenden und direkt im Anschluss konsequent im operativen Tagesgeschäft des Einkaufes zum Einsatz zu bringen.
Die Städte Mainz und Ludwigsburg haben dieses Potenzial bereits vor Jahren erkannt und wirksam sowie erfolgreich für ihre jeweilige Stadtverwaltung umgesetzt. Voraussetzung hierfür war zunächst die konsequente Digitalisierung von Einkaufsprozessen über die jeweiligen Verwaltungsstrukturen hinweg. Auf Grund der webbasierenden Einkaufsdienstleistung der TEK-SERVICE AG war es für beide Städte mit minimalen technologischen Anforderungen (Internetzugang) sowie kurzen Projektzeiten von acht Wochen möglich, den "Switch", von analoger Beschaffung und dezentraler Ressourcenverwaltung zum elektronischen Einkauf und den damit einhergehenden Steuerungsmöglichkeiten herbeizuführen.
Zum Thema
Landeshauptstadt Mainz: nachhaltiger Einkauf im Rathaus
Die Landeshauptstadt Mainz hatte bereits Anfang 2000 Erfahrungen mit der eVergabe gesammelt. Es wurde schnell deutlich, dass nur der eEinkauf die hierfür erforderlichen Daten liefern konnte. Die digitale Verknüpfung von eEinkauf und eVergabe war damit "geboren".
"Wie hält es denn das Mainzer Rathaus mit der Nachhaltigkeit?" Die einfache Frage eines Schülers war der Impuls dafür, dass sich Mainzer Entscheider und Strategen ans Werk machten. Auf Basis der ohnehin aus dem eEinkauf vorliegenden Date, begann man mit der Sichtung beziehungsweise Qualifizierung von Sortimenten unter Aspekten der Nachhaltigkeit und sozialen Gerechtigkeit. Parallel zu den Mainzer Bemühungen wurde durch den Dienstleister TEK-SERVICE AG die Weiterentwicklung des technologischen Parts vorangetrieben. Damit hatten gleichzeitig auch alle anderen TEK-Kunden die Möglichkeit, den Aspekt der Nachhaltigkeit in ihre individuelle Einkaufsstrategie zu integrieren beziehungsweise im jeweiligen Einkaufsportal abzubilden, ein bemerkenswerter Skaleneffekt. Heute hat der Aspekt der Nachhaltigkeit seinen festen Platz in der Mainzer Einkaufsstrategie. Schritt für Schritt wandeln sich seither Sortimente zunehmend in nachhaltige Produktgruppen.
Stadt Ludwigsburg: Nachhaltigkeit im Einkauf durch "DIWA"
Die Stadt Ludwigsburg stellte ihren Mitarbeitern 2021 "DIWA", das digitale Warenhaus der Verwaltung, zur Verfügung. Damit gehörte die dezentrale, analoge Beschaffung mit einem Schlag der Vergangenheit an. "DIWA" sorgt seither für Daten, Steuerungsmöglichkeiten und Transparenz. Das ist nicht nur wirtschaftlich, sondern bietet die belastbare Grundlage, die "Nachhaltigkeitsstrategie" der Stadt Ludwigsburg fortzuschreiben.
Denn jeder Katalogartikel ist den Nachhaltigkeitsexperten der Stadtverwaltung bekannt. Der im Vergaberecht vorhandene Spielraum lässt die Einbeziehung ökologischer und sozialer Nachhaltigkeitsaspekte zu und wird im Rahmen der Ausschreibungen ausgeschöpft. Autorisierte Besteller der Stadtverwaltung Ludwigsburg greifen damit über "DIWA" auf verwaltungsweit gebündelte, ausgeschriebene und unter Aspekten der Nachhaltigkeit qualifizierte Rahmenverträge zu. Mitarbeiter bestellen, reklamieren, stellen Artikelanfragen und nutzen unterschiedliche Monitoring- und Steuerungsmodule.
Ulrich Hellenbrand, Stadt Mainz und Lars Keller, Stadt Ludwigsburg, haben über ihre Erfahrungen in Sachen nachhaltiger Einkauf im K21 Webinar im März 2023 berichtet:
https://www.gotostage.com/channel/7876e931a4c5482a8879b70781871cb8/recording/2f0b0f4d30b2415896939d0182b2e8a6/watch
"Technologie ist niemals fertig", so Monika Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzende der TEK-SERVICE AG. "Wir begleiten die Nachhaltigkeitsstrategieen unserer Kunden seit vielen Jahren. Die Anforderungen steigen stetig, die Anzahl unterschiedlicher Nachhaltigkeitslabels nimmt zu." Für Besteller ist es schwierig, individuelle Labels, oder deren Kombinationen einzuschätzen beziehungsweise zu bewerten. "Labels in unserem TEK-Einkaufsportal nur abzubilden, genügt längst nicht mehr. Daher haben wir uns für die Integration des ESG Score in unserem Einkaufsportal entschieden." Der ESG Score ermöglicht es Bestellern, auf einen Blick, kumuliert in einem Signet, die Nachhaltigkeit von Standardprodukten anhand von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien zu bewerten und zu vergleichen. "Es handelt sich dabei zunächst um ein von der TEK-SERVICE AG finanziertes Projekt, welches allen TEK-Kunden zugutekommt. Immerhin handelt es sich hierbei deutschlandweit um hunderte von Gemeinden, Städten, Kreisverwaltungen, oder das Land Berlin; auf die Praxiserfahrungen sind wir gespannt", resümiert Monika Schmidt abschließend.
