Wegen internationaler Krise: Italien bangt um seinen Tourismus
Enzo Lofaro betreibt eine Ferienwohnung nahe dem Kolosseum in Rom. Seine Gäste sind überwiegend nordamerikanische Familien, die die 150 Quadratmeter große Unterkunft mit zehn Betten für Aufenthalte von durchschnittlich vier bis sieben Tagen buchen. Das Geschäft in einer der begehrtesten Lagen der Hauptstadt läuft gut – doch angesichts der internationalen Krise blickt Lofaro mit Sorge in die Zukunft. „Wir befürchten Stornierungen, sollten die Spannungen weiter anhalten“, sagt er.
Mit dieser Unsicherheit steht er nicht allein da: Das gesamte Urlaubsland Italien bangt um seinen Tourismussektor. Branchenvertreter berichten von rückläufigen Buchungen und wachsender Zurückhaltung bei Reisenden. Besonders deutlich ist der Einbruch laut Reiseveranstaltern bei Gästen aus den Golfstaaten und aus Israel. Doch auch aus den USA häufen sich die Stornierungen. Rund 45 Prozent der auf ausländische Besucher spezialisierten Reisebüros melden einen vollständigen Einbruch aus diesen Märkten, weitere 32 Prozent berichten von anhaltenden Absagen für die Osterzeit.
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Allein für die Oster- und Frühjahrssaison beziffert der italienische Reiseverband Fiavet die Umsatzausfälle durch ausbleibende Buchungen auf mehr als 222 Millionen Euro. Insgesamt steht ein Volumen von rund 56 Milliarden Euro auf dem Spiel – so hoch sind die Ausgaben ausländischer Touristen in Italien nach aktuellen Daten der italienischen Zentralbank. Zusätzlich erschweren Einschränkungen im Luftverkehr und geänderte Flugrouten die Anreise nach Italien. Wegen gesperrter Lufträume müssen Fluggesellschaften auf längere Ausweichrouten zurückgreifen, wenn sich die Lage zuspitzt. Das verlängert die Reisezeiten deutlich und schreckt viele potenzielle Kunden ab. Für die kommenden Monate rechnet die Branche zudem mit steigenden Flugpreisen infolge höherer Ölpreise. Mehr als 60 Prozent der Reisebüros schließen nicht aus, dass bereits gebuchte Reisen nachträglich teurer werden könnten.
„Ich erinnere mich noch an die Zeit der Pandemie, als der Tourismus monatelang zum Erliegen kam. Ich hoffe, dass sich so etwas nicht wiederholt“, sagt der 63-jährige Lofaro. Ähnliche Sorgen hegen viele Italiener, die in den vergangenen Jahren mit Ferienwohnungen gute Geschäfte gemacht haben, ebenso wie Hotelbetreiber.
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Neben den wirtschaftlichen Folgen wächst auch die Sorge um die Sicherheit Italiens als Reiseziel. Der Sprecher der iranischen Streitkräfte, Abolfazl Shekarchi, erklärte, Ausflugsziele, Erholungsgebiete und touristische Zentren weltweit seien nicht mehr sicher. Nach Angaben der den Revolutionsgarden nahestehenden Nachrichtenagentur Tasnim drohte er politischen und militärischen Gegnern mit weltweiter Verfolgung und warnte, fundamentalistische Terrorzellen seien auch in Europa präsent und könnten gezielt touristische Orte angreifen.
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Italiens Vize-Regierungschef und Außenminister Antonio Tajani rief dennoch zur Besonnenheit auf. Die Drohungen aus Teheran seien „sehr vage“, dürften jedoch trotzdem nicht unterschätzt werden. Seit Beginn des Konflikts hätten Polizei und Geheimdienste ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt und die Kontrollen ausgeweitet. „Im Moment sehe ich keine unmittelbaren Risiken für unser Land“, sagte Tajani. Alle Maßnahmen zielten darauf ab, sowohl die italienische Bevölkerung als auch ausländische Touristen bestmöglich zu schützen.
Nicht alle Experten beurteilen die Lage jedoch pessimistisch. Einige Branchenkenner verweisen darauf, dass Reisende angesichts der Unsicherheit Ziele im östlichen Mittelmeerraum meiden und stattdessen auf als sicher geltende Länder in Westeuropa – darunter Italien – ausweichen könnten. Zudem dürfte die angespannte internationale Lage viele Italiener dazu bewegen, auf Auslandsreisen zu verzichten und ihren Urlaub im eigenen Land zu verbringen. Davon könnte der Inlandstourismus spürbar profitieren.
