Chrupalla provoziert, Miosga kontert: „Das ist Kreml-Propaganda“
„Ist Donald Trump ein Vorbild für Deutschland?“, fragt Caren Miosga am Sonntagabend in ihrer Talkshow den AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla – und steigt damit direkt ein, in eine hitzige Diskussion. Es ist der Auftakt zu einem Gespräch, das zeigen soll, wie die AfD außen-, sicherheits- und wirtschaftspolitisch denkt – und wie belastbar diese Positionen sind, wenn sie konkret hinterfragt werden.
Trump als Vorbild? Chrupallas ambivalente Antwort
Es geht also um Trump. Chrupalla reagiert mit Sympathie für den US-Präsidenten, betont aber zugleich, Enttäuschungen nicht verschweigen zu wollen. Er habe sich über Trumps Wahlsieg gefreut, räumt jedoch Einschränkungen ein, etwa bei Steuer- und Militärpolitik. Trumps Rolle im Ukraine-Krieg bewertet er positiv: „Wir sind auf einem Weg in Richtung Frieden.“
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Miosga konfrontiert Chrupalla mit den Vorstrafen des US-Präsidenten. „Wenn einer – wie Donald Trump – vorbestraft ist, hat der eine Chance bei Ihnen?“ Chrupalla weicht aus – Trump sei ja Amerikaner und mit Mehrheit gewählt. Aber er ringt sich schließlich durch: „Kommt immer darauf an, mit was er vorbestraft ist.“ Dass Trump als erster US-Präsident strafrechtlich verurteilt wurde, und zivilrechtlich wegen sexuellen Missbrauchs, ordnet Chrupalla nicht weiter ein.
Als Miosga tödliche Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE anspricht, entgegnet Chrupalla, solche Vorfälle habe es auch vor Trump gegeben. Zwar sagt er, solche Bilder wolle man in Deutschland nicht – schließt aber nicht aus, Elemente eines vergleichbaren Apparats in bestehende Bundesstrukturen zu integrieren.
Russland, Nato und Ukraine: Wenn Einordnung verloren geht
Deutlich zugespitzt wird das Gespräch bei Russland und der Nato. „Ich sehe nicht, dass Deutschland von Russland bedroht wird“, sagt Chrupalla. Miosga hält dagegen, zeigt Putins Atomdrohungen und stellt klar: „Putin führt einen rechtswidrigen Krieg in der Ukraine.“ Chrupalla verweist auf Ursachen des Krieges, spricht von der Nato-Osterweiterung, die Russland provoziert habe. „Das ist Kreml-Propaganda“, entgegnet Miosga. Chrupalla reagiert erzürnt, beide reden zeitweise gleichzeitig – inhaltliche Einordnung geht verloren.
Miosga versucht im Verlauf mehrfach, Chrupalla festzulegen – stößt dabei jedoch an Grenzen. Er antwortet ausweichend, verschiebt Ebenen, erhöht die Lautstärke. Ihre Kritik bleibt nachvollziehbar, verliert aber dort an Schärfe, wo Kontext nur angerissen werden kann. Seine Strategie: Wer lauter spricht, wird besser gehört.
Björn Höcke mit SA-Parolen im Landtag: AfD-Chef fordert Recht auf freie Rede
Das zeigt sich besonders beim Thema Rechtsstaat. Miosga verweist auf mehrere Fälle aus der AfD: Ermittlungen wegen möglicher Sanktionsverstöße, Prüfungen zu Wahlkampfmaterial mit nationalsozialistischer Symbolik sowie erneute Ermittlungsüberlegungen gegen Thüringens AfD-Chef Björn Höcke, der im Landtag eine SA-Parole verwendete, für die er bereits verurteilt worden war. Chrupalla reagiert defensiv. „Man muss die Ermittlungen abwarten“, sagt er. Mit Blick auf Höcke betont er zugleich, dass die freie Rede geschützt bleiben müsse.
Auch bei den Vorwürfen der Vetternwirtschaft in Sachsen-Anhalt dringt Miosga nur begrenzt durch. Sie fragt: „Können Sie garantieren, dass das keine Scheinbeschäftigungen sind?“ Chrupalla bleibt im Ungefähren, spricht von „rechtskräftig“ und „nicht beanstandet“. Ohne vertiefenden Kontext wirkt seine Verteidigung schlüssig – für weniger informierte Zuschauer sogar souverän. Erst als ihr Kollege Michael Bröcker, Table.Briefings-Chefredakteur, hinzukommt, gewinnt das Gespräch Kontur. Er widerspricht scharf und nennt das AfD-Programm „wie Herrn Turtur – je näher man kommt, desto mickriger wird es“.
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Chrupalla empört über „Monsterbürokratie Brüssel“ und „abtrainierte Heimatliebe“
Die Ökonomin Veronika Grimm bringt mit wirtschaftspolitischer Nüchternheit Ruhe ins Studio. Sie betont die Bedeutung Europas, argumentiert für offene Märkte und Rechtssicherheit. Neben ihr wirken Chrupallas Klagen über „Monsterbürokratie Brüssel“ und „abtrainierte Heimatliebe“ vertraut – ein bekanntes Narrativ vom bedrohten Deutschland, rhetorisch routiniert, analytisch dünn.
„Caren Miosga“ zeigt an diesem Abend, wie schwierig ernsthafte politische Diskussionen werden, wenn Lautstärke über Argumente dominiert. Man erfährt weniger, was die Partei eigentlich vorhat – als vielmehr, wie oft Aussagen offen bleiben, wenn sie präzisiert werden sollten.
