Wie geht‘s weiter im „Grünen Salon“? – Viele Hilfsangebote
Als der „Grüne Salon“ auf dem Nordmarkt vor einem Monat schließen musste, war der Aufschrei riesig. Wegen eines alten Wasserschadens machte die Stadt das kleine Café dicht – per Schließungsanordnung, von Donnerstag auf Montag. Sehr spontan also. Inzwischen steht fest: Die Stadt, der das kleine Häuschen gehört, muss eine sechststellige Summe in die Sanierung stecken. Die undichten Abwasserleitungen unter der Bodenplatte müssen raus, der Boden komplett neu, die Wände werden saniert, alle Leitungen ausgetauscht. Ein halbes Jahr soll es dauern. Ende August will die Stadt den „Grünen Salon“ wieder übergeben.
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Die Solidarität nach der Schließung sei enorm gewesen, erzählt Chefin Milena Rethmann. „Wir kriegen immer noch Angebote, das tut wirklich gut. Auch wenn es nicht immer konkret nicht hilft, hilft uns das im Herzen sehr. Diese Bereitschaft, sofort zu unterstützen – sehr krass!“ Nicht nur Transporter, Warenabnahme, Imbisswagen, Handwerker, Lagerflächen, Rechtshilfe oder kleine Kredite waren dabei – auch ganze Gastroleerstände. Sogar Fackeln und Mistgabeln für einen Spaziergang zum Rathaus, Umarmungen und ein Glücksbringer vom Schornsteinfeger wurden angeboten – und ein Besäufnis. „Es geht gar nicht um Geld. Das sind einfach tolle Gesten. Das macht Mut.“
Schließung von heute auf morgen
Rückblick: Als Milena Rethmann vor einem Monaten den Brief von der Stadt öffnete, verstand sie die Welt nicht mehr. Seit neun Jahren hat sie den Pavillon gemietet – neun Jahre lang haben sie und ihr 17-köpfiges Team ein gastronomisches Refugium inmitten des Nordstadt-Trubels aufgebaut. Sie machte der Stadtverwaltung schwere Vorwürfe: Warum hatte man sie nicht vorgewarnt? Der Wasserschaden sei seit einem Jahr bekannt gewesen. Eine Sanierung habe zwar immer im Raum gestanden. Aber eine Schließung von heute auf morgen? Rethmann konnte nicht vorplanen, nur reagieren. Das Café-Aus kam aus dem Nichts.
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In den Tagen danach kroch die Stadt zu Kreuze. Die Kommunikation sei nicht ideal gelaufen, sagte Kämmerer Jörg Stüdemann, entschuldigte sich öffentlich und bot Rethmann Unterstützung in Form eines mobilen Ausweichquartiers an. Während der Sanierung solle der Betrieb mit einem Container oder Foodtruck weiterlaufen. Aber das sei keine Lösung, meinte Gastronomin Rethmann sofort. Mit einem „Pommeswagen“ könne man keine 17 Stellen retten.
„Habe das Gefühl, dass es endlich ernst genommen wird“
Aber das wolle sie unbedingt. Immer noch. Rethmann, die auch das „Stachelschwein“ und den „Umschlagplatz“ betreibt, will niemanden entlassen. Zwei Minijobber hätten zum Glück ohnehin den Job gewechselt, zwei Teilzeitler seien jetzt lange auf Reisen. Andere arbeiten zumindest stundenweise im Umschlagplatz oder beim Catering mit. „Aber ich kann nicht ein halbes Jahr lang alle Leute unterbringen. Das reicht einfach nicht“, sagt Rethmann.
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Deshalb hofft Milena Rethmann jetzt auf Versicherungszahlungen, mit denen sie zumindest eine zeitlang überbrücken kann. Auch auf Schadensersatz von der Stadt hofft sie weiter. „Es läuft, aber sicher ist noch nichts. Ich habe aber den Eindruck, dass stadtintern was passiert. Sie versuchen das wieder hinzukriegen, glaube ich. Ich habe das Gefühl, dass es endlich ernst genommen wird.“
„Lost place – found wine“ in Laden-Leerstand
Aber Milena Rethmann ist und bleibt voller Tatendrang. Sie gibt nicht einfach auf. Wie auch – der Betrieb im Stachelschwein und am Hafen läuft ja weiter. Es gibt sogar eine neue Aktion: „Lost place – found wine“. In einem leerstehenden Ladenlokal an der Bornstraße 111 gibt‘s einen Abend lang beste Weine im Tasting. Für 39 Euro gibt es am Einlass ein Glas und kann drei Stunden Weine von Hilgering, Cabernet & Co. und dem Stachelschwein probieren. Danach geht es bis in die Nacht auf dem Dancefloor weiter.
- Lost place – found wine, Freitag, 20. März, Bornstraße 111, 39 Euro
