Zahlreiche Absagen an Velberts neuer Gesamtschule: Eltern sind „wirklich sauer“
Wer einen Platz an der weiterführenden Schule seiner Wahl ergattert hat, kann aufatmen. Für alle anderen Velberter, die eine Ablehnung erhalten haben, die gerade bei der Gesamtschule Waldschlösschen viele Familien erreichte, beginnt eine Zeit der Ratlosigkeit, Verzweiflung, Wut und Unverständnis. Vor allem aber empfinden Velberter Familien, die an der Schule abgelehnt wurden, Ungerechtigkeit. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nachdem diese Zeitung über den Fall einer fünfköpfigen Velberter Familie berichtete, für die die Ablehnung fast bedeutet hätte, dass die Kinder künftig fünf unterschiedliche Schulen in Velbert und Wuppertal besuchen müssen, gab es viele Reaktionen auf den Artikel bei Facebook.
Janina Wettig hat auch eine negative Erfahrung gemacht. Sie schreibt: „Haben wir gleich doppelt erlebt. Zwei Jahre hintereinander für unsere Töchter nicht die Schule bekommen die fußläufig wäre. Eins meiner Kinder hat es dann wenigstens auf die nächste Realschule geschafft, so dass sie mit einem Bus 20 Minuten zur Schule braucht, aber die andere muss in die nächste Stadt fahren mit Umsteigen und muss schon um 7 Uhr losgehen, um pünktlich anzukommen. Es ist ein Riesen-Mist, dass es nicht mehr nach dem Wohnort geht. Besonders so lange wie sie manchmal Schule haben und dann noch viel später zu Hause sind.“
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Ähnlich ging es Anika Greco: „Wir mussten auch beide Kinder auf eine andere Schule schicken, weil das Los sie nicht gezogen hat… da frag ich mich was das soll. Es gehen kaum Kinder aus Neviges auf die neue Schule in Neviges, obwohl alle ortsnah wohnen und könnten zu Fuß hin. Es ist eine Frechheit, dass jetzt die Kinder vor 7 Uhr mit dem Bus fahren müssen, um pünktlich um 8 Uhr in der Schule zu sein.“
Glück hatte der Sohn von Cora van Dyk, doch sie bangte bis zum Schluss: „Wir waren auch fassungslos bei der Anmeldung am Gymnasium, welches fünf Minuten von uns weg ist, als uns gesagt wurde: Wohnortsnähe spielt keine Rolle mehr. Auch ob das Kind überhaupt eine Empfehlung für die Schulform hat, ist völlig irrelevant. Hat ein Essener Kind eine Empfehlung für die Hauptschule, hat es die gleichen Chancen auf einen Schulplatz wie ein Kind aus der Nachbarschaft mit gymnasialer Empfehlung. Wir haben zum Glück eine Zusage bekommen. Trotzdem hat mein Sohn echt um den Platz gebangt und wir hätten bei einer Absage nicht gewusst, was unser Plan B gewesen wäre.“
Eltern kämpfen nach Absage um Schulplatz für ihre Kinder
Auch das Kind von Tanja Stramput hat eine Absage erhalten, sie berichtet: „Wir sind auch betroffen. Die Absage hat meinen Sohn sehr traurig gemacht. Nach der Absage ging der Kampf um Restplätze los. Man musste sämtliche Schulen abtelefonieren, damit einem gesagt wird, dass sie entweder schon voll sind bzw. man auch dort nicht allen Nachrücker-Kindern einen Platz garantieren kann. Man könne ja auch auf Nachbarstädte wie Wülfrath und Wuppertal ausweichen. Sorry - ich zahle in Velbert Steuern, wohne hier - und mein Kind kann in Velbert nicht gemäß seiner Qualifikation (eingeschränkte gymnasiale Empfehlung) beschult werden? Wo leben wir denn? Uns wurde sogar die Hauptschule als Alternative angeboten, falls es keinen Platz mehr woanders gibt. Wir haben selbstverständlich Widerspruch eingelegt, zudem Bezirksregierung und Schulamt, sogar unseren Bürgermeister angeschrieben … keine Rückmeldung - lediglich eine Eingangsbestätigung der ablehnenden Schule, dass Widerspruch eingegangen ist. Ich bin wirklich sauer!“
Von der anderen Perspektive betrachtet es Nutzerin Mela Nie. Sie wohnt nämlich knapp an der Grenze zu Langenberg und schreibt: „Die Gesamtschule Velbert Mitte hat die Auflage, keine Kinder aus Nachbarstädten zu nehmen. Zuerst werden Velberter Kinder aufgenommen. Ich persönlich würde meine Kinder nicht an der nächstbesten Schule anmelden, sondern mir alle Schulen ansehen und dann entscheiden, mit meinem Kind zusammen. Ich habe gerade das Problem, dass wir genau auf der Grenze zu Langenberg wohnen, mein Jüngster bis zu seiner „Pflichtschule“ mit Bussen über eine Stunde braucht und nach Velbert oder Essen 20 Minuten.“
Nevigeser Kinder trotz kurzer Schulwege abgelehnt
Claudia Farchers Kind ist ebenfalls davon betroffen, dass das Los entschieden hat und es somit eine Absage gab, sie richtete sich mit einem Leserbrief an diese Zeitung: „Die Gesamtschule Waldschlösschen in Neviges hat zum Schuljahr 2025 51 Kinder von auswärts aufgenommen. (...) Für das Schuljahr 2026/2027 ist es so, dass Kinder aus Neviges die einen Fußweg von 10 Minuten haben abgelehnt werden und stattdessen mehr Schulbusse für auswärtige Kinder eingesetzt werden. Das ist erstens sehr Umweltfeindlich und meiner Meinung nach unsozial für die Nevigeser Kinder! Auch wenn es zu wenig Plätze gibt, müssen Kinder aus der näheren Umgebung an dieser Schule aufgenommen werden, stattdessen müssen diese Kinder jetzt 50 Minuten mit dem Bus fahren. Nun kommt noch hinzu, das die Absagen im digitalen Zeitalter per Post verschickt wurden und die Anmeldungen anderer Schulen bereits vorbei sind.“
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Derweil habe sie sogar herausgefunden, „dass aus der Klasse meines Neffen drei Kinder abgelehnt wurden. Wenn man das auf die sechs Klassen in Neviges hochrechnet, sind wir hier bei ca. 18 Schülern aus Neviges. Mein Neffe hätte einen Schulweg von 0,6 km Luftlinie gehabt. (10 Minuten Fußweg). Da es die einzige Schule in Neviges ist, hätten die Kinder aus Neviges bevorzugt werden müssen! Aber hier werden sogar Kinder aus Velbert, Wülfrath und Wuppertal angenommen. Komisch, dass in anderen Städten Kinder aus der eigenen Stadt bevorzugt werden.“ Auch sie hat „bereits an den Bürgermeister eine Mail geschrieben und an die Beschwerdestelle der Stadt Velbert, aber natürlich kommt hier keine Antwort.“
Auch wenn Toni Reyes Cortes die Ablehnung an der Gesamtschule am Waldschlösschen bereits für das vergangene Schuljahr erhielt, ist sein Unmut immer noch groß, so erklärt er: „Letztes Jahr pur erlebt. Mein Sohn muss jetzt morgens im 7 im Bus sitzen obwohl vor der Haustüre eine Schule steht. Wahnsinn, wer sich solch einen Hirnschrott ausgedacht hat. Note? Egal! Empfehlung?Egal! Einzugsgebiet? Völlig egal! Mich wundert nichts mehr. Alles, was passiert, ist die Konsequenz verblödeter Entscheidungen auf politischer Ebene etc.“
