Die neuen Kämpfe in Syrien sollten Europa alarmieren
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Syrien ist auch drei Monate nach dem Sturz des Langzeitdiktators Baschar al-Assad kein sicheres Land. Der grausame Gewaltexzess an der alawitischen Minderheit in den Küstenregionen zeigt, wie instabil die Situation ist. Das Land kann jeden Moment in einen neuen Bürgerkrieg abgleiten.
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Was in den Regionen Latakia, Tartus und Hama geschehen ist, macht deutlich, dass Übergangspräsident Ahmad al-Schaara weder seine eigenen islamistischen Kämpfer, noch die Sicherheitslage im Griff hat oder gar das gesamte Land kontrolliert. Im Norden führen mit der Türkei verbündete islamistische Milizen einen Krieg gegen die kurdisch dominierte Selbstverwaltung, im Süden haben die Drusen das Sagen, an der strategisch wichtigen Küste im Westen organisieren sich Alawiten, um gegen Damaskus zu rebellieren.
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Die Wirtschaftslage hat sich seit dem Sturz Assads deutlich verschlechtert, die Brotpreise sind explodiert. Die Furcht insbesondere unter den Minderheiten wächst, dass sie keinen Platz im neuen Syrien haben und aus den politischen Prozessen ausgeschlossen werden.
Zudem zerren ausländische Kräfte an Syrien. Die Türkei und Katar unterstützen die islamistische Übergangsregierung im Tausch gegen einen immer größer werdenden Einfluss. Der Iran versucht, wieder Boden zu gewinnen und die zerbröselte schiitische „Achse des Widerstands“ gegen Israel zu restaurieren, und Israel geriert sich als Schutzmacht der Alawiten und Drusen, um Militäroperationen im Süden und Südwesten zu legitimieren. Es ist eine Entwicklung, die auch Europa alarmieren sollte. Schon aus Eigenutz: Eskaliert die Lage in dem kriegswunden Land erneut, sind neue Flüchtlingsbewegungen zu erwarten.
