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⇱ Assad in Russland: Syriens Ex-Diktator als Augenarzt der Elite?


Funke Mediengruppe
Freund der Familie berichtet

Ex-Diktator Assad: Augenarzt aus Leidenschaft für Russlands Mächtige?

Moskau. Eine Recherche gibt Einblicke in das Leben von Assad im russischen Exil. Hier will der mutmaßliche Massenmörder ein ruhiges Leben führen.
Von Oskar Schulz
Noch vor seiner Flucht trifft der damalige syrische Präsident Baschar al-Assad den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. Heute soll Assad unter strenger Bewachung in Russland leben. © DPA Images | Valery Sharifulin

Seitdem der Ex-Diktator Baschar al-Assad im Dezember 2024 nach Russland geflohen ist, kommen immer wieder neue Details zu seinem Terror-Regime in Syrien ans Licht. Zehntausende Menschen sollen in Assads Kerker-System gefoltert und ermordet worden sein. Während immer noch viele Familien nach den Spuren ihrer vermissten Angehörigen suchen, lebt der ehemalige Machthaber unter Wladimir Putins schützender Hand im Luxus, wie der britische „Guardian“ berichtet. Assad lebe in Moskau in seinem goldenen Käfig ein vergleichsweise „normales“ Leben – unter ständiger Beobachtung des russischen Geheimdienstes.

Die Recherche der Zeitung zum neuen Leben Assads stützt sich vor allem auf einen Freund der Familie sowie auf Quellen aus Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), wo sich Assad mit seiner Familie häufig aufhält. Demnach wohnen die Assads in Moskau in der abgeschotteten Wohngegend Rubljowka, die vor allem der Elite der russischen Hauptstadt vorbehalten ist. Berichten zufolge lebt der 2014 aus der Ukraine geflohene Ex-Präsident Viktor Janukowitsch ebenfalls in der Villengegend am westlichen Stadtrand Moskaus.

Baschar al-Assad: Wird er der Augenarzt von Moskaus High Society?

Assad, der in London vor seiner Machtübernahme Augenheilkunde studierte, soll außerdem wieder Kurse als Augenarzt nehmen. „Er lernt Russisch und frischt seine Kenntnisse in Augenheilkunde wieder auf“, zitiert der „Guardian“ einen nicht näher benannten Freund der Assad-Familie, der über die Flucht hinaus in Kontakt mit ihr geblieben ist. Das Geld brauche Assad nicht, er tue das aus Leidenschaft, berichtet der Freund. Er vermutet, dass Assad die Elite von Moskau als Kunden für sich gewinnen wolle.

Laut dem Freund lebe der ehemalige Herrscher über 22 Millionen Syrer ein ruhiges Leben. „Er hat kaum oder gar keinen Kontakt zur Außenwelt. Er steht nur mit ein paar wenigen Personen in Kontakt, die sich in seinem Palast aufhielten“, zitiert ihn der „Guardian“. Einer anderen russischen Quelle zufolge sei Assad irrelevant für Putin, der nur wenig Geduld für Anführer habe, die ihre Macht verlieren.

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Russland: Assads Tochter studierte „Internationale Beziehungen“ in Moskau

Auch Assads Kinder würden ein verhältnismäßig normales Leben in Moskau führen. Bei der Abschlussfeier von Tochter Zein al-Assad in Moskau seien mehrere Familienmitglieder, wenn auch nicht Baschar al-Assad selbst, gesehen worden. Zein habe an der Elite-Universität MGIMO ein Studium der Internationalen Beziehung abgeschlossen. Ein Foto der Universität zeigt sie zusammen mit anderen Studierenden.

Baschar al-Assad läuft mit seiner Familie im Jahr 2022 durch die nordsyrische Stadt Aleppo. An seiner linken Seite Tochter Zein, rechts von ihm Ehefrau Asma, sowie seine Söhne Hafez und Karim (r.). © AFP | -

Sohn Hafez al-Assad, der lange als Nachfolger seines Vaters Baschar gehandelt wurde, ist dagegen weitestgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden. Zuletzt postete er im Februar ein Video, in dem er die Flucht der Assad-Familie aus seiner Sicht darstellte.

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Ende November und Anfang Dezember 2024 brach in Syrien eine überraschend dramatische Phase des Bürgerkriegs an, als eine Koalition bewaffneter Oppositionsgruppen innerhalb weniger Tage zentrale Städte wie Aleppo, Hama, Homs und schließlich Damaskus einnahm. Am 8. Dezember 2024 fiel die Hauptstadt und damit de facto das Regime von Bashar al-Assad, der in den frühen Morgenstunden mit russischer Hilfe aus Syrien floh.

Nach Informationen des „Guardian“ traf Assad, als die Rebellen in die Stadt eindrangen, einen russischen Militärkonvoi, der ihn zum russischen Militärflugplatz Hmeimim brachte. Der erweiterte Familienkreis sowie dem Diktator nahestehende Vertreter des Regimes seien in den letzten Tagen nicht von Assad vor einem bevorstehenden Zusammenbruch gewarnt worden, wie ein Familienfreund gegenüber der britischen Zeitung berichtet.

Asma al-Assads Zustand soll stabil sein: Will Syriens Ex-Diktator nun Interviews geben?

Sogar seinen eigenen Bruder, Maher al-Assad, ließ Baschar al-Assad über seine Fluchtpläne und die Lage im Unklaren. „Maher hatte Baschar tagelang angerufen, aber er ging nicht ran. Er blieb bis zur letzten Sekunde im Palast; Rebellen fanden seine Shisha-Kohle noch warm vor. Es war Maher, nicht Baschar, der anderen zur Flucht verhalf. Baschar kümmerte sich nur um sich selbst“, wird ein Freund des Bruder zitiert.

Direkt nach der Flucht habe sich Assad vor allem um die Behandlung seiner krebskranken Frau Asma al-Assad gekümmert. Seit deren Gesundheit stabil sei, würde sich Assad auf Interviews mit russischen Medien und einem amerikanischen Podcaster vorbereiten – wofür er allerdings noch die Zustimmung des russischen Geheimdienstes braucht.


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