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⇱ Donald Trump: Zölle, Deals und eine Entführung – so hat er die Welt verändert


Funke Mediengruppe
Ein Jahr im Amt

Zölle, Deals und eine Entführung: So hat Donald Trump die Welt verändert

Washington. Ob Grönland, Ukraine oder Venezuela: Donald Trump will die wirtschaftlichen Interessen der USA durchboxen. Völkerrecht war gestern.
Von Michael Backfisch, Freier Journalist
Grönland: Trump verschärft Streit mit Sonderzöllen – EU besorgt

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An diesem Dienstag ist US-Präsident Donald Trump ein Jahr im Amt. Bereits heute hat er die Welt verändert wie keiner seiner Vorgänger. Ein Überblick über die wichtigsten Felder.

Amerikas neuer Kompass: Weg von Abkommen – hin zum Recht des Stärkeren

Seit ihrem Einritt in den Ersten Weltkrieg 1917 definierten sich die USA als weltweite Ordnungsmacht und Bannerträger westlicher Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und freie Märkte. An dieser grundsätzlichen Ausrichtung änderten auch historische Ausreißer wie Vietnam-Krieg oder Irak-Invasion nichts. Unter Präsident Donald Trump vollzogen die Vereinigten Staaten eine Zeitenwende. Abkommen, Verträge und Allianzen braucht Amerika nicht mehr. Für Trump ist die Weltpolitik ein Dschungel, in dem das Recht des Stärkeren gilt. Der wirtschaftliche Vorteil mit der Kampfvokabel „America First“ ist der neue Leitstern der US-Außenpolitik. Verbündete zählen nur, solange sie eigenen Interessen dienen.

Podcast-Folge
Grönland, Trump und die AfD
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast

Grönland: Annexion – koste es, was es wolle

Trump will Grönland kaufen oder notfalls mit Gewalt annektieren. Die rohstoffreiche Insel in der geostrategisch wichtigen Lage sei für die „nationale Sicherheit“ Amerikas unabdingbar, argumentiert der US-Präsident. Grönland ist weitgehend autonom und gehört zu Dänemark. Trump erhöhte den Druck, indem er Strafzölle gegen acht europäische Länder androhte, die seine Kaufpläne ablehnen – darunter Deutschland.

Ein Instrument der ökonomischen Erpressung, um territoriale Zugeständnisse zu erzwingen. Man kann es Kolonialismus 2.0 nennen. Die Europäer hatten zuvor vergeblich angeboten, die Insel künftig gemeinsam mit den Amerikanern gegen mögliche Begehrlichkeiten Russlands und Chinas abzusichern. Bleibt der Präsident stur, könnte es zu einem historisch einmaligen Showdown kommen: Das Nato-Mitglied Amerika attackiert das Nato-Mitglied Dänemark. Oder die USA traktieren die europäischen Nato-Länder so lange mit der Zollkeule, bis diese kapitulieren. Die Schutzmacht würde zum Angreifer.

Demonstration in Nuuk: Grönländerinnen und Grönländer machten am Wochenende deutlich, dass ihre Insel nicht zum Verkauf steht. © Getty Images | Sean Gallup

News aus den USA

Nato: Die Existenz der Militärallianz steht auf dem Spiel

Schon im Wahlkampf 2017 machte Trump aus seiner Verachtung für die Nato keinen Hehl. Er kokettierte sogar mit dem Austritt aus der westlichen Allianz. Trumps permanenter Druck hat die Nato allerdings diszipliniert: Die Mitgliedsländer verpflichteten sich auf dem Gipfel im vergangenen Juni, bis 2035 fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für die Verteidigung auszugeben. Trump baut immer wieder Drohkulissen auf, weil er weiß, dass Europa ohne den amerikanischen Schutzschirm gegenüber den imperialen Ambitionen des russischen Präsidenten Wladimir Putin schwach ist. Eine Einverleibung Grönlands durch die USA dürfte de facto das Ende der Nato bedeuten. Die neue Wirklichkeit ist: Europa wird im Osten durch Putin und im Westen durch Trump bedroht.

Donald Trump beim Nato-Treffen im Juni des vergangenen Jahres: Aus seiner Verachtung für das Militärbündnis macht der US-Präsident keinen Hehl. © AFP | Nicolas Tucat

Ukraine-Krieg: Ein Deal mit Putin überragt alles andere

Unter Präsident Joe Biden waren die USA der größte Waffenlieferant für die angegriffene Ukraine. Nach Trumps Amtsantritt wurde die Militärhilfe gekappt. Der Präsident drängte zunächst auf eine schnelle Waffenruhe. Dann setzte er den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj massiv unter Druck, territoriale Zugeständnisse an Russland zu machen. Er umwarb den Aggressor Putin immer wieder, bezeichnete dessen Griff nach dem Donbass als legitim und kritisierte Selenskyj als Hindernis für den Frieden. Der US-Präsident hat offenbar eine tiefe Affinität zum autokratischen Regierungsstil des Kremlchefs. Ein Deal mit der Öl- und Gasgroßmacht Russland hat für ihn höchste Priorität. Die US-Außenpolitik fühlt sich nicht mehr dem von den Europäern hochgehaltenen Völkerrecht verpflichtet. Es geht um die Durchsetzung nationalegoistischer Wirtschaftsinteressen.

Im Februar 2025 kam es im Weißen Haus zu einem Disput zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (l.) und dem US-Präsidenten (r.). © AFP | SAUL LOEB

Zölle: Erpressung wird zum politischen Machtmittel

Als Trump Anfang April 2025 Zölle gegen Freund und Feind auf der ganzen Welt einführte, lieferte er eine rein wirtschaftliche Begründung: Er wolle damit das Handelsbilanzdefizit der USA mit vielen Ländern beseitigen. Doch später benutzte er die Zollwaffe zur Durchsetzung politischer Ziele. Im Juli verhängte er Abgaben auf Importe aus Brasilien, um die Freilassung des zu einer Gefängnisstrafe verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro zu erreichen.

Die neueste Zollkeule zum Kauf von Grönland beweist: Wirtschaftliche Erpressung betrachtet Trump als rechtmäßiges politisches Machtmittel. Wer einknickt, lädt zur Wiederholung ein. Widerstand zahlt sich gelegentlich aus. China nahm Trumps Zolldrohung über 145 Prozent vom Oktober kühl zur Kenntnis, wedelte mit Exportbeschränkungen für kritische Rohstoffe wie seltene Erden und errichtete seine eigene Zollkeule. Daraufhin nahm Trump zwei Drittel seiner Forderungen zurück. Auch Brasiliens Staatschef Lula da Silva gab sich unbeugsam: Bolsonaro blieb in Haft, und Trump kippte die Zölle.

Auch interessant

Nahost: Militärschlag im Iran – Diplomatie-Offensive in Gaza

Seine Ankündigung aus dem Wahlkampf, Amerikas „endlose Kriege zu beenden“, hat Trump nicht eingelöst. Im Iran sind für ihn gezielte Militärschläge Teil seines Instrumentenkastens. Während des Zwölf-Tage-Kriegs im Juni 2025 unterstützten die USA Israel bei der Bombardierung von iranischen Atomanlagen. Trump will dem Mullah-Regime die Option auf Kernwaffen unter allen Umständen verwehren. Sollte der Iran die Urananreicherung wieder aufnehmen, sind weitere Militäraktionen Amerikas zu erwarten. Neuerdings spielt der US-Präsident wieder mit der Idee eines „Regime-Change“ in Teheran. Ein riskanter Schritt, der zu Chaos und Bürgerkrieg im Iran und zu einer Eskalation in der für die Weltwirtschaft wichtigen Ölregion Nahost führen kann.

Im Gaza-Krieg hat Trump immerhin eine – wenn auch brüchige – Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hamas geschafft. Möglich wurde dies, weil er der Hamas mit militärischer Gewalt drohte, Israels Premier Benjamin Netanjahu an die Kandare nahm und arabische Länder sowie die Türkei in eine XXL-Diplomatie-Initiative einband. Aber bis zum Endziel einer Gaza-Regierung ohne die Hamas und einen vollständigen Rückzug der Israelis ist es ein langer Weg. Die arabischen Staaten wird Trump nur auf seine Seite bekommen, wenn die Perspektive für einen unabhängigen Palästinenserstaat konkrete Formen annimmt.

Venezuela: Lockruf der Öl-Bonanza

Die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro hatte Trump lange Zeit mit dessen angeblicher Verwicklung in den Drogenhandel sowie dem repressiven Regime begründet. Doch der wahre Grund sind die Ölreserven Venezuelas, die auf mehr als 300 Milliarden Barrel geschätzt werden. Der US-Präsident sieht hier eine Bonanza für die amerikanischen Energiekonzerne, auch wenn viele Milliarden Dollar in die heruntergekommene Ölindustrie investiert werden müssen.

Das Foto von Nicolás Maduro postete Donald Trump am 3. Januar auf seinem Truth-Social-Account. © AFP | HANDOUT

Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez, die aus Maduros Machtapparat stammt, nannte er „eine ganz fantastische Frau“. Sie hat nach Trumps anfänglicher Drohkulisse zugesagt, ihr Land für US-Unternehmen zu öffnen. Venezuela ist ein Paradebeispiel für Trumps Außenpolitik, die in erster Linie Außenwirtschaftspolitik mit dem Stempel „America First“ ist.

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