Handelsabkommen mit Indien: Die EU spielt ihre größte Stärke aus
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Indien galt einst als Kronjuwel des britischen Kolonialreiches. Das ist zum Glück lange vorbei. Heute ist Indien eine selbstbewusste Republik, eine regionale Supermacht, Hightech-Nation und Entwicklungsland zugleich und der bevölkerungsreichste Staat des Planeten. Kurzum: ein Land, auf das es ankommt und auf das es in Zukunft noch viel mehr ankommen wird.
Die Europäische Union ist gerade dabei, ein Freihandelsabkommen mit Indien zu schließen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Premier Narendra Modi verkündeten am Dienstag in Neu-Delhi den Abschluss der Verhandlungen. Aus Brüsseler Sicht ist der Vertrag gewissermaßen das Kronjuwel der europäischen Handelspolitik: Es entsteht eine gigantische Freihandelszone mit zwei Milliarden Verbrauchern, ein Viertel der weltweiten Wirtschaftsleistung wird hier erbracht.
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Während sich der irrlichternde US-Präsident Donald Trump immer neue Zölle ausdenkt und die Welt mit seiner Gaga-Außenpolitik in Atem hält, begründen Europa und Indien eine neue Partnerschaft und bekennen sich klar zur regelbasierten Ordnung.
Man kann nur hoffen, dass die Entscheidungsträger in Brüssel und den nationalen EU-Hauptstädten die geopolitische Dimension des Abkommens erfassen und sich nicht von den Bedenken einzelner Lobbygruppen beeindrucken lassen. Dieses Risiko besteht, wie das anhaltende Gezerre um das Mercosur-Freihandelsabkommen mit vier Staaten Südamerikas deutlich macht. Dieses Abkommen ist unterschrieben, aber noch lange nicht ratifiziert. Die Zeiten sind turbulent. Europa hat die Wahl zwischen Unabhängigkeit und Vasallentum, zwischen Stärke und Selbstverzwergung. So einfach ist das.
