Dubai-Auswanderer ungewöhnlich gelassen: „Letzte, was wir brauchen, ist Panik“
„Dieser Angriff war keine Überraschung“, sagt Dennis Uitz. Der 42-jährige Deutsche sitzt an diesem Montagmorgen in seinem Haus in Dubai, fünf Minuten Autofahrt entfernt von Downtown. Wenn er aus seinem Wohnzimmerfenster schaut, sieht er den Burj Al Arab. Jenes berühmte Luxushotel, dessen Fassade nach einem iranischen Luftangriff in der Nacht zu Sonntag über mehrere Stockwerke brannte. Längst hat sich der Angriff auf den Iran zu einem Flächenbrand in Nahost entwickelt. Während tausende Urlauber an Flughäfen in der Golfregion ausharren, in der Hoffnung, irgendwie noch irgendeinen Flieger zu erwischen, wirkt Uitz erstaunlich gelassen und sagt sogar: „Ich fühle mich zu 100 Prozent sicher.“
Zum einen dürfte das an Uitz‘ eigener Dubai-Erfahrung liegen. Seit acht Jahren lebt der Investment-Banker in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ist nach eigenen Angaben gut vernetzt. „Es ist eine furchtbare Situation, aber ich weiß, wie fähig diese Menschen hier in den Emiraten auch militärisch sind und dass sie vorbereitet waren und weiter sind“, sagt der 42-Jährige.
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Deutscher Dubai-Auswanderer: „Das letzte, was wir aktuell brauchen, ist Panik“
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) bisher mindestens drei Menschen getötet, 58 weitere Personen seien verletzt worden. Insgesamt seien 541 iranische Drohnen erfasst worden. Ein Großteil sei zerstört oder abgefangen worden. 21 von ihnen hätten jedoch zivile Ziele getroffen. Auch mehr als 160 ballistische Raketen seien aus dem Iran auf Dubai und die anderen Emirate abgefeuert worden.
Seine mehr als 100000 Follower bei Instagram nimmt Dubai-Auswanderer Uitz seit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran mal in den Supermarkt, mal ins Gym mit. Alltag statt Angst vor Angriffen. So, als wolle er zeigen: Es ist nicht so schlimm, wie es dargestellt wird. Uitz will sich damit wohl auch bewusst zum Pendant anderer Dubai-Influencer verstehen, die bei ohrenbetäubenden Explosionen vor allem eines empfinden: reelle Angst. Gegenüber unserer Redaktion erklärte der Unternehmer: „Klar, es ist eine furchtbare Situation, aber das letzte, was wir aktuell brauchen, ist Panik.“
Wird Influencern in Dubai ein Maulkorb verpasst?
Uitz‘ Gelassenheit öffnet andererseits die Tür der Verwunderung zumindest einen Spalt breit. In den vergangenen Tagen nährten zahlreiche Dubai-Influencer mit Andeutungen oder gar deutlichen Aussagen den Verdacht, dass das Emirat den Influencern einen Maulkorb verpasst hat. Influencerin Zara Secret schrieb in ihrer Instagram-Story: „Wir dürfen nichts posten! Ich musste alles löschen!“ Tanja Makarić zeigte sich am Samstag aufgelöst, sprach von einem Nervenzusammenbruch, ehe sie ein paar Stunden später schrieb: „Es ist schrecklich, aber auszuhalten. Mehr kann man auch nicht machen. Fühle mich jetzt etwas besser.“
Uitz sagt dazu: „Absolut nicht. Wir dürfen alles posten, was wir wollen.“ Es gebe einen „Code of Conduct“, der lediglich das Diffamieren und Beleidigen verhindern solle. Ansonsten hätte ihn jedoch niemand im Wüstenstaat verboten, etwas zu teilen.
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Der einstige Kandidat der ProSieben-Datingshow „Catch the Millionaire“ weiß, dass seine gelassene Sichtweise auf herabstürzende Drohnen und Raketen durchaus erstaunlich wirkt. „Ich habe auch Freunde und Bekannte, die mich anrufen und gerade richtig doll Angst haben, das verstehe ich natürlich“, so Uitz. Gleiches gelte für die vielen Touristen, die derzeit am Flughafen gestrandet sind, weil der Luftraum gesperrt ist. „Wenn du dann hier bist, nicht weißt, wie du nach Hause kommst, und auch nicht weißt, wie dieses Land hier funktioniert, dann bereitet das natürlich Angst“, so Uitz.
Eskalation in Nahost: Mehr als 20000 Urlauber allein in den Emiraten gestrandet
Rund 30.000 Reisende von deutschen Veranstaltern sind von der Eskalation in der Golfregion betroffen. Allein in den Emiraten wurden zufolge der Generalbehörde für Zivilluftfahrt bereits rund 2.0200 Passagiere aus allen Ecken der Welt betreut, deren Flüge verschoben werden mussten.
Anderes als die vielen in Dubai gestrandeten Urlauber, die hoffentlich zeitnah die Nahost-Region verlassen und nach Hause fliegen können, ist die neue Eskalationsstufe in der Golfregion für Uitz nun alltäglicher Begleiter. In den Supermärkten sei weniger los als üblich, „aber ansonsten sind mir noch keine Menschen begegnet, die aktuell besonders aufgebracht sind oder Anzeichen von Panik gezeigt haben“, so Uitz. Dieser Angriff sei keine Überraschung für ihn gewesen. „Wer hier lebt, der lebt auch mit diesen Spannungen, die sich seit Jahren aufgebaut haben, und damit auch mit dem Nahost-Konflikt.“ Doch irgendwo in ihm, fernab der Reels und Storys bei Instagram, gibt es dann doch auch bei Uitz zumindest so etwas wie Unsicherheit und vielleicht sogar einen Funken Angst: „Wenn man sich die Militärkanäle des Irans zum Beispiel bei X anschaut, dann wird einem schon anders.“
