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Warum Melania Trump heute den UN-Sicherheitsrat leitet

Berlin. Melania Trump leitet heute als erste First Lady den UN-Sicherheitsrat, während ihr Ehemann diesen scharf kritisiert. Was steckt dahinter?
Von Athena Riegel
Melania Trumps öffentliche Rolle als First Lady war bisher vor allem von seltenen, aber gezielten Auftritten geprägt. Ihr heutiger UN-Auftritt markiert den bisher ungewöhnlichsten und politisch brisantesten Moment ihrer Zeit im Rampenlicht. © Evan Vucci/AP/dpa | Evan Vucci

Das gab es bei den Vereinten Nationen noch nie: First Lady Melania Trump soll heute die Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York leiten. Vorher diskutieren die Mitgliedsstaaten über den amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran. Wie passt das zusammen?

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Warum leitet Melania Trump den UN-Sicherheitsrat?

Eigentlich werden die Sitzungen von UN-Botschaftern oder hohen Regierungsvertretern eines Landes geleitet. Dabei kann das Mitglied, das im jeweiligen Monat den Vorsitz innehat, entscheiden und eigene Schwerpunkte setzen. Im März haben die USA den Vorsitz.

In der heutigen Sitzung des UN-Sicherheitsrats steht das Thema „Kinder, Technologie und Bildung in Konfliktregionen“ im Mittelpunkt. Melania Trump hat als Vorsitzende keine politische Entscheidungsmacht, sondern übernimmt eine moderierende Rolle: Sie eröffnet die Sitzung, leitet die Diskussion und erteilt den Mitgliedsstaaten das Wort. Ihr eigener Redebeitrag wird sich auf das Kernthema konzentrieren, wie Kinder in Kriegs- und Krisengebieten besseren Zugang zu digitaler Bildung und technologischen Hilfsmitteln erhalten können.

Das Thema ist für Melania Trump nicht neu: Im September 2025 startete sie eine Initiative zu digitaler Bildung in Konfliktregionen. Außerdem schrieb sie einen Brief an Russlands Präsidenten Wladimir Putin, in dem sie auf die dramatische Lage ukrainischer Kinder im russischen Angriffskrieg aufmerksam machte.

Als erste First Lady leitet Melania Trump heute den UN-Sicherheitsrat. Normalerweise wird dieser von UN-Botschaftern oder hochrangigen Regierungsmitgliedern moderiert. © John Minchillo/AP/dpa | John Minchillo

USA schulden der UN Milliardens

Damit schreibt ausgerechnet die Ehefrau von Donald Trump Geschichte, der kein besonders großer Fan der Vereinten Nationen ist. Trump hat die UN wiederholt als „ineffektiv“ und „bürokratisch“ kritisiert und sogar einen eigenen, von den USA kontrollierten „Board of Peace“ (Friedensrat) ins Leben gerufen, der als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen fungieren soll. Mitglied wird man nur auf Einladung Trumps und nach einer Zahlung von einer Milliarde Dollar. Deutschland hat abgelehnt.

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Hinzu kommt, dass die Trump-Regierung den Vereinten Nationen knapp vier Milliarden US-Dollar schuldet. Davon fallen Anfang Februar etwa 2,19 Milliarden auf ausstehende Pflichtbeiträge und etwa 2,4 Milliarden auf unbeglichene Zahlungen für Friedensmissionen.  Uno-Vertretern zufolge entspricht das mehr als 95 Prozent der gesamten ausstehenden Zahlungen aller Länder weltweit. Die USA sind der größte Beitragszahler zum UNO-Haushalt.

Außerdem haben die USA unter Trump ihre Mitgliedschaft in zentralen UN-Gremien beendet, darunter in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und im UN-Menschenrechtsrat. Trump wirft den Vereinten Nationen vor, ihr „volles Potenzial wegen Bürokratie und Missmanagement nicht zu erreichen“, während seine Regierung gleichzeitig durch die Verweigerung von Beitragszahlungen selbst zur Schwächung der UN beiträgt.

Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe

UN zeigt sich positiv über Melania-Auftritt

Trotz der anhaltenden Differenzen zeigt sich UN-Generalsekretär António Guterres erleichtert über Melania Trumps Auftritt. Ein Sprecher nannte den Schritt „ein Zeichen dafür, welche Bedeutung die Vereinigten Staaten dem Sicherheitsrat und dem vorliegenden Thema beimessen“.

Im Februar zahlten die USA erstmals seit Trumps Amtsantritt wieder Geld in den regulären Haushalt der UNO. 160 Millionen Dollar wurden aus Washington überwiesen. Zwar ändert das kaum etwas am riesigen Schuldenberg von über vier Milliarden Dollar, doch bringt es Hoffnung, dass Washington die Organisation nicht komplett aufgibt. „Wir werden ihnen in Gelddingen helfen, und wir werden sicherstellen, dass die Vereinten Nationen lebensfähig sind“, sagte Trump. Zeitgleich hielt der US-Präsident die erste Sitzung seines umstrittenen Friedensrates ab.

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Melania bei der UN: Möglicher Interessenskonflikt?

Der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran hält die UN zusätzlich in Spannung. Während Melania Trump heute gegen 21 Uhr deutscher Zeit (15 Uhr Ortszeit) die Sitzung des UN-Sicherheitsrats leitet, wird kurz vorher noch der Militärangriff auf den Iran diskutiert, der von ihrem Mann, US-Präsident Donald Trump, und Israels Premier Netanjahu befohlen wurde.

Mehrere Ratsmitglieder hatten auf die Einberufung einer Dringlichkeitssitzung gedrängt, darunter laut Diplomatenangaben Frankreich, Bahrain, China, Russland und Kolumbien. Der Iran wirft den USA und Israel „grundlose Aggression“ und Kriegsverbrechen vor. Die USA und Israel berufen sich auf Artikel 51 der UN-Charta, der das Recht auf Selbstverteidigung verankert.

Melania Trump wirkt neben Ehemann Donald Trump oft wie das stille Gegenstück zum lauten Polterer: Während er mit provokanten Tweets, scharfer Rhetorik und polarisierenden Entscheidungen Schlagzeilen dominiert, setzt sie auf zurückhaltende Eleganz, seltene, aber präzise öffentliche Auftritte. © IMAGO/ZUMA Press Wire | IMAGO/Sonia Moskowitz Gordon

Melania Trumps Fokus auf Bildung und Schutz für Kinder in Konfliktregionen wirkt angesichts der aktuellen Lage wie ein makabrer Kontrast: Nur Stunden vor ihrer Sitzung melden iranische Behörden 165 tote Mädchen nach einem Angriff auf eine Schule in Minab – eine Operation, an der ihr Ehemann maßgeblich beteiligt sein soll. Während die USA und Israel die Verantwortung bestreiten, bleibt der Vorwurf: Kinder als Kollateralschaden einer Militäraktion, die von Trumps Regierung mitgetragen wird.

Vor diesem Hintergrund erscheint Melania Trumps UN-Auftritt weniger wie ein echter Einsatz für Kinderrechte, sondern eher wie ein PR-Manöver: ein Versuch, das Bild der USA aufzubessern, während die eigene Politik genau das Gegenteil bewirkt. Kann man Kinder schützen wollen, wenn der eigene Mann Kriege führt, die sie töten? Die Antwort bleibt Melania Trump heute schuldig.

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