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Meinung
Estland und Litauen

Drohnenflüge über Nato-Gebiet: Die Nervosität wächst

Berlin. Die Hintergründe des Drohnenflugs auf ein Kraftwerk in Estland sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Die Stimmung ist angespannt.
Ein Kommentar von Michael Backfisch, Freier Journalist
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Wenn eine aus dem russischen Luftraum kommende Drohne ein estnisches Kraftwerk trifft, steigt die Nervosität an der Ostflanke der Nato. Noch liegen die Ermittlungsergebnisse zu den Ursachen nicht komplett auf dem Tisch. Nach Angaben der Regierung in Tallinn handelte es sich um ein fehlgeleitetes ukrainisches Flugobjekt, mit denen Kiew russische Ziele am Finnischen Meerbusen angriff. Der Flugkörper könnte von seiner Route abgekommen oder von Russland fehlgeleitet worden sein.

Grund für Nervosität besteht jedoch in jedem Fall: Russische Drohnen sind in letzter Zeit mehrfach in den Luftraum Polens, der baltischen Staaten und Rumäniens eingedrungen. Russische Kampfjets verletzen immer wieder den Luftraum der baltischen Nato-Mitglieder. Das ist kein Zufall.

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Die Sorge ist groß, dass Kremlchef Wladimir Putin auch in Zukunft mit solchen Nadelstichen die Reaktionsfähigkeit des westlichen Bündnisses an seiner vermeintlich schwächsten Stelle testet. Die geopolitische und geoökonomische Großwetterlage ist günstig für ihn. US-Präsident Donald Trump richtet derzeit all seine Energie auf den Iran-Krieg, der Ukraine-Konflikt steht unten auf seiner Tagesordnung. Die Preisexplosion bei Öl und Gas spült Putin zudem zusätzliche Milliarden Dollar in die strapazierte Staatskasse.

Michael Backfisch, freier Autor für internationale Politik © Reto Klar | Reto Klar

Im Gegensatz zu Trump verfolgt Putin eine Strategie des langen Atems. Einen Angriff auf Nato-Territorium wird er zumindest nicht in der Zeit unternehmen, in der russische Kräfte in der Ukraine gebunden sind. Doch Putin setzt darauf, dass seine Nadelstiche die Kriegsmüdigkeit in den europäischen Gesellschaften befördern. Sein Kalkül: Irgendwann werden die Regierungen ihre Unterstützung für die Ukraine herunterfahren, weil sie infolge sozialpolitischer Einschnitte Angst vor der Abstrafung durch die Wähler haben.

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