Gesundheitsreform: Es dürfen nicht nur Patienten draufzahlen
Die Bundesregierung macht ernst und will jetzt erste Sparvorschläge vorlegen. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen: Es wird einen Aufschrei geben. Aus der SPD-Fraktion wurde der Tenor bereits vorgegeben: „Leistungskürzungen oder weitere Belastungen für die Versicherten wollen wir nicht“, erklärte Fraktionsvize Dagmar Schmidt.
Solche Festlegungen sind unklug, wenn man ein Gesundheitssystem reformieren will, das aus den Fugen geraten ist. Selbstverständlich muss man sich ansehen, ob alle Leistungen, die über Jahrzehnte draufgesattelt wurden, noch bezahlbar sind. Es macht auch wenig Sinn, jede einzelne Spar-Idee gleich empört abzuräumen. Am Ende muss ein Gesamtpaket stehen, das effektiv und gerecht ist.
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Und zu Gerechtigkeit zählt auch: Nicht nur bei Versicherten darf gespart werden. Auch die staatliche Gesundheitsbürokratie muss streng geprüft und die Effizienz gehoben werden. Das Gleiche gilt für die ganze Branche, für die Krankheiten ein sehr gesundes Geschäft sind. Dass Deutschlands Gesundheitssystem zu den teuersten, aber nicht zu den effektivsten der Welt gehört, liegt auch an den Preisen, die für bestimmte Medikamente oder medizinische Hilfsmittel aufgerufen werden. Es ist nicht einzusehen, warum identische Präparate in hoch entwickelten Ländern wie Norwegen oder Japan preiswerter sind als in Deutschland.
Ganz zum Schluss sind auch wir alle gefordert: Muss es wirklich gleich der Arztbesuch sein, wenn es mal im Hals kratzt? Die Deutschen zählen zu den fleißigsten Arztbesuchern der Welt – aber wir sind trotzdem nicht die Gesündesten.
