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⇱ Begleitetes Trinken vor dem Aus: Das fordert Familienministerin Karin Prien


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Karin Prien

Alkoholkonsum bei Jugendlichen: Ministerin will Verbot des begleiteten Trinkens

Berlin. Alkohol ab 14 mit den Eltern? Diese Regel könnte bald verboten werden. Ministerin Prien plant das Aus für die bisherige Gesetzgebung.
Von Jamie Jaina Skorke
Ein Jugendlicher steht in einem Supermarkt vor einem Spirituosenregal. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Joerg Sarbach

Bier oder Wein mit 14, wenn die Eltern daneben sitzen? Was jahrzehntelang erlaubt war, könnte bald Geschichte sein. Die Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will das sogenannte „begleitete Trinken“ verbieten. Dies geht aus einem Entwurf des Ministeriums zur Änderung des Jugendschutzgesetzes hervor, über den „Politico” zuerst berichtete. In dem Entwurf heißt es, man wolle das zunehmende Problem der Suchtabhängigkeit ernst nehmen. Daher bedarf es Präventionsmaßnahmen, die Kinder und Jugendliche vor den sogenannten „Alltagssüchten“ bewahren.

„Begleitetes Trinken“ schon seit Jahren in der Kritik

Der Kauf und Konsum von Bier, Wein und Sekt ist in Deutschland ab 16 Jahren erlaubt. Es gibt aber eine Ausnahme: 14- und 15-Jährige dürfen Alkohol trinken, wenn eine sorgeberechtigte Person dabei ist. Doch diese Ausnahme steht seit Jahren in der Kritik. Der Bundesrat etwa sieht darin einen „klaren Widerspruch zum Ziel eines konsequenten Jugendschutzes“.

Im vergangenen September forderte der Bundesrat die Bundesregierung auf, die Ausnahmeregelung zu streichen. Eine bayerische Initiative hat auf die potenziellen Entwicklungsrisiken hingewiesen, die der Alkoholkonsum während der Pubertät mit sich bringen kann. Es haben längst neuere medizinische Erkenntnisse zur Hirnentwicklung und zu Suchtfragen dazu geführt, dass weite Teile der Politik das „begleitete Trinken“ abschaffen wollen.

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Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen, dass der Konsum unter Jugendlichen weiterhin hoch ist: Mehr als 60 Prozent der 12- bis 17-Jährigen haben bereits Alkohol ausprobiert. Zwar trinken Jugendliche im Schnitt später als früher, doch besonders das Rauschtrinken hat seit der Corona-Pandemie wieder zugenommen.

Verbotspläne sorgen für Streit zwischen Suchtexperten und Gastronomie

Auch aus der Suchtprävention kommt deutliche Unterstützung für ein Verbot. „Es war nie nachvollziehbar, warum diese Ausnahme überhaupt existiert“, sagt der Präventionsexperte Janis Schneider dem „Tagesspiegel“. Die Gastronomie sieht das teilweise anders: Angela Inselkammer vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sagt auf Anfrage der BR24: „Alkoholische Getränke sind auch in Bayern ein Kulturgut.“ Sie hält das begleitete Trinken für sinnvoll, weil Eltern ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang vermitteln können. 

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Noch ist das Verbot nicht beschlossen. Der Entwurf wird aktuell mit Ländern und Verbänden beraten, danach entscheiden Bundestag und Bundesrat. Die Regelung ist Teil einer größeren Reform der Kinder- und Jugendhilfe und soll bis Ende des Jahres kommen.

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