Warum Trumps Siegesrede zum Iran auf tönernen Füßen steht
Mit voreiligen Erfolgserklärungen ist das so eine Sache. Gerade im Krieg. Auf dem Schlachtfeld sieht es oft anders aus, als Politiker und Generäle es dem heimischen Publikum weißmachen wollen. Und: Der Gegner hat immer ein Wort mitzureden.
Folgt man Donald Trump in seiner ersten offiziellen Ansprache fast sechs Wochen nach Beginn der Feindseligkeiten gegen den Iran haben sich die USA quasi zu Tode gesiegt. Alle Ziele sind erreicht oder sogar übertroffen worden, behauptet der Commander-in-Chief. Und stellt unpräzise wie immer ein Ende in zwei bis drei Wochen in Aussicht.
„Mission accomplished”, hieß das seinerzeit 2003 bei George W. Bush im Irak-Krieg. Total verfrüht, wie man heute weiß. Bis zum letzten Truppenabzug dauerte es dann noch gut acht Jahre. Mission gescheitert.
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Trumps verdrängt in seiner Rede die vielen offenen Fragen
Trump hat (noch) keine Truppen auf iranischem Boden. Aber seine in 19 Minuten zusammengepresste Rede, die keine wirklichen Neuigkeiten oder gar verbindliche Aussagen enthielt, eine Wiederholung seiner Truth Social-Beiträge darstellte und sich in bekanntem Amerika-wir-sind-die-Größten-Gerede erging – steht auf nicht minder wackligen Füßen.
Die US-Streitkräfte haben gewiss zahlreiche iranische Militär-Güter zerstört. Aber das Regime schießt weiter zurück. Und in der Meerenge von Hormus ist weiter kein generell unbehelligter Schiffsverkehr möglich. Das Mullah-Regime, zu dem die Revolutionsgarden gehören, ist trotz einer wahren Enthauptungswelle durch israelisch-amerikanischen Bomben weiter intakt.
Israel und die Golf-Anrainerstaaten werden, wenn auch seltener, weiter gezielt beschossen; mit enormen Schäden. Und die 1000 Pfund angereichertes Uran, die zum Atomwaffenbau geeignet sind und in unterirdischen Tunnelanlagen lagern, sind noch immer nicht in sicheren Händen oder außer Landes.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Trump ist überdrüssig, er will sich um Kuba kümmern
Dass Trump trotzdem die Legende strickt, Amerika habe seine (ständige wechselnden) Kriegsziele weitgehend erreicht, grenzt an Realitätsverdrängung. Sie ist allein weiter steigenden Ölpreisen, immer schlechter werdenden Umfragewerten, wachsendem Unmut an seiner Maga-Wählerbasis und einer Trump-spezifischen Überdrüssigkeit geschuldet: Er hat schlicht genug von den Persern und würde sich gern den Kubanern zuwenden.
Dabei ist die Faktenlage eine andere: Kein einziges Kriegsziel der USA ist nachhaltig erfüllt. Selbst die Tatsache, dass Teheran keine Marine mehr besitzt, weil so ziemlich alle Schiffe versenkt wurden, wirkt einigermaßen hohl angesichts von möglichen Schnellboot-Attacken, die riesige Schäden etwa in Hormus erzeugen können.
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Gilt nicht mehr: „You break it, you own it”
Hier zeigt sich, wie unbekümmert Trump die Folgen seines Tun verdrängt. Die Seestraße im Persischen Golf, die vor Trumps kopflosem Angriffsbefehl reibungslos 20 Prozent des weltweiten Öl-Exports schulterte, ist wegen iranischer Bedrohungen so gut wie dicht; mit schlimmsten globalen Folgen von Öl-Preisen bis Düngemittelknappheit.
Trump, der Schadensverursacher, sieht sich aber nicht in der Pflicht, die von ihm angerichtete Katastrophe zu beenden. „You break it, you own it” (Wer es zerstört, muss dafür geradestehen) - der alte Spruch aus früheren US-Regierungen gilt nicht mehr. Trump sozialisiert die Kriegsfolgekosten und schiebt den Ländern, die auf Öl-Lieferungen bitter angewiesen sind, die Verantwortung für die Sicherheit rund um Hormus zu.
Das ist nicht nur zynisch. Es ist auch eine strategische Bankrotterklärung. Trumps Krieg gegen den Iran hat jeden Verbündeten, den Amerika noch hat(te), vor den Kopf gestoßen. Nicht nur einige. Alle. Die Quittung dafür kommt irgendwann. Sie wird Amerika noch sehr wehtun.
