Jens Spahn: „Homosexuell, das klingt für mich furchtbar. Steril“
In einem gemeinsamen Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ haben Jens Spahn (CDU) und Matthias Miersch (SPD) offenbart, dass sie mit der Zuschreibung „homosexuell“ nur wenig anfangen können. Die Zeitung hatte die sexuelle Orientierung der beiden Politiker als Gemeinsamkeit angeführt: „Sie beide verbindet die Tatsache, dass Sie die ersten homosexuellen Fraktionsvorsitzenden Ihrer Parteien sind. Jedenfalls die, von denen man es weiß.“
Spahn stellte klar, dass Heinrich von Brentano, in den 50er-Jahren Außenminister und Fraktionschef der Union, in der Betrachtung fehle. Außerdem erzählte er von einem Gespräch, das er mit seinem Vorgänger Volker Kauder geführt habe: „Ich möchte von dir nie wieder homosexuell genannt werden“, soll er seinem Parteikollegen gesagt haben. Spahn wolle lieber als „schwul“ bezeichnet werden. „Homosexuell, das klingt für mich furchtbar. Steril“, so die Begründung des Unionsfraktionsvorsitzenden.
Jens Spahn: „Ich bin schwul, nicht queer“ – Debatte um Begriffe mit Matthias Miersch
SPD-Fraktionschef Miersch pflichtete bei, der Begriff „homosexuell“ klinge „klinisch, nach einer technischen Einordnung“. Auch mit dem Wort „queer“ könne Spahn nichts anfangen, sagte der Politiker der Union und führte aus: „Ich bin schwul, nicht queer. Dieses Identitätspolitische – als wäre das ein Konzept.“
Zum Hintergrund: „Queer“ fungiert als Sammelbegriff für sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen. Der englische Begriff wird heutzutage oft als positive Selbstbezeichnung verwendet, wurde in seiner ursprünglichen Bedeutung aber häufig beleidigend benutzt.
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Spahn kritisiert ideologische Nutzung des Begriffs „queer"
Miersch sagte im Interview, er verstehe nicht, warum Spahn ein Problem mit dem Begriff habe: „Braucht es diese Politisierung und Abgrenzung?“ Spahn betonte: „Ich habe gar kein Problem damit, dass die Gesellschaft da offen ist, es kann sich auch jeder queer nennen. Im Gegenteil, ich bin sehr liberal, was das Private angeht.“ Er halte allerdings nichts davon, das Wort mit einer politischen Ideologie zu verknüpfen.
„Wenn du alles zu einer Frage der Selbstdefinition erklärst, selbst das Geschlecht, stellst du damit die Emanzipationsgeschichte infrage“, sagte Spahn. Dann verschwinde alles, was auch für die Emanzipation von Frauen erreicht worden sei. „Wer sitzt eigentlich dann auf der Toilette – oder im Frauengefängnis?“, so Spahn. Miersch sehe darin keinen Widerspruch, sagte der SPD-Politiker: „Die Politik muss den Rahmen so setzen, dass individuelle Identitäten anerkannt werden.“
