Regen und Staub verteilen Insektizide in ganz NRW
Niederschläge und Staub verteilen Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft in ganz NRW. Und zwar nicht nur im Frühjahr und Sommer, wenn die Schutzmittel hauptsächlich auf den Feldern eingesetzt werden, sondern das ganze Jahr über. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK). Die Folgen? Noch unklar.
An insgesamt acht Messstationen hat das LANUK zwischen 2021 und 2023 Proben gesammelt und unter 100 möglichen Schadstoffen 52 Pflanzenschutzmittel in Luft und Niederschlag nachgewiesen. Für die Messstationen wurden vier Orte in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen ausgewählt – Bocholt, Kreis Gütersloh, Essen und Langenfeld – sowie vier landwirtschaftsferne Standorte im Bergischen Land, in Egge, der Eifel und im Rothaargebirge.
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Insektizide verteilen sich über Regen und Staub in ganz NRW
An den Stationen hat das LANUK Niederschlagssammler installiert, die monatlich die nassen und trockenen Niederschläge, also Staub, sammelten. Die anschließenden Untersuchungen im Labor zeigten: Bei den nachgewiesenen Wirkstoffen handelte es sich um vier Insektizide, 23 Herbizide und zehn Herbizid-Metaboliten (für Unkraut) sowie 13 Fungizide und zwei Fungizid-Metaboliten (für Pilze und Sporen). Metaboliten sind die Abbauprodukte der jeweiligen Wirkstoffe.
85 Prozent dieser Stoffe sind für den professionellen landwirtschaftlichen Gebrauch vorgesehen. Dass sie aus privater Anwendung in Klein- und Hausgärten stammen, sei laut LANUK an den untersuchten Standorten auszuschließen. Die Tatsache, dass mehr Wirkstoffe in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen nachgewiesen wurden, unterstreicht diese Annahme.
Auswirkung auf Umwelt und Natur noch unklar
Verglichen mit den tatsächlich eingesetzten Mengen an Pflanzenschutzmitteln seien zwar nur wenig an den Messstellen nachgewiesen worden. Aber: Sie haben sich über weite Strecken auch in Gebiete in NRW verteilt, in denen keine oder nur sehr wenige Ackerflächen als mögliche Herkunftsflächen vorhanden sind.
LANUK-Präsidentin Elke Reichert fasst zusammen: „Wir weisen mit dieser Untersuchung eine landesweite Verteilung der Substanzen über einen atmosphärischen Transport nach. In fast allen Monaten wurden Pflanzenschutzmittel in gesammelten Niederschlägen aus Regen und Staubpartikeln gefunden. Auch an landwirtschaftsfernen Messstationen gibt es demnach Einträge, die in der Regel nicht aus dem direkten Umfeld stammen, sondern offensichtlich über weitere Strecken verbreitet worden sind.“
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An den Messpunkten wurden zwischen Ende April und September zusätzlich standardisierte Graskulturen in Containern aufgebaut, um nachzuweisen, ob sich Schadstoffe aus der Luft auch später in den Pflanzen wiederfinden. 2023 wurden an allen Messstationen Pflanzenschutzmittel in den Graskulturen nachgewiesen. Welche Einflüsse das nun auf die Umwelt und damit auch die Biodiversität außerhalb der landwirtschaftlichen Flächen hat, müsse nun in weiteren Studien untersucht werden.
