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Nachhaltigkeit

Neue Liste: Diese 14 Fische dürfen ohne Bedenken auf den Tisch

Essen. Kann man noch Fisch kaufen, dessen Art nicht bedroht ist? Ja, sogar mehr als im letzten Jahr. Doch es gibt auch schlechte Nachrichten.
Von Jürgen Polzin, Chefreporter Klima und Nachhaltigkeit
Viele Fischarten, wie teilweise auch die Sardine, gelten als überfischt. Eine neue Liste von Umwelt- und Verbraucherschützern soll beim Einkauf helfen, eine nachhaltige Entscheidung zu treffen. © pa | Alfred Särchinger

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Die Liste der Fischarten, die Verbraucher essen können, ohne bedrohte Bestände zu schädigen, ist in diesem Jahr länger geworden. Für manche Arten aber bleibt die Lage weiter dramatisch. Was an Fisch auf den Tisch kommen kann.

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Jahr für Jahr veröffentlicht eine Allianz von Wissenschaftlern, Umwelt- und Verbraucherschützern die Liste „Guter Fisch“. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der World Wide Fund for Nature (WWF) und die Verbraucherzentralen wollen mit den Empfehlungen Verbrauchern eine Orientierung geben, die bewusst und nachhaltig Fisch einkaufen möchten.

Guter Fisch

Die Guter-Fisch-Liste soll einen Überblick darüber geben, wie überfischt bestimmte Arten sind. Der Kaufratgeber wird gemeinsam von den Verbraucherzentralen, Umweltorganisationen sowie dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert.

Die Liste umfasst Meeresfische, Fische aus Aquakulturen werden nicht berücksichtigt. Die Guter-Fisch-Liste und weitere Informationen zum Einkauf von Meeresfisch sind zu finden auf der Website der Verbraucherzentrale Hamburg.

„Guter Fisch“ aber ist immer schwerer zu finden, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Überfischte Arten, bedrohte Lebensräume und zerstörerische Fangmethoden machen es Verbrauchern immer schwerer, eine nachhaltige Kaufentscheidung zu treffen. In diesem Jahr ist die Liste der Empfehlungen zumindest etwas länger geworden.

Es gibt sogar neue Fischarten mit Empfehlung

Zum ersten Mal seit Beginn der Initiative erhält die neue Liste 14 Arten mit dem Prädikat „empfehlenswert“. Keine Fischart musste im Vergleich zum letzten Jahr gestrichen werden. Es sind sogar neue Empfehlungen hinzugekommen: Der Rot- und Ketalachs aus Alaska wurde wieder aufgenommen. Beim Weißen Thun und Echten Bonito wurde die Empfehlung auf weitere Fanggebiete ausgeweitet. Auch kleinere Schwarmfische wie die Sardelle aus der Biskaya oder die chilenische Schildmakrele haben es in diesem Jahr auf die Liste geschafft, teilt die Initiative mit. Auch regionale Plattfische wie Scholle, Kliesche und Flunder finden sich darauf.

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„Die Erweiterung der Liste klingt wie ein Grund zur Freude, doch die Freude ist getrübt“, sagt Valet. Für alle Arten gilt: Bedenkenlos gekauft werden können die aufgeführten Fische nur dann, wenn sie aus den genannten Fanggebieten stammen und mit umweltverträglichen Fangmethoden gefischt werden. Viele beliebte Speisefische wie der Nordsee-Hering oder der Kabeljau würden weiterhin überfischt.

Forscher: Bestand des Dorschs ist zusammengebrochen

Rainer Froese, Meeresökologe und Fischereiwissenschaftler am Geomar, hält den Zustand in deutschen Gewässern für dramatisch: „Der Bestand des Dorschs ist jetzt endgültig zusammengebrochen, der des Nordsee-Herings schrumpft, und für den westlichen Ostsee-Hering sollte eigentlich ein Fangverbot gelten“, sagt Froese. „Die Ostsee-Sprotte mussten wir schon letztes Jahr von der Liste nehmen, nun gilt sie auch offiziell als überfischt.“

Auch Klimawandel, Versauerung und Verschmutzung der Ozeane machen den Fischen zu schaffen, stellt die Deutsche Umwelthilfe fest. „Die anhaltende Überfischung wird durch den schlechten Zustand unserer Meere verschärft“, sagt Isabel Seeger, Meeresschutz-Expertin der DUH. „Es gibt immer weniger Gebiete, in denen sich Fische ungestört fortpflanzen und in denen sie aufwachsen können. Wir müssen dafür sorgen, dass Meeresschutzgebiete wirksam sind und Naturschutzrecht umgesetzt wird.“

„Viele Verbraucherinnen und Verbraucher essen gerne Fisch und kennen gleichzeitig das Problem der Überfischung“, merkt Valet an. „Wir werden oft gefragt, welche Fische wir noch empfehlen können. Mithilfe unserer Liste kann jede und jeder selbst entscheiden, welcher Fisch zu Weihnachten auf dem Tisch landet.“ Auch WWF-Experte Philipp Kanstinger sieht in der Liste eine wichtige Orientierungshilfe für Verbraucher: „Wer auf die ‚Guter-Fisch‘-Liste schaut, sorgt dafür, dass übernutzte Bestände entlastet und verantwortungsvoller arbeitende Fischereien unterstützt werden.“

Die Welternährungsorganisation FAO hat die Weltmeere in große Fanggebiete unterteilt. Die Nummern müssen auf den Verpackungen im Supermarkt angegeben werden. Sie können mit den Angaben auf der Guter-Fisch-Liste verglichen werden. © BMLEH / FIZ | BMLEH / FIZ

So finden Verbraucher mit der Liste „guten Fisch“

Wer mit der Liste bewusst nachhaltigen Fisch einkaufen möchte, sollte auf die Angaben auf der Verpackung achten und mit denen der Liste vergleichen, raten die Experten. Für unverarbeiteten Fisch und Tiefkühlprodukte sind Angaben zu Fischart, Fangmethode und Fanggebiet verpflichtend. Verbraucher sollten darauf achten, dass beim Kauf sowohl der Fischname (Artname), das Fanggebiet als auch die Fangmethode mit den Angaben auf der Liste übereinstimmen, so die Verbraucherzentrale. Sollten diese Angaben nicht erkennbar sein, wie zum Beispiel im Restaurant, sollten Verbraucher gezielt nachfragen. Das gelte auch dann, wenn die gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung nicht ausreichend ist.

Neben der Herkunft ist die Fangmethode ein wichtiges Kriterium. Verschiedene Geräte wirken sich unterschiedlich auf die Bestände, den Meeresboden und die anderen Tiere im Ökosystem aus. Besonders schädlich seien häufig Grundschleppnetze, da sie viel Beifang haben und den Meeresboden zerstören. Trotzdem würden sie vielerorts sogar noch in Meeresschutzgebieten eingesetzt.

Empfehlungen der Verbraucherzentralen, des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel sowie der Umweltorganisationen Naturschutzbund Deutschland, Deutsche Umwelthilfe und World Wide Fund For Nature (WWF) © Verbraucherzentrale Hamburg | Montage: Antonia Keßler
© Montage: Antonia Keßler

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