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Dialekt, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Dialekt(e)s · Nominativ Plural: Dialekte
Aussprache  [diaˈlɛkt]
Worttrennung Dia | lekt
Herkunft zu diálektosgriech (διάλεκτος) ‘Sprache der Unterhaltung, Umgangssprache, Sprachstil, Mundart’

Bedeutungen

eWDG , DWDS
eWDG , DWDS
1.
Sprachwissenschaft auf eine bestimmte Region begrenzte, fast ausschließlich muttersprachlich erworbene und nicht normierte Sprachform, die überwiegend mündlich und in Alltagssituationen gebraucht wird
Synonym zu Mundart, siehe auch Standardsprache
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der schwäbische, fränkische, sächsische, bayrische, Pfälzer, rheinische Dialekt
mit Genitivattribut: die Dialekte der Sprache, des Deutschen; der Dialekt der Gegend
als Akkusativobjekt: Dialekt beherrschen, imitieren, pflegen; seinen Dialekt ablegen (= nicht mehr sprechen)
als Aktivsubjekt: ein Dialekt stirbt aus, verschwindet
als Genitivattribut: der Gebrauch, die Verwendung, Pflege des Dialekts
in Koordination: Dialekt und Hochsprache, Hochdeutsch, Standardsprache
in Präpositionalgruppe/-objekt: in Dialekte zerfallen
Beispiele:
Dialekt reden, im Dialekt sprecheneWDG, 1967
in den Dialekt seiner Heimat falleneWDG, 1967
»Der Heinz geht auf die Beerdichung, der kann nett gugge komme«, sagt sie im weichen Dialekt des Mittelrheintals. [Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2022]
Dennoch gibt es auch für ihn [einen Parlamentsstenografen] eine besondere Herausforderung bei seiner Arbeit: die […] der Abgeordneten in Bayern. Die übersetzt er grundsätzlich gedanklich ins Hochdeutsche und schreibt dann erst den Text in Stenografie. Nur einzelne Aussprüche, Redewendungen und Betonungen schreibt er auch im jeweiligen Dialekt auf. [Münchner Merkur, 18.08.2022]
Für viele ist dieser [plattdeutsche] Dialekt Alltag, für Darstellerin Helga aber ganz und gar nicht: Sie kommt eigentlich aus Bayern und ist zugezogen: »Das ist schon eine schwierige Herausforderung!« [Rhein-Zeitung, 18.08.2022]
Den bairischen Dialektlautungen [»]Sunn/Sunna, Sunda, Summer, Drumml/Drumme, Drumpätn, sunst, drucka« stehen gegenüber die hochsprachlichen Formen »Sonne, Sonntag, Sommer, Trommel, Trompete, sonst, trocken«. In der Schriftsprache wurde nämlich der Vokal »u« (vor »n, m« nach Maßgabe mitteldeutscher Mundarten) gesenkt zu »o«, während in unserem Dialekt das historische »u« erhalten blieb. [Mittelbayerische, 28.05.2021]
Am Beginn unserer Sprachgeschichte, aber auch noch bis ins 20. Jahrhundert wirkend waren nämlich die Dialekte vor jeder einheitlichen Hochsprache die eigentlichen »Muttersprachen« der Deutschen, und eine normierte Hochsprache konnte sich erst aus der Zurückdrängung der Dialekte entwickeln. [Frankfurter Rundschau, 27.10.2017]
Georg stellte den Burschen […] in unverfälschtem Dialekt zur Rede […] [ FlakeSchritt35]eWDG, 1967
allgemeiner, umgangssprachlich Synonym zu Akzent (2)
Kollokationen:
als Aktivsubjekt: der Dialekt verrät jmdn.
in Präpositionalgruppe/-objekt: mit Dialekt sprechen
Beispiele:
Eigentlich stammt er aus Berlin, sein Dialekt verrät es noch heute. [Leipziger Volkszeitung, 28.02.2022]
»Das gilt umso mehr, als sich noch zu viele gute Schülerinnen und Schüler für das Gymnasium entscheiden. Die Maturitätsquote ist zu hoch«, analysiert B[…] in einem milden Basler Dialekt. [Luzerner Zeitung, 19.08.2022]
Ich spreche ganz normal Deutsch, eben mit Dialekt. [Fränkischer Tag, 11.01.2021]
Die beiden kamen allein, waren aber so klar erkennbar wie ein Hochzeitspaar gekleidet, dass viele Römer ihnen Glück wünschten, wofür sie sich artig bedankten – ebenfalls Ausländer, wie er beim Näherkommen am Dialekt hörte. [Thüringer Allgemeine, 24.04.2020]
Die Person wird folgendermaßen beschrieben: etwa 55 Jahre alt, dunkler Hauttyp, ausländischer Dialekt, rund 1,70 Meter groß und korpulent. [Landshuter Zeitung, 24.10.2017]
Jenny Groß mit ihrem liebenswürdigen Wienerischen Dialekt würde dann selbstverständlich die österreichische Kaiserin darstellen. [National-Zeitung (Abend-Ausgabe), 11.02.1903]
2.
selten, allgemeiner, Sprachwissenschaft jede Varietät, Unterabteilung einer Sprache
Beispiele:
Die »Kanacksprak« ist ein Soziolekt, eine Sonderform des Dialekts. [Allgemeine Zeitung, 21.09.2011]
Kiezdeutsch ist ein deutscher Dialekt, der das Deutsche bereichert, indem es dem Spektrum der deutschen Varietäten ein neues, vitales Element hinzufügt. [Der Spiegel, 29.03.2012 (online)]
Die Ekhili‑Sprache ist ein Dialekt der uralten hymyaritischen Sprache. [Peters, Carl: Im Goldland des Altertums. München: Lehmann 1902, S. 214]

Zum Originalartikel des eWDG gelangen Sie hier.

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.

Zu diesem Artikel finden Sie weitere Informationen in unserem Blog:
Deutsche Wörter im Romani – und umgekehrt
👁 Deutsche Wörter im Romani – und umgekehrt (Titelbild Blogbeitrag)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
Dialektik · Dialekt · 1dialektisch · 2dialektisch
Dialektik f. ‘philosophische Methode des Denkens, durch Aufstellung und Aufdeckung von Widersprüchen zur Erkenntnis zu gelangen’. Griech. dialektikḗ (διαλεκτική) ist die ‘Kunst der wissenschaftlichen Gesprächsführung, Disputierkunst’, in der griechischen Philosophie die ‘Methode, durch Überwindung der Widersprüche im Gespräch zur Wahrheit vorzustoßen’, zu griech. dialégein (διαλέγειν) ‘auslesen’, medial dialégesthai (διαλέγεσθαι) ‘sich unterreden, besprechen’. Daraus stammt die Entlehnung lat. dialectica, die ins Dt. übernommen wird, zuerst mhd. dīalectike, danach (16. Jh.) meist in lat. Form (doch mit dem Plur. Dialektiken), Anfang 17. Jh. in eingedeutschtem endungslosem Sing. Dialektik. Der Begriff bleibt von der Antike an Bestandteil der philosophischen Terminologie, wenn auch in unterschiedlicher Interpretation. Die materialistische Dialektik sucht im Widerspruch die Quelle aller Bewegung und Entwicklung aufzudecken. Die objektive Dialektik in Natur und Gesellschaft wird in der subjektiven Dialektik des Denkens und Erkennens widergespiegelt. Daher wird Dialektik von Engels (1878) als ‘Wissenschaft von den allgemeinen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Gesellschaft und des Denkens’ bestimmt. – Dialekt m. ‘Mundart’. Griech. diálektos (διάλεκτος) ‘Sprache der Unterhaltung, Umgangssprache, Sprachstil, Mundart’, lat. dialectos ‘Mundart’ wird im 17. Jh. als Terminus der Sprachwissenschaft (anfangs meist in lat. Form und Flexion) entlehnt; gleichzeitig wird der entsprechende dt. Ausdruck Mundart (s. d.) gebildet. 1dialektisch Adj. (Ableitung von Dialektik) ‘die Dialektik betreffend, dieser Methode folgend, gegensätzlich, widersprüchlich’ (16. Jh.), vgl. lat. dialecticus, griech. dialektikós (διαλεκτικός); dazu die Fügung dialektischer Materialismus. 2dialektisch Adj. (Ableitung von Dialekt) ‘mundartlich’ (19. Jh.).

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Linguistik/Sprache
Dialekt · Kulturdialekt · Mundart · Regionalsprache · Stadtmundart · regionale Sprachvariante · regionale Umgangssprache  ●  Missingsch fachspr. · Regiolekt fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Niederdeutsch · Platt · Plattdeutsch · niederdeutsche Sprache
  • Schweizerdeutsch · Schwyzerdütsch · Schwyzertütsch
  • Nordmittelfränkisch · Ripuarisch · Ripwarisch
  • Katharinensisch · Riograndensisch · riograndenser Hunsrückisch
  • Thüringisch-Obersächsisch  ●  Sächsisch ugs., fälschlich
  • Südniederfränkisch  ●  Limburgisch veraltet
  • Elsässerdeutsch · Elsässisch
  • Schlesisch · Schlonsakisch · Wasserpolnisch
  • Schtokawisch · Stokavisch
  • Kairinisch · Ägyptisch-Arabisch
  • Cisalpinisch · Norditalienisch · Oberitalienisch · Padanisch
  • Jevanisch · Juden-Griechisch · Romaniotisch
  • Moselfränkisch · moselfränkischer Dialekt
  • Berliner Dialekt · Berlinerisch  ●  Berliner Schnauze ugs. · Berlinisch fachspr.
  • Altniederfränkisch · Altniederländisch
  • Mitteldeutsch · Zentraldeutsch · mitteldeutsche Mundart · mitteldeutscher Dialekt
  • Kleverländisch · Nordniederfränkisch
  • Kölner Dialekt · Kölner Mundart · Kölnisch · Kölsch
  • Kirchenlatein · Vulgärlatein  ●  latinitas culinaria lat. · Küchenlatein ugs.
  • Fersentalerisch · Mochenisch
  • Samogitisch · Schemaitisch
  • Niederrhein-Deutsch · niederrheinisches Deutsch
  • Vorarlbergerisch · Vorarlbergisch
  • Tahmisch · livischer Dialekt
  • Kurländisch · Kuronisch
  • Galloitalienisch · Galloitalisch
  • Violer Dänisch · Viöler Dänisch · Viölsch
  • Dietsch · Mittelniederländisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Dialekt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dialekt‹.

alemannisch allgäuer badisch bairisch bayerisch bayrisch fränkisch gesprochen heimatlich Hochdeutsch Hochsprache kölsch lokal moselfränkisch neapolitanisch ostschweizer pfälzer pfälzisch rheinisch schlesisch schweizerdeutsch schwäbisch sizilianisch sächsisch süddeutsch südhessisch tiroler venezianisch walliser wiener
Legende: Adjektive Substantive
Zitationshilfe
„Dialekt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dialekt>.

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