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Hysterie, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Hysterie · Nominativ Plural: Hysterien
Aussprache  [hʏsteˈʀiː]
Worttrennung Hys | te | rie
formal verwandt mithysterisch
Wortbildung  mit ›Hysterie‹ als Erstglied: Hysteriker · hysterisch · hysterisieren
 ·  mit ›Hysterie‹ als Letztglied: Klimahysterie · Kriegshysterie · Massenhysterie
Herkunft zu hysterikósgriech (ὑστερικός) ‘die Gebärmutter betreffend, von ihr herkommend’

Bedeutungen

eWDG , DWDS
eWDG , DWDS
1.
Medizin, veraltet, diskriminierend durch dissoziative oder neurologische Symptome gekennzeichnete Störung
Der veraltete Krankheitsbegriff mit pejorativer Bedeutung beruht auf multiplen, unscharfen sowie mittlerweile widerlegten Definitionsansätzen und wird in der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD) nicht mehr verwendet. In der modernen Diagnostik wird unterschieden zwischen der dissoziativen Störung (Konversionsstörungen) und der histrionischen Persönlichkeitsstörung.
Beispiele:
Im 19. Jahrhundert galt die Hysterie als verbreitetes, frauenspezifisches Krankheitsbild, wiesen Mediziner ihre Patientinnen reihenweise in Nervenheilanstalten ein, um sie davon zu kurieren. [Neue Westfälische, 18.08.2020]
Im antiken Rom empfahlen Ärzte, bei Bleichsucht oder Magenschwäche kalte Bäder zu nehmen, im 19. Jahrhundert wurden Frauen bei der Diagnose »Hysterie« unter anderem Kaltwassertherapien verordnet. [Süddeutsche Zeitung, 30.01.2021]
Mit der Diagnose »schwerste Hysterie mit Blindheit und teilweiser Lähmung als Unfallfolge« beantragte der Arzt Dr. Seidl 1919 die Invalidenrente für seine Patientin. [Frankfurter Rundschau, 14.02.2004]
[…] ein Mädchen weinen zu sehen […] einfach aus Hysterie […] [ RinserMitte182]eWDG, 1969
2.
umgangssprachlich, häufig abwertend (als irrational, übertrieben angesehener) Zustand äußerster Erregtheit, Aufregung um etw.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine nationalistische Hysterie; eine mediale Hysterie; eine grundlose, angeheizte, geschürte, anschwellende, regelrechte, kollektive Hysterie
als Akkusativobjekt: die Hysterie anheizen; eine Hysterie schüren, entfachen, verbreiten, erzeugen, auslösen, vermeiden
als Aktiv-/Passivsubjekt: eine Hysterie bricht aus, herrscht, regiert, ebbt ab
als Genitivattribut: das Klima, eine Welle, der Gipfel, der Höhepunkt der Hysterie
in Präpositionalgruppe/-objekt: in Hysterie verfallen
Beispiele:
Damals spielten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr in München, Essen und Hamburg. Im Jahr 1966 entfachten sie eine Euphorie und Hysterie bei den deutschen Teenagern, die heute, im Jahr 2016, kaum vorstellbar ist. [Neue Osnabrücker Zeitung, 17.02.2016]
Ich warne immer wieder: Man darf solche Debatten [über den sogenannten »Kampf der Kulturen«] nicht anheizen, nicht in Hysterie verfallen. Behalten wir ruhig Blut. [Die Welt, 26.10.2016]
Im Rahmen der Qualifizierung [Fortbildung für Personal an Kindertageseinrichtungen] wurde der Kinderschutz als ein wichtiges Thema behandelt, ohne dabei jedoch Hysterie zu betreiben. [Thüringer Allgemeine, 30.06.2016]
Wie viel mediale Hysterie um Landwirtschaft, Tierschutz oder Jagd bliebe uns erspart, wenn die Gesellschaft insgesamt auf diesen Feldern erfahrener, wissender und realistischer wäre! [Welt am Sonntag, 01.04.2012]
[Musikjournalist und Regisseur] Cameron Crowe war dabei, […] als Black Sabbath, Led Zeppelin oder The Who in ausverkauften Hallen und Stadien Trommelfelle ruinierten, blutjunge kreischende Mädchen in Hysterie versetzten, gleich nach dem Auftritt die Groupies abgriffen und im Hotel das überdrehte Feeling mit Alkohol, Joints und dem einen oder anderen LSD‑Trip ins Gigantische steigerten. [Saarbrücker Zeitung, 29.12.2003]
Wenn Politiker kleinbürgerlichen Formats mit Schwierigkeiten konfrontiert werden, verfallen sie in Hysterie und beginnen gleich alles anzuzweifeln. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1968]]
spezieller panikartige Furcht einer Person oder einer großen Anzahl von Menschen vor etw.
siehe auch Massenhysterie
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine antisowjetische, antikommunistische Hysterie
in Koordination: Hysterie und Panik, Panikmache, Paranoia
in Präpositionalgruppe/-objekt: zu Hysterie neigen; vor Hysterie warnen; in Hysterie umschlagen
Beispiele:
Die ständigen Berichte über neue Zahlen von Infizierten und Toten treiben furchtsamere Mitmenschen geradezu in eine Hysterie […], bis hin zu Hamsterkäufen. [Reutlinger General-Anzeiger, 25.03.2020]
»Meine Angstpatienten können mit der Situation [der Coronavirus-Pandemie] erstaunlich gut und rational umgehen«, sagt sie. Also Menschen, von denen man erwarten würde, dass sie mit Hysterie und Angst reagieren, zeigen sich besonnen, während andere, die weit weniger bedroht sind, hysterisch reagieren. [Neue Westfälische, 18.03.2020]
Frankreich ist nicht nur das Land, in dem die ersten Fälle des Coronavirus in Europa festgestellt wurden, sondern auch das Land, in dem zuerst eine anti‑asiatische Hysterie mit rassistischen Zügen spürbar wurde. [Süddeutsche Zeitung, 03.02.2020]
Wie falsche Anschuldigungen in kollektive Hysterie umschlagen können, gehört zum Grundthema des Stücks [»Hexenjagd« von Arthur Miller], für das die Schüler aus der achten bis zwölften Jahrgangsstufe ein halbes Jahr geprobt haben. [Neue Osnabrücker Zeitung, 02.02.2016]
In den USA bedauert man inzwischen, dass [Charles Spencer] Chaplin, der seine britische Staatsbürgerschaft nicht aufgegeben hatte, aufgrund der antikommunistischen Hysterie der McCarthy‑Ära wieder nach England zurückkehrte. [Leipziger Volkszeitung, 17.01.2012]
Von Schicksalsspielen war [im Vorfeld der WM-Relegationsspiele] die Rede, von einer Frage der Ehre, vom befürchteten Super‑GAU des deutschen Fußballs. Am Nationaltorwart prallt dies alles ab wie von einer Wand. Und er schießt zurück: »Deutsche neigen zu Panikmache und Hysterie [Leipziger Volkszeitung, 10.11.2001]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
hysterisch · Hysterie
hysterisch Adj. ‘auf Hysterie beruhend’, allgemein ‘übertrieben leicht erregbar, übertrieben erregt’, Entlehnung (18. Jh.) aus lat. hystericus, griech. hysterikós (ὑστερικός) ‘die Gebärmutter betreffend, von ihr herkommend’, gebildet zu griech. hystéra (ὑστέρα) ‘Gebärmutter’. – Hysterie f. ‘abnorme Reaktionsweise mit übersteigerten Ausdruckserscheinungen, Neurose, bei der neben psychischen Störungen auch körperliche Beschwerden ohne nachweisbare somatische Ursache bestehen’ (2. Hälfte 19. Jh.), vorher allgemeiner ‘körperliches und psychisches Unwohlsein bei Frauen’; als Terminus der Medizin im 18. Jh. (wie medizin.-lat. Hysteria) zum griech.-lat. Adjektiv gebildet. Die Bezeichnung erklärt sich daraus, daß bei den Ärzten der Antike und noch im frühen 19. Jh. krankhafte Veränderungen an der Gebärmutter als Ursache derartiger Beschwerden angesehen werden. Noch bis zum Ende des 19. Jhs., bis zur Entwicklung der Neurosenlehre (Freud), gilt Hysterie als eine nur bei Frauen auftretende Krankheit.

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Aufgeregtheit · Erregtheit · Erregung · Hysterie  ●  Fieber fig. · Exaltation fachspr., psychologisch, bildungssprachlich

(inszenierte) Begeisterung · (künstliche) Aufregung · Masseneuphorie · Massenhysterie · Medienhype · Medienrummel (um jemand oder eine Sache) · Reklamerummel  ●  Hype engl. · Hysterie fig. · Ballyhoo fachspr., engl., Jargon · der heiße Scheiß ugs.
Unterbegriffe
  • Beatlemania
Assoziationen

(großes) Getöse · (großes) Tamtam · Aufheben(s) · Aufregung · Aufsehen · Federlesen(s) · Gesums · Getue · Gewese · Hype · Schaumschlägerei · Theaterdonner · Wirbel · viel Lärm um nichts  ●  (einen) ganz großen Bahnhof (machen) fig. · Aufruhr fig. · Hysterie fig. · (großes) Trara ugs. · (übertrieben viel) Tamtam (um etwas) ugs., salopp · Aufgeregtheit geh. · Aufriss ugs. · Bohei ugs. · Buhei ugs. · Furore (machen) geh. · Gehabe ugs. · Gemach(e) ugs. · Geschiss derb · Getrommel ugs. · Riesenbohei ugs. · Rummel ugs. · Sturm im Wasserglas ugs. · Tebs ugs., sehr selten · Theater ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Konversionsstörung  ●  Hysterie (psychol.) veraltet

Angstmacherei · Panikmache · Schüren von (unbegründeten) Ängsten  ●  Hysterie(sierung) geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Hysterie‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hysterie‹.

Legende: Adjektive Substantive Verben
Zitationshilfe
„Hysterie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hysterie>.

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